Arbeit macht frei
Arbeit macht frei ist der Titel eines 1872 in Wien erstveröffentlichten Romans des deutschnationalen Autors Lorenz Diefenbach, was als früheste Quelle dieser Parole gelten kann. Heute ist sie in erster Linie durch ihre spätere Verwendung als Eingangsmotto in nationalsozialistischen Konzentrationslagern bekannt.]]
1922 druckte der antisemitische Deutsche_Schulverein_Wien Beitragsmarken mit der Aufschrift Arbeit macht frei. Wie es zu dieser Affinität des Spruchs der deutschnationalen Ideologie kam, ist unbekannt, sie wurde aber immer wieder in antisemitischen Kreisen verwendet.
]]
Der Historiker Harold Marcuse führt die Verwendung als KZ-Motto auf den ersten SS-Kommandanten des KZ Dachau Theodor Eicke zurück.
Der erste SS-Kommandant des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, schrieb in seiner im Gefängnis geschriebenen Biographie Kommandant in Auschwitz über seine persönliche Interpretation der Verwendung von Arbeit macht frei als Leitspruch. Ein wichtiges Element zum Verständnis des Mottos als harter Ausdruck des ursprünglich angeblichen Erziehungszweckes der Konzentrationslager sei in den Meilensteinen Himmlers zu finden: Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland! - die in Großbuchstaben in den Konzentrationslagern Dachau, Sachsenhausen, Neuengamme und möglicherweise Buchenwald und Auschwitz aufgemalt worden waren. Keine dieser Inschriften sind erhalten (außer von Buchenwald und Auschwitz), es existieren allerdings Fotos.
Spätestens seit ihrer Verwendung als Tor-Aufschrift in Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus ist die Parole Arbeit macht frei an Zynismus kaum noch zu überbieten. Die Parole stand hier für das faschistische Programm Vernichtung durch Arbeit. Einziges KZ mit einer abweichenden Torüberschrift war das KZ Buchenwald mit dem Spruch Jedem das Seine - welcher in der lateinischen Fassung suum_cuique der Wahlspruch der preußischen Monarchen war. Dieser war nur von innen und nicht von außen her zu lesen.
Außerdem schrieb Jura Soyfer im KZ Dachau das bekannte Dachau-Lied, in dessen Refrain der Spruch "Arbeit macht frei" verwendet wird.
Der Schriftzug in Auschwitz
Am Tor des Stammlagers_Auschwitz befindet sich der Schriftzug ?Arbeit macht frei? mit einem auf dem Kopf stehenden Buchstaben B. Ehemalige Auschwitz-Häftlinge berichten, es habe sich um einen heimlichen Protest ihres Mitgefangenen, Jan Liwacz, gehandelt, der als Kunstschlosser mehrere Auftragsarbeiten für die SS ausführen musste.Literatur
]]
* Dirk Riedel: "Arbeit macht frei." Leitsprüche und Metaphern aus der Welt des Konzentrationslagers, in: Distel/Benz (Hg): [http://www.dachauer-hefte.de/ Dachauer Hefte 22 (2006)]. ISBN 3980858774
Wolfgang Brückner: Arbeit macht frei. Herkunft und Hintergrund der KZ-Devise, Opladen 1988. ISBN 3810022071
* Wolfgang Brückner in: Gedenkstättenkultur als wissenschaftliches Problem. KZ-Embleme in der Museumsdidaktik. in: "Kulturen ? Sprachen ? Übergänge - Festschrift für H. L. Cox zum 65. Geburtstag". Köln, Weimar, Wien 2000.
* Andrea Woeldike, Holger Schatz: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Hamburg 2001. ISBN 3897718057
* Johannes Tuchel: Konzentrationslager, Berlin 1991. ISBN 3486419021
* Eric Joseph Epstein und Philip Rosen: Dictionary of the Holocaust. Biography, Geography, and Terminology, Westport 1997. ISBN 031330355X
* Rudolf Höß: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß. dtv, 1978. ISBN 3423029080
Weblinks
• Fotos von Toren und Mottos
• deathcamp.org: Die KZ-Mottos Arbeit macht frei und Jedem das Seine

