Drittes Fernsehprogramm
Als die Dritten Fernsehprogramme (umgangssprachlich die Dritten) bezeichnet man in Deutschland die regionalen Programme der ARD. Der Name rührt daher, dass es in den 1960er- und 1970er-Jahren mit dem Ersten_Deutschen_Fernsehen und dem ZDF zunächst nur zwei nationale Fernsehprogramme gab. Die regional orientierten und daher auch nur regional ausgestrahlten Fernsehprogramme waren somit in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils die dritten Programme. Verantwortlich für die dritten Programme sind die einzelnen ARD-Rundfunkanstalten.
Inhalte
Die Dritten Fernsehprogramme sind heute durchweg Vollprogramme mit hohem regionalem Informationsanteil (Landesschauen, Regionalmagazine). Neben Serien und Fernsehfilmen (hauptsächlich Wiederholungen aus dem Ersten_Programm der ARD) laufen bunte Show- und Unterhaltungsformate, zum Teil mit regionalem Bezug, Spielfilme und Magazine zu den verschiedensten Themengebieten (Gesundheit, Hobby, Ratgeber, Wirtschaft und Verbraucher, Wissenschaft/Forschung etc.) Im Vergleich zu anderen Fernsehprogrammen ist der Informations- und Kulturanteil sehr hoch. So sind neben Länder- und Naturreportagen, Dokumentationen und Politmagazinen auch Bildungsprogramme, Kleinkunst- und Konzertmitschnitte zu sehen.
Neben der regionalen Ausrichtung wiesen die Dritten ursprünglich einige weitere Merkmale auf:
* Sie sind werbefrei.
* Sie enthalten einen hohen Anteil an bildungsorientierten Programmen.
* Sie strahl(t)en Schulfernsehen und Telekolleg aus.
* Vor der Einrichtung von EINS_PLUS, 3sat und ARTE war einer ihrer Schwerpunkte das Kulturprogramm.
Heutige Programme
Geschichte
Einrichtung der ?Dritten Programme?
Als erstes der heute insgesamt neun Programme startete der Bayerische Rundfunk (BR) mit seinem Studienprogramm (seit 1973 Bayerisches Fernsehen) am Süddeutsche_Rundfunk_(SDR), der Südwestfunk_(SWF) und der Saarländische_Rundfunk_(SR) mit ihrem Gemeinschaftsprogramm Südwest 3, das am 5. April 1969 auf Sendung ging.
In den 1980er-Jahren benannten einige Landesrundfunkanstalten ihre Programme um, die 3 wurde stärker in den Sendernamen verankert. Der hr nannte sein Programm ab 1983 hessen 3, der WDR ab 1988 West 3 und der NDR ab 1989 N3. Der BR nannte sein Fernsehprogramm jedoch nie offiziell Bayern 3.
Wiedervereinigung
Nach der Wiedervereinigung wurden auch in den neuen_Bundesländern eigene Regionalfernsehprogramme eingeführt: 1992 kamen mit dem MDR und dem Ostdeutschen_Rundfunk_Brandenburg (ORB) zwei weitere Landesrundfunkanstalten zur ARD hinzu, zusammengesetzt aus dem vormaligen Fernsehen_der_DDR. Am 1. Januar 1992 gingen die ostdeutschen Regionalprogramme als MDR Fernsehen (für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und als ORB Fernsehen (für Brandenburg) an den Start. Das Land Mecklenburg-Vorpommern schloss sich seinerzeit dem NDR an, der SFB trennte sich vom Gemeinschaftsprogramm N3 ab und ging mit seinem eigenen Programm B1 (später SFB1) am 1. Oktober 1992 auf Sendung.
Die Bezeichnung ?Dritte Programme? wurde für die neu geschaffenen Programme nicht mehr verwendet, weil es inzwischen eine Vielzahl von Programmen gab. Auch die Programme der weiteren Landesrundfunkanstalten erhielten nach und nach ihre heute verwendeten Namen.
Veränderungen seit Ende der 1990er
Im Jahre 1998 fusionierten SDR und SWF zum heutigen SWR, eine erste Konsequenz aus (politischen) Forderungen, die Fernseh- und Rundfunksender zu optimieren. Gleichzeitig stieg der eigenständig gebliebene SR aus Südwest 3 aus und begründete ein eigenes SR Fernsehen, das allerdings weiterhin viele Sendungen gemeinsam mit dem neuen Südwest Fernsehen hatte. Mit der Fusion von SFB und ORB zum neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) im Jahr 2003 wurden auch die beiden Fernsehprogramme umbenannt; diese hießen zwischenzeitlich RBB Brandenburg (zuvor ORB Fernsehen) beziehungsweise RBB Berlin (zuvor SFB1). Seit dem 29. Februar 2004 gibt es für das Sendegebiet des RBB mit dem rbb Fernsehen ein einheitliches Programm, das täglich für eine halbe Stunde zwischen Berlin und Brandenburg auseinandergeschaltet wird. Mit der Zusammenführung der RBB-Programme reduzierte sich die Anzahl der ?Dritten? von neun auf acht. Seit Januar 2005 sind es aber wieder neun Programme, weil Radio Bremen nun seine zuvor im Ersten ausgestrahlten regionalen Inhalte im ?Dritten? ausstrahlt, das sogenannte Radio Bremen TV. Mit der Umbenennung des Südwest Fernsehens in SWR Fernsehen am 11. September 2006 tragen mittlerweile, mit Ausnahme des Bayerischen Fernsehens, alle Programme den Namen der jeweiligen Landesrundfunkanstalt im Sendernamen.
Aktuelle Situation
Mit dem Aufkommen neuer Übertragungstechniken wie Kabel- und Satellitenfernsehen entfiel die technische Restriktion knapper Bandbreiten, die zuvor das Programmangebot eingeschränkt hatte. Seitdem sind nahezu alle Dritten Programme bundesweit empfangbar. Von den genannten Charakteristika ist mittlerweile fast nur noch der Aspekt der regionalen Berichterstattung übriggeblieben. Weitere Unterscheidungsmerkmale zum Hauptprogramm der ARD sind demgegenüber in den Hintergrund getreten.
Siehe auch
Fernsehen in Deutschland

