Aqua Virgo
, gespeist von der Aqua Virgo]], gespeist von der Aqua Virgo]]
Die Aqua Virgo (italienisch Acqua Vergine oder auch Acqua di Trevi) war einer der elf Aquädukte, die die Stadt Rom in der Antike mit Wasser versorgten. Die Wasserleitung wurde stetig restauriert, und versorgt noch heute den Trevi-Brunnen sowie den Barcaccia-Brunnen auf der Piazza di Spagna und den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona. Die Aqua Virgo ist der einzige Aquädukt, der seit der Antike ununterbrochen Wasser nach Rom führt.
Geschichte
Am 9. Juni des Jahres 19 v. Chr. eröffnete der Konsul Marcus Vipsanius Agrippa während der Herrschaft des Kaisers Augustus die Aqua Virgo, als sechsten römischen Aquädukt, zur Versorgung der ebenfalls von ihm erbauten Thermen auf dem Marsfeld (Campus Martius) neben dem Pantheon mit der Einweihung eines Abschlußbrunnens beim Pantheon.Cesare d'onofrio, Il Facchino di via Lata ed altre fontane minori con acqua di Trevi, Romana Società Editrice 1991, S. 22
Der Legende nach, die auch von Sextus Iulius Frontinus in seiner Beschreibung der Wasserversorgung Roms wiedergegeben wurde, sollen Agrippa und seine Soldaten auf der Rückkehr von der Seeschlacht gegen Kleopatra und Marcus Antonius in den Sabiner Bergen geruht haben. Dort baten durstige römische Soldaten ein junges Mädchen, eine Jungfrau, um Wasser. Sie verwies sie auf eine Quelle mit besonders reinem Wasser, jene Quelle, die später die Wasserleitung versorgte. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Namensgebung auf der Klarheit und Frische der Aqua Virgo beruht, deren Quellwasser im Gegensatz zu anderen Wasserentnahmestellen entlang der Flüsse als besonders ?jungfräulich? empfunden wurde.
Eine Restaurierung fand unter Kaiser Konstantin_dem_Großen statt.. Die Goten versuchten bei der Belagerung Roms im Jahr 537 n. Chr. die unterirdische Wasserführung als Geheimgang zu nutzen, um unbemerkt in die Stadt Rom einzudringen, wie Prokopios von Caesarea berichtet.
Mit dem Untergang des Römischen Reiches verfiel die Aqua Virgo. Papst Hadrian_I. ließ im 8. Jahrhundert neben der Aqua Virgo auch die Aqua Claudia, die Aqua Marcia und die Aqua Traiana in Stand setzen und sicherte so weiterhin für einige Stadtteile wie das Marsfeld und Trastevere die Wasserversorgung.Cesare d'onofrio, Il Facchino di via Lata ed altre fontane minori con acqua di Trevi, Romana Società Editrice 1991, S. 18
Im späten 12. Jahrhundert endete die Wasserleitung mit drei Ausgängen, die an der heutigen Via del Corso Brunnentröge speisten. Möglicherweise bezieht sich der Name Trevi, für den Stadtteil und den Brunnen, auf diese drei Quellen oder auch auf die Kreuzung dreier Straßen (ital.: tre vie) in der Nähe.
1453 ließ Papst Nikolaus_V. nach Restaurierungsarbeiten dem Aquädukt einen neuen Endpunkt geben und errichtete den Trevi-Brunnen. In dieser Zeit erhielt die Wasserleitung ihre heutige Gestalt und bekam den italienischen Namen Acqua Vergine.
Erneut repariert vom Papst Sixtus IV., wurde sie zwischen 1561 und 1570 durch Papst Pius IV. einer grundlegenden Sanierung von der Quelle bis in die Stadt unterzogen. Am 16. August 1570 wurde die neue Acqua Vergine unter großer Teilnahme der Bevölkerung auf der Piazza di Trevi eröffnet und versorgte Rom wieder mit ihrer maximalen Kapazität. Die Gemeinde Rom beschloß ein umfangreiches unterirdisches Wasserleitungsnetz zu errichten das insgesamt 18 neue öffentliche Brunnen versorgen sollte.Cesare d'onofrio, Il Facchino di via Lata ed altre fontane minori con acqua di Trevi, Romana Società Editrice 1991, S. 28 Diese wurden besonders unter Papst Gregor XIII. ausgeführt.
Wasserführung
Die Quelle in den Sabiner Bergen liegt in der Nähe des 8. Meilensteins der Via Collatina, ungefähr drei Kilometer von der Via Praenestina entfernt. Das Quellgebiet gehörte zu einem Landgut des Lucullus. Die Aqua Virgo folgt in ihrem Verlauf der Via Collatina.
Die Wasserleitung weist auf ihrer Länge von rund 21 km lediglich vier Meter Gefälle auf und verlief auf fast der ganzen Strecke unterirdisch. Lediglich die zwei Kilometer nach der Ankunft in Rom beim Mons Pincius (Pincio) waren als Aquädukt in bekannter Bogenbauweise errichtet. Die Leitung endete in der Mitte des Campus Martius. In ihrer ersten Phase diente sie für die Versorgung des Campus Martius und besonders für den Teich und die Thermen Agrippas. Der maximale Durchfluss lag bei 104.000 Kubikmeter pro Tag.
Die Tatsache, dass der Höhenunterschied zwischen der Quellfassung und dem Ende der Wasserleitung lediglich vier Meter beträgt, machte es unmöglich, die höher gelegenen Stadtteile von Rom durch dieses Aquädukt mit Wasser zu versorgen.
Zur Zeit des Kaisers Claudius wurden der bisherigen Wasserleitung neue Bögen hinzugefügt, die den Campus Martius durchquerten und entlang der Via Latina durch den claudischen Triumphbogen, ein monumentales Zeugnis der Eroberung Britanniens im Jahr 44 n. Chr. durch Claudius, führte.
Wasserdiebstahl blieb auch bei der Aqua Virgo nicht aus. So verschwanden die Wassermengen in der Periode von Kaiser Nero größtenteils in privater Nutzung. Hierzu wurde die Wasserleitung mehrfach umgeleitet.
Anmerkungen
Siehe auch
Wasserversorgung im Römischen Reich
Aquädukt
Weblinks
• Artikel Aqua Virgo, in Platner/Ashby, A Topographical Dictionary of Ancient Rome (1929)

