Appretur
Appretur (von frz: apprét = Ausrüstung, Zurichtung) bezeichnet die veredelnde Behandlung von Stoffen und Textilien, aber auch Garnen und Fasern sowie Papier und Leder, um ihnen ein besonderes Aussehen und/oder bestimmte Eigenschaften zu geben. Dazu gehören besondere Oberflächenstrukturen, Steifheit, Weichheit, Glanz, Dichte, Glätte, Geschmeidigkeit aber auch Wasserabweisende-, Antistatische-, Flammhemmende- oder Antimikrobielle Ausrüstungen.Die Vorbehandlung und das Colorieren der Textilien (Drucken, Bleichen, Färben) sind Prozesse die vor der Appretur stattfinden.
Manuelle Appretur
Im Haushalt sowie bei Textil-, Teppich- oder Lederreinigern werden praktisch ausschließlich Fertigerzeugnisse wie Kleidungsstücke, Teppiche oder Schuhe einer Appretur unterzogen. Im allgemeinen dient dies der Auffrischung bzw. Wiederherstellung bestimmter Eigenschaften eines Produktes. So kann durch Aufbringen eines Imprägniermittels die Wasserdichtheit von Schuhen oder Jacken erneuert werden. Es werden Tischdecken oder Hemden mit einem Stärkemittel eingesprüht, um Griffigkeit und Steifheit zu erhöhen. Diese Arbeiten werden großteils von Hand bzw. mit nur geringem Maschineneinsatz ausgeführt. Die Haltbarkeit dieser Maßnahmen ist in der Regel begrenzt und muss unter Umständen nach jeder Reinigung wiederholt werden.
Industrielle Appreturverfahren
In der industriellen Fertigung wird zwischen chemischer, und mechanischer Appretur unterschieden. Diese efolgen entweder in einem Nass- oder Trockenprozess. Üblicherweise erfolgen - je nach gewünschtem Effekt - erfolgen die Appreturen meist der Colorierung. Im Regelfall erfolgen diese Prozesse an dem textilen Flächengebilde in breitem Zustand oder in Strangform. Von der Appretur bei Garnen und Zwirnen spricht man - wenn überhaupt - üblicherweise nur bei Halbfertigfabrikaten wie Nähfäden, Handstrickgarnen,...
Chemische Appretur in der Industrie
Diese dient dazu, das Substrat zur Erzielung spezifischer Eiegnschaften zu verändern, die es in seiner ursprünglichen Form nicht besitzen würde und so die Gebrauchseigenschaften zu verbessern.
Um ein textiles Erzeugnis dauerhaft mit einer bestimmten Eigenschaft auszurüsten, werden Permanentappreturen eingesetzt. Dennoch ist die Haltbarkeit des Effektes von der Pfelege und den Umgebungsbedingungen der daraus hergestellten Textilen abhängig.
Beispielsweise werden die Fasern eines Kleidungsstückes mit wasserabweisenden Chemikalien beschichtet, um einerseits Wasserdichtheit zu erreichen, andererseits aber weiterhin Luftdurchlässigkeit zu gewährleisten. Oder es werden Textilien mit Insektiziden imprägniert, um diese vor Motten zu schützen.
= Technische Verfahren
=Eine Auswahl: Abkochen, Ausziehverfahren, Entschlichten, Foulardieren, Karbonisieren, Laugieren, Mattieren, Mercerisieren, Oleophobieren, Pflatschen, Rakeln, Schaumauftrag, Sprühen, Spritzen, Walken
= Verwendete Chemikalien
=Eine Auswahl: Antistatika, Avivagen, Emulgatoren, Entschlichtungsmittel, Enzyme, Füll- und Versteifungsmittel, Fungizide, Hydrophobierungsmittel, Oleophobierungsmittel, Schiebefestmittel, Verdickungsmittel, Weichmacher, Weißtöner.
= Warenbezeichnungen nach einer chemischen Appretur
=Eine Auswahl: Antistatik, Antibakteriell, Antimikrobiell, Antimykotisch, Antipilling, Antischmutz, Antisoiling, Baygard®, Beschichtung, Eulan®, Flammhemmend, Fleckschutz, Fungizid, Fusselfrei, Hydrophob, Hygieneausrüstung, Imprägniert, Lichtstabilisiert, Mercerisiert, Mikrobakterizid, Mikrobizid, Mikrofungizid, Mottenecht, Nanoausrüstung, Perigen®, Schimmelfest, Schwer entflammbar, Scotchgard®, Teflon®, UV-Blocker]], UV-stabilisiert, Waschmaschinenfest, Wasserabweisend
= Umweltschutz
=Infolge zunehmender Sensibilisierung in Bezug auf Umweltschutz und größerer Allergieanfälligkeit der Konsumenten, hat sich die Ausrüstung von Textilien hin zu verträglichen und trotzdem effektiven Prozessen verändert. Seit den 1980er Jahren wird bei der Auswahl der Chemikalien ein immer größerer Wert auf Umweltverträglichkeit und Unbedenklichkeit für den Menschen gelegt. Gütesiegel wie Öko-Tex-Standard 100 des Österreichischen Textilforschungsinstituts (ÖTI) und des Forschungsinstitut Hohenstein GmbH, oder Naturtextil des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft IVN wurden ins Leben gerufen, um das Vertrauen in eine schadstoffarme Produktqualität zu sichern. Seit den 1990er Jahren steigt das Angebot an vollständig chemiefreien Textilerzeugnissen stark an und trägt so der Nachfrage umweltbewusster Konsumenten Rechnung. Diese sind jedoch nicht in der Lage den Bedürfnissen der moedernen Konsumenten gerecht zu werden.
Mechanische Appretur in der Industrie
Ziel ist die Veränderung der mechanischen Eigenschaften des Textils. Diese geht in den meisten Fällen mit einer chemischen Ausrüstung einher. Das Ergebnis kann beispielsweise Glätte oder Rauhigkeit, Glanz oder Mattheit, Offenheit oder Geschlossenheit, Dichte oder Durchlässigkeit des Textils sein.
= Technische Verfahren
=Eine Auswahl: Dämpfen, Dekatieren, Filzen, Krumpfen, Sanforisieren, Schrumpfen, Thermofixieren
Dekatieren, Filzen, Gasieren, Gaufrieren, Kalandrieren, Moirieren, Prägen, Rauhen, Scheren, Schmirgeln, Sengen, Walken
Durch eine Wärmebehandlung werden vorhergegangene Ausrüstungsschritte fixiert, eine größere Formstabilität erreicht und das Aussehen, besonders nach mechanischen Appreturen, optimiert. Einige Textilien, wie manche Walkfilze, werden in einem mechanisch-/thermischen Verfahren hergestellt.
Literatur
* Brem, Christel: Textilien, Gift auf unserer Haut, 1 Tonne Textilien - 1/2 Tonne Chemie; AbeKra-Verlag 2001; ISBN 3-9805124-3-6
* Buurman, Dieter C.: Lexikon der textilen Raumausstattung; Buurman 1996; ISBN 3-98047-440-2
* Fiscus, Gerard; Grunenwald, Dominique: Textilveredlung, Ein umfassender Leitfaden; High-Textil 1992
* Kiessling, Alois; Matthes Max: Textil-Fachwörterbuch; Schiele und Schön 1993; ISBN 3-7949-0546-6
* Peter, Max; Rouette, Hans-Karl: Grundlagen der Textilveredlung, Handbuch der Technologie, Verfahren und Maschinen; Deutscher Fachverlag 1989
* McKeand, Alan H.: Fachwörterbuch Textilveredelung, deutsch-englisch; Deutscher Fachverlag 2004; ISBN 3-87150-841-1
* Rouette, Hans-Karl: Wörterbuch der Textilveredelung, Deutsch-Englisch; Springer 2002; ISBN 3-540-43214-0
* Stöckigt, Ulrich; Döcke, Werner; u. a.: Appretur: Vorappretur, Bleichen, Trocknen, mechanische und chemische Appretur; Fachbuchverlag Leipzig 1990; ISBN 3-343-00261-5
Weblinks
• Lexikon der textilen Raumausstattung
• Stofflexikon
• Wörterbuch Textil, Deutsch Englisch

