Apple IIe
thumb|Ein_Apple_IIe_ohne_MonitorDer Apple IIe war eine Weiterentwicklung des Apple II, die nach dem Scheitern des Apple III innerhalb sehr kurzer Zeit als "Verluste-Stopper" von Apple entwickelt und Anfang 1982 veröffentlicht wurde. Er hatte serienmäßig 64 KiB RAM eingebaut und verhielt sich im wesentlichen wie ein Apple II+ mit bereits eingebauter Apple II Language Card. Eine Aufrüstung (mittels einer einzigen Steckkarte) auf 128 KiB RAM, Videx-kompatible 80-Zeichen-Anzeige und verdoppelte Grafikauflösung war im Grundgerät bereits vorgesehen und wurde von fast allen Benutzern auch bald durchgeführt.
Erstmals in der Apple II-Serie war ohne Aufrüstung die Ein- und Ausgabe von Kleinbuchstaben möglich; die Tastatur konnte sämtliche 7-Bit-ASCII-Zeichen inklusive aller Steuerzeichen erzeugen, in der deutschen Variante erstmals auch deutsche Umlaute, die nach ISO 646 kodiert waren. Zwischen amerikanischer und nationaler Tastaturbelegung und Zeichensatz konnte bei den nicht-amerikanischen Modellen mittels eines Schalters vorne unter der Tastatur gewählt werden. Aus Softwaresicht war die Umschaltung anders als beim IBM PC vollkommen transparent, es wurden keine Treiber oder ähnliches dafür benötigt.
Die Tastatur des Apple IIe konnte auch im Gegensatz zum Apple II/II+ mit einem Nummernblock erweitert werden; sie verfügte zudem als erste im Hause Apple über die Open-Apple- und die Solid-Apple-Taste (später auf dem Macintosh zu "Command" und "Option" umbenannt). Da diesen Tasten kein ASCII-Code zugeordnet werden konnte, wurden sie so verdrahtet, dass sie aus Softwaresicht wie die beiden Feuerknöpfe eines Apple-Joysticks erschienen.
Der IIe bestand aus weniger Bestandteilen und war somit trotz der seiner verbesserten Eigenschaften nicht teurer als der Apple II+, brachte Apple aber zugleich deutlich mehr Gewinn ein. Die Produktion des II+ wurde folglich sofort nach dem Erscheinen des IIe eingestellt. Da im IIe mehrere größere ASICs verwendet wurden statt der Vielzahl kleiner Standard-ICs der älteren Modelle, verschwanden auch die Apple-Klone, deren Hersteller diese ASICs nicht erwerben konnten, im wesentlichen vom Markt; allerdings bedeutet dies auch, dass ein defekter Apple IIe anders als der Apple II/II+ heute nicht mehr ohne weiteres repariert werden kann, da diese ASICs nicht mehr erhältlich sind.
Als Disketten-Betriebssystem diente zunächst noch das übernommene Apple DOS der älteren Modelle, ab Ende 1983 dann Apple ProDOS.
Der Apple IIe war ein Riesenerfolg und wurde in den Jahren 1981-84 im Schnitt 60 - 70.000mal verkauft.
1985 erhielt er erneut ein Hardware-Upgrade, das als "Enhanced IIe" bekannt wurde: Der MOS 6502-Prozessor wurde durch den WDC 65C02 ersetzt, er erhielt einen neuen Zeichengenerator, der auch Grafikzeichen generieren konnte, und zwei Firmware-ROM-Chips wurden durch neue ersetzt. Dieses Update beseitigte mehrere bekannte Fehler der Firmware und machte ihn kompatibler zum Apple IIc und in geringerem Maße auch zum alten Apple II, dessen Mini-Assembler und Step- und Trace-Befehle nun wieder vorhanden waren. Apple verkaufte auch Update-Kits mit den vier benötigten ICs und einem neuen Typenaufkleber, wodurch Benutzer der älteren Variante ihr Gerät selbst oder in einer Vertragswerkstatt zum "Enhanced IIe" upgraden konnten. Der "Enhanced IIe" ist an der Einschaltmeldung "Apple //e" zu erkennen, die ältere Variante zeigt "APPLE ][" bzw. bei aktiviertem deutschen Zeichensatz das eher komische "APPLE ÜÄ". Ein Enhanced IIe und 128KiB RAM ist die Mindestausstattung, um praktisch alle 8-Bit Apple-II-Programme ablaufen lassen zu können. Dies gilt nicht für die Apple IIgs-spezifischen.
1986 erschien nochmals eine neue Version, der "Platinum IIe", der softwareseitig keine Neuerungen brachte, aber ein moderneres Gehäusedesign bot, die Chip-Zahl weiter reduzierte (wodurch der Preis sank) und einen bereits eingebauten Nummernblock hatte. In Deutschland wurde dieser Rechner allerdings nicht mehr angeboten, da Apple hierzulande voll auf den Macintosh setzte. Diese Version wurde noch bis Ende 1993 gefertigt, wodurch der Apple IIe das am längsten hergestellte Computermodell in der ganzen Apple-Firmengeschichte wurde. Einige wenige Geräte sind auch heute noch bei Privatpersonen und in Schulen als Anschauungsmodell in Betrieb.

