Apostolisches Vikariat des Nordens
Im Zuge der Reformation kam durch die Aufhebung der meisten Bischofssitze die bischöfliche Jurisdiktion in Norddeutschland und Skandinavien zum Erliegen. Diese Gebiete, in denen nur noch spärliche Reste der katholischen Bevölkerung lebten, wurden als Nordische Missionen bezeichnet und 1622 der Congregatio_de_Propaganda_Fide in Rom unterstellt. Während nun der Kölner Nuntius die nötigen Fakultäten für Norddeutschland erhielt, wurde der Warschauer Nuntius für Schweden und Mecklenburg beauftragt. Dem Brüsseler Nuntius wurden ähnliche Fakultäten für Dänemark und Norwegen übertragen. Der allmähliche Anstieg der Katholikenzahlen führte 1667 zur Gründung des Apostolischen_Vikariates für die Nordischen Missionen.
Geschichte
In den Anfangsjahren wurde Hannover zum Sitz des Apostolischen Vikars, der direkt dem Kölner Nuntius unterstellt war. Oftmals war der Apostolische Vikar zugleich Weihbischof einer anderen Diözese, was die Stellung nicht erleichterte. 1709 kam es dann zu einer Teilung. Während die dänischen und schwedischen Gebiete, wie auch die ehemaligen Bistümer Bremen-Hamburg, Lübeck und Schwerin zukünftig das Apostolische Vikariat des Nordens bildeten, und zukünftig von den Osnabrücker oder Paderborner Weihbischöfen verwaltet wurden, fasste man die Territorien Braunschweig-Lüneburg und Brandenburg zum Apostolischen Vikariat Ober- und Niedersachsen zusammen. An dieses gab das Apostolische Vikariat des Nordens 1721 auch noch die Herzogtümer Bremen und Verden ab.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zählte das Vikariat 2.000 Katholiken, etwa 20 Missionsstationen, 6 Männer- und 10 Frauenklöster. Die hiesige Seelsorge wurde vornehmlich von Ordenspriestern, besonders Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner, wahrgenommen. An einigen Orten, wie Hannover, wo den Ordenspriestern das Wirken untersagt war, standen Diözesanpriester zur Seelsorge bereit.
Zum Unterhalt der Missionsstationen und Missionare trugen Spenden der Gemeindemitglieder und meist einmalige oder zeitlich begrenzte Zuwendungen der Propaganda in Rom bei. Hinzu kamen größere private Stiftungen von Mitgliedern des Kaiserhauses, katholischer Reichsstände und Adliger. So konnte die Missionsstiftung des Bischofs von Paderborn nicht weniger als 36 Missionare in 15 Missionsstationen unterhalten.
Der heterogene Charakter der Gemeinden aus Gläubigen verschiedener Nationen und sozialer Schichten, wie auch eine starke Fluktuation, erschwerten die Seelsorge erheblich. Auch staatliche Verordnungen schränkten die Seelsorge ein. Da die protestantischen Landesherren auch gegenüber den katholischen Untertanen die kirchliche Leitung beanspruchten, wurden die meist außerhalb des jeweiligen Territoriums residierenden Apostolischen Vikare in ihrer Amtsführung erheblich behindert. Die Wahrnehmung jurisdiktioneller Rechte war quasi unmöglich und auch Pontifikalhandlungen wurden oft nur vereinzelt erlaubt. Um seine Autorität zu stärken, nahm der Papst einen Vorschlag Maria Theresias auf und vereinigte die beiden Vikariate wieder zu einem großen, dessen Leitung zukünftig ein regierender Bischof inne hatte.
Nachdem bereits 1783 Schweden als eigenständiges Vikariat abgetrennt worden war, brachte die Säkularisation dem Vikariat neue Schwierigkeiten. Waren die finanziellen Einbußen schon schmerzhaft, so wurde die Aufhebung der Orden, welche fast alle Seelsorger stellten, zu einer Existenzfrage. 1824 fielen weite Gebiete des Apostolischen Vikariates an die Diözesen Hannovers und Preußens. Obwohl stark verkleinert, umfasste das Restvikariat immer noch Dänemark, Schleswig-Holstein, Lauenburg, Mecklenburg, Schaumburg-Lippe, drei Hansestädte und Anhalt und Braunschweig, welche jedoch 1834 aus dem Vikariat herausgenommen wurden. Nach einer Übergangszeit wurde Mitte des 19. Jahrhunderts der Weihbischof, später der Bischof_von_Osnabrück mit der Verwaltung des Vikariates betraut. Im Zuge des Konkordates zwischen dem Hl._Stuhl und Preußen von 1929 wurde das Gebiet der Norddeutschen Missionen direkt in das Bistum eingegliedert. Das Apostolische Vikariat ist damit erloschen.
Apostolische Vikare
Franz Wilhelm von Wartenberg (1645 - 1661) (für Bremen)
Valerio Maccioni (1667 - 1676)
Niels Stensen (1677 - 1686)
Ferdinand von Fürstenberg (1680 - 1683) (für Bremen, Halberstadt, Magdeburg und die mecklenburgischen Herzogtümer)
Friedrich von Tietzen gen. Schlüter (1687 - 1696)
Jobst Edmund von Brabeck (1697 - 1702)
Otto von Bronckhorst-Gronsfeldt (1702 - 1713)
Johann Hugo von Gärtz (1715 - 1716)
Hyazinth Petit (1718 - 1719)
Johann Friedrich Adolf von Hörde zu Schönholthausen (1722 - 1761)
Franz Josef von Gondola (1761 - 1774)
Friedrich Wilhelm von Westphalen (1775 - 1789)
Franz Egon von Fürstenberg (1789 - 1825)
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Hermann Wilhelm Berning (1921 - 1930)
Apostolische Vikare für Ober- und Niedersachsen
Agostino Steffani (1709 - 1723)
Ludolf Wilhelm von Majus (1722 - 1723) (Provikar)
Agostino Steffani (1726 - 1728)
Johann Heinrich Naendorff (1728 - 1730)
Leopold Heinrich Wilhelm von Schorror (1730 - 1745)
Johann Wilhelm von Twickel (1745 - 1757)
Volradus Christian Müller (1757 - 1759) (Provikar)
Jodokus Joseph Walmer (1759 - 1760) (Provikar)
Johann Theodor von Francken-Siersdorf (1760 - 1779)
Siehe auch
Liste der katholischen Bistümer
Katholische Kirche in Deutschland
Apostolisches Vikariat

