Enzyklika
Eine Enzyklika ist ein vom römisch-deutschen_Kaiser oder dem römischen Papst (meist) in lateinischer Sprache verfasstes Rundschreiben. Gebräuchlich sind sie seit Papst Benedikt_XIV. Im Falle des Papstes wendet es sich an die ganze Kirche. Enzykliken können grundsätzlichen Themen der Glaubensverkündigung gewidmet sein oder auch besondere pastorale Akzente aufweisen. Sie sind dann typischerweise nur als disziplinäre, nicht als unfehlbare Lehrautorität zu verstehen. Daraus ergibt sich, dass sie dem Wandel der Dinge folgen, dieses zeigt sich deutlich an den Sozialenzykliken der Päpste. Die kaiserlichen Enzykliken sind meistens Krönungsberichte gewesen.Päpstliche Enzykliken seit 1800
Das Wort Enzyklika, aus dem Griechischen ?enkyklios? kommend, bedeutet wörtlich ?im Umkreis? oder ?im Kreis laufend?. Die Enzyklika ist somit als Rundschreiben an die Bischöfe des Erdkreises zu verstehen. Manche Enzykliken, beginnend mit der Friedensenzyklika Papst Johannes XXIII. von 1963 ?Pacem in terris?, sind nicht nur an die Gläubigen, sondern auch ?an alle Menschen, die guten Willens sind? gerichtet.
Die Enzykliken werden mit den ersten zwei oder drei Anfangsworten des ersten Satzes zitiert (so gen. ?Incipit?, seltener auch nur das erste Wort, z.B. bei der Enzyklika ?Libertas? Leo XIII. von 1888, oder mit mehr Worten wie ?Graves de communi re? Leo XIII. von 1901).
Hier sei beispielsweise die (im Original auf Deutsch verfasste) Enzyklika ?Mit brennender Sorge? (lat.: Ardenti cura) genannt, die Papst Pius XI. angesichts der Situation im deutschen_Reich am 14. März 1937 herausgab und die sich gegen die nationalsozialistische Ideologie richtete. Im übrigen erschien am 19. März desselben Jahres eine Enzyklika, die den Kommunismus verurteilte und wenig später eine Enzyklika zur Lage in Mexiko (?Nos es muy conocida?). Drei Enzykliken innerhalb zweier Wochen publiziert zu haben, das blieb Rekord in der gesamten Papstgeschichte.
Ihre Veröffentlichung erfolgt im Amtsblatt_des_Hl._Stuhles, öfters ist auch zugleich eine amtliche Übersetzung in anderer Sprache beigegeben.
Die moderne Form der Enzyklika als Lehrschreiben hat Papst Benedikt XIV. 1740 mit der Enzyklika Ubi primum etabliert. Bekannt ist auch seine Enzyklika Vix pervenit (1745), in der er massiv gegen Zins und Wucher Stellung bezieht.
Seit Gregor XVI. (1831-1846) haben die Päpste regelmäßig Enzykliken herausgegeben, Leo XIII. (1878-1903) insgesamt über 80, Pius XI. genau 30, Pius XII. wiederum 41. Seit Paul VI. werden auch päpstliche Lehrschreiben häufiger als zuvor in weniger feierlicher Form abgefasst (Exhortatio apostolica), etwa das jeweilige Apostolische Schreiben im Anschluss an eine Bischofssynode. Die noch kürzere Form der Breven ist heute für Lehraussagen ungebräuchlich.
Papst Leo XII. verurteilte bereits 1824 in seiner Enzyklika Ubi primum den religiösen Indifferentismus; Pius VIII. wehrte sich in seinem kurzen Pontifikat mit Traditi humilitati nostrae gegen angebliche Geheimgesellschaften, insbesondere die Freimaurer, die er als Gefahr für den Kirchenstaat ansah. Die intransigente Richtung setzte Gregor XVI. fort, der mit Mirari vos 1832 den Indifferentismus und Rationalismus verurteilte und 1834 den Liberalismus verwarf (gegen Lamennais). Wenn auch zunächst in defensiver Haltung, so beginnt unter Gregor XVI. doch das Ringen der kath. Kirche um die angemessene Distanz von der Staatspolitik, zunächst noch restaurativ als Abwehr gegen jedweden politischen Naturalismus formuliert. Die große, einheitliche Linie über Leo XIII. und Pius XI. bis Johannes Paul II. überrascht: Wenn man die kontextbedingte Ausdrucksweise relativierend würdigt, so bleibt der Gesamteindruck, dass das moderne Lehramt der Päpste sich mehr und mehr darauf konzentriert, den geistlichen Anspruch des Christentums zu profilieren, um so der Zukunft einer Zivilisation im Umbruch zu nützen.
Da die päpstliche Lehrtätigkeit mit Pius IX. ihren bis heute anhaltenden Aufschwung begonnen hat (seit dem I. Vatikanum von 1870), lohnt es sich, die seither ergangenen Enzykliken zu dokumentieren:
Enzykliken Papst Pius IX. (Auswahl)
Enzykliken Papst Pius X. Enzykliken Papst Benedikts_XV.
Schon das erste Apostolische Schreiben des Papstes ?Rerum Omnium/'>|26. Januar 1923||über den Heiligen Thomas von Aquin
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|4||Maximam Gravissimamque/'>|18. Januar 1924||über die Probleme diözesaner Vereinigungen in Frankreich
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|6||Rerum Ecclesiae/'>|28. Februar 1926||Rite Expiatis/'>|30. April 1926||über den Heiligen Mortalium Animos/'>|6. Januar 1928||über die christliche Einheit
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|12||Mens Nostra/'>|20. Dezember 1929||über die Förderung geistlicher christliche Erziehung
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|16||Casti connubii/'>|31. Dezember 1930||über die christliche Sozialenzyklika
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|19||Soziallehre (siehe auch Sozialenzyklika)
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|20||Lux veritatis/'>|1931||über das Konzil von Herz Jesu
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|23||Mexiko
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|24||Priestertum
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|26||Mit brennender Sorge/'>|14. März 1937||gegen den Divini redemptoris/'>|19. März 1937||gegen den atheistischen Rosenkranzes als Zuflucht zur Kirche
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Pius XI. beauftragte 1938 den Jesuiten Sertum Laetitiae/'>|1. November 1939||Über den 150. Jahrestag der Schaffung der kirchlichen Hierarchie in den USA
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|3||Mystici Corporis Christi/'>|29. Juni 1943||über die Divino Afflante Spiritu/'>|30. September 1943||über die Heilige Schrift
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|6||Communium Interpretes Dolorum/'>|15. April 1945||für Quemadmodum/'>|6. Januar 1946||über die Hilfe für bedürftige Kinder
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|10||Benedikt
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|12||Optatissima Pax/'>|18. Dezember 1947||Für öffentliche Gebete für die Versöhnung zwischen den Völkern
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|14||In Multiplicibus Curis/'>|24. Oktober 1948||Für Gebete für den Frieden in Palästina
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|16||Summi Maeroris/'>|19. Juli 1950||Erneut für Gebete für den Frieden und die Eintracht zwischen den Völkern
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|19||Evangelii Praecones/'>|2. Juni 1951||über die Förderung der katholischen Ingruentium malorum/'>|15. September 1951||über das Doctor Mellifluus/'>|24. Mai 1953||Zum 800. Todestag des Heiligen Sacra Virginitas/'>|25. März 1954||über die geweihten Bonifatius
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|29||Ad caeli reginam/'>|11. Oktober 1954||Marianische Enzyklika über die Kirchenmusik
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|32||Laetamur Admodum/'>|1. November 1956||für Gebete für den Völkerfrieden
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|35||Invicti Athletae Christi/'>|16. Mai 1957||über den 300. Jahrestags des Martyriums des Heiligen Andreas Bobola
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|38||Miranda Prorsus/'>|8. September 1957||Zweite Kommunismus und die Kirche in China
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|41||
Die fünf größeren Enzykliken stehen allesamt thematisch im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Enzykliken zum Zölibat und zur Geburtenregelung ergingen zu Themen, die der Papst dem Konzil entzogen hatte.
Unter den zehn größeren Apostolischen Schreiben (neben ca. zwanzig weiteren) Pauls VI. sind insbesondere zu nennen:
Enzykliken Papst Benedikts_XVI. Antrittsenzykliken
Mit der ersten Enzyklika E supremi apostolatus/'>|4. Oktober 1903||Erklärt der neue Papst ?Alles in Christus erneuern? zu seinem Programm.
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|Papst Benedikt XV.||Summi pontificatus/'>|20. Oktober 1939||Gegen den Krieg; der Friede als Werk der Gerechtigkeit und über die Einheit der menschlichen Gesellschaft.
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|Papst Johannes XXIII.||Redemptor Hominis/'>|4. März 1979||Sie wirkte im Rückblick wie ein Programm des Pontifikats, in ihr behandelte u.a. er die politischen Herrschaftsformen, die sich im Osten wie im Westen gebildet hatten. Die Idee der Menschenwürde und der Menschenrechte wird christlich profiliert.
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|Papst Benedikt XVI.||päpstlichen_Bulle Ineffabilis Deus das Dogma über die Immaculata Conception, also die ?Unbefleckte Empfängnis? am 8. Dezember 1854 verkündigte. Auf den Höhepunkt wurde die Marienverehrung auch durch das Dogma vom 1. November 1950 über die Aufnahme Mariens in den Himmel durch Papst Pius XII. geführt.
Von den Päpsten des 20. Jahrhunderts, die sich als eifrige Marienverehrer erwiesen, stammen programmatische Enzykliken zu marianischen Themen:
* Papst Pius X. : Ad diem illum laetissimum 1904
* Papst Pius XII. : Deiparae virginis mariae, 1946; Fulgens Corona, 1953; Ad caeli reginam, 1954
* Papst Paul VI. : Mense Maio, 1965; Christi Matri, 1966 (sowie Apostolische Schreiben: Signum Magnum (1967), Recurrens mensis October (1969) und Marialis Cultus (1974))
* Papst Johannes Paul II. : Redemptoris Mater, 1987
Missionsenzykliken
Im kirchlichen Sprachgebrauch wird mit dem Wort ?Mission? ein zweifaches bezeichnet: Erstens die Weltmission und zweitens die Volksmission (siehe hierzu auch Hauptartikel Mission). Zum Missionsauftrag haben die Päpste diverse Enzykliken, Apostolische Schreiben und Dekrete veröffentlicht, sie alle Beschreiben den Missionsauftrag und die christliche Missionsarbeit.
Enzykliken
* Die bedeutende Missionsenzyklika ?Sancta Dei Civitas? (Heiliger Gottesstaat) von Papst Leo XIII. wurde am 3. Dezember 1880 veröffentlicht und trägt den Untertitel: ?Über die Missionsarbeit?.
* Papst Leo XIII. wandte sich am 20. November 1890 mit der Missionsenzyklika Catholicae Ecclesiae an die Missionare in Afrika und schreibt ?über die Sklaverei in der Mission?.
Christi Nomen (Gottes Name) ist die Enzyklika von Papst Leo XIII., die er am 24. Dezember 1894 veröffentlicht und in der er ?über die Verbreitung des Glaubens und die Ostkirchen? schreibt.
* Starke Impulse gingen von der Missionsenzyklika Pius XI. ?Rerum Ecclesiae? aus. Sie trägt den Untertitel: ?Über die Pflicht und Art der Förderung der heiligen Mission? und wurde am 28. Februar 1926 veröffentlicht.
* Mit der Enzyklika ?Saeculo Exeunte Octavo?, vom 2. Juni 1940, würdigt Papst Pius XII. die 800. Jahrfeier Portugals. In diesem Apostolischen Rundschreiben wendet er sich an den portugiesischen Episkopat und betont die Wichtigkeit der Missionsarbeit.
* Eine weitere Missionsenzyklika ist ?Evangelii Praecones? (Herolde des Evangeliums) diese veröffentlichte Papst Pius XII. am 2. Juni 1951, hierin schreibt er ?über die Förderung der katholischen Mission?, sie erinnert gleichzeitig an das 25-jährige Jubiläum der Enzyklika Rerum Ecclasiae von Pius XI.
* Mit der Enzyklika ?Fidei Donum?, Papst Pius XII. vom 21. April 1957, rief er auf, Priester nach Afrika, Asien und Südamerika zu entsenden, um den dortigen Priestermangel zu beheben. ?Fidei Donum? ist lateinisch und bedeutet ?Geschenk des Glaubens?.
* Mit eindringlichen Anweisungen weist Papst Johannes XIII. , in seiner Enzyklika ?Princeps Pastorum? (Der Erste Hirte) vom 28. November 1959, auf die Bedeutung der Missionsarbeit, der Wichtigkeit des einheimischen Klerus und der Laienbeteiligung hin.
* Mit seiner achten Enzyklika ?Redemptoris Missio? (Die Sendung des Erlösers) vom 7. Dezember 1990 schreibt Papst Johannes Paul II. über die fortlaufende Gültigkeit des missionarischen Auftrages.
Apostolische Schreiben
Mit folgenden Apostolischen Schreiben werden die Aussagen der Missionsenzykliken nochmals unterstrichen und verdeutlicht:
* ?Maximum illud? von Papst Benedikt XV. (30. November 1919)
* ?Evangelii Nuntiandi? von Papst Paul VI. (8. Dezember 1975)
Nachsynodale Apostolische Schreiben
Papst Johannes Paul II. verfasste mehrere ?Nachsynodale_Apostolische_Rundschreiben? über die Evangelisierung und die Missionstätigkeit:
Ecclesia in Africa (14. September 1995)
Vita consecrata (25. März 1996)
Ecclesia in Libanon (10. Mai 1997)
Ecclesia in America (22. Januar 1999)
Ecclesia in Asia (6. November 1999)
Ecclesia in Oceania (23. November 2001)
Ecclesia in Europa (28. Juni 2003)
Dekrete
Das Zweite_Vatikanische_Konzil erließ über die Missionstätigkeit und dem Laienapostolat zwei Dekrete:
?Ad gentes? [http://www.römisch-katholisch.at/index.html?http://www.xn--rmisch-katholisch-zzb.at/ag.htm] und ?Apostolicum actuositatem? [http://theol.uibk.ac.at/itl/257.html]
Rosenkranzenzykliken
Die Praxis den Rosenkranz im Monat Oktober zu beten, entwickelte sich zum Ende des 18. Jahrhunderts. Papst Leo XIII. (Pontifikat: 1878-1903) förderte die Hingabe zur Gottesmutter, indem er den konstanten Gebrauch des Rosenkranzes anregte. Leo XIII. und seine Nachfolger veröffentlichten mehrere Enzykliken (Rosenkranz-Enzykliken) und Apostolische_Schreiben.
Enzykliken über den Rosenkranz von Papst Leo XIII.
Supremi apostolatus officio (1. September 1883)
Superiore anno (30. August 1884)
Vi è ben noto ([nur in Italien] 20. September 1887)
Octobri mense (22. September 1891)
Magnae Dei matris (8. September 1892)
Laetitiae sanctae (8. September 1893)
Iucunda semper expectatione (8. September 1894)
Adiutricem populi [5. September 1895)
Fidentem piumque animum (20. September 1896)
Augustissimae virginis mariae (12. September 1897) und
Diuturni temporis (5. September 1898)
Apostolische Schreiben über den Rosenkranz von Papst Leo XIII.
Salutaris ille (24. Dezember 1883) und
Parta humano generi (8. September 1901)
Enzykliken und Apostolische Schreiben der nachfolgenden Päpste
* Papst Pius XI. Enzyklika Ingravescentibus malis (29. September 1937)
* Papst Pius XII. Enzyklika Ingruentium malorum (15. September 1951)
* Papst Johannes XXIII. Enzyklika Grata recordatio (26. September 1959) und das Apostolische Schreiben Il religioso convegno (auch als Marialis Rosarii bekannt) (29. September 1961)
* Papst Paul VI. Enzyklika Christi Matri(15. September 1966) und das Apostolische Schreiben Recurrens mensis october (7. Oktober 1969)
* Papst Johannes Paul II. verfasste das Apostolische Schreiben Rosarium Virginis Mariae 16. Oktober 2002
Sozialenzykliken
Das Zusammenwachsen von Kirche und Gesellschaft begründete neue Betätigungsfelder der Katholischen_Kirche, die Folge war die Entwicklung einer eigenständigen Soziallehre und das Unterstreichen der sozialen Verantwortung. Nicht alle herausgegebenen Enzykliken haben einen ausgesprochenen sozialpolitischen Charakter und so hat sich deren Bezeichnung auch als ?Sozialenzyklika? und ?kleine Sozialenzyklika? etabliert. Darüber hinaus wurden zwei Apostolische_Schreiben veröffentlicht, deren Inhalt dem Charakter einer Sozialenzyklika zugesprochen werden kann.
Die bedeutendsten Sozialenzykliken und Apostolischen Schreiben
* Papst Leo XIII. verfasste die epochale und als ?Mutter aller Sozialenzykliken? bezeichnete Enzyklika Rerum Novarum . Sie wurde am 15. Mai 1891 veröffentlicht und ließ Papst Leo XIII. als den ?Arbeiterpapst? eingehen. Obgleich sich auch Leo XIII. noch sehr verhaltend gegenüber den modernen Bestrebungen verhielt, verteidigte er die Rechte der Arbeiter und fordert für sie das Recht des Eigentums.
Quadragesimo anno (Im vierzigsten Jahr) heißt die am 15. Mai 1931 von Papst Pius XI. veröffentlichte Enzyklika und wurde unter dem Eindruck der damaligen Wirtschaftskrise verfasst. Ihr Name leitet sich aus den Anfangsworten ab und bezieht sich auf den vierzigsten Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika Rerum novarum unter Papst Leo XIII. In dieser Enzyklika wird über die Arbeiterfrage hinausgehend die gesamte gesellschaftliche Ordnung angesprochen. Pius XI. drängt auf Gesellschaftsreformen und greift das Subsidaritätsprinzip auf.
* Die Enzyklika Non abbiamo bisogno (Wir haben keinen Bedarf) wurde am 29. Juni 1931 von Papst Pius XI. in italienischer Sprache herausgegeben. Sie befasst sich mit der Katholischen Aktion, dem Faschismus in Italien und dem Nationalsozialismus in Deutschland und vertritt die Soziallehre während dieser Geschichtsperiode.
* Die Enzyklika ?Mit brennender Sorge? wurde von Papst Pius XI. am 14. März 1937 unterzeichnet. In ihr wird besonders die Situation der römisch-katholischen Kirche und ihrer Mitglieder in Deutschland in der konkreten Situation zur Zeit des Nationalsozialismus behandelt. Ihr Besonderheit liegt darin, dass sie in deutscher Sprache verfasst wurde. Obwohl sie in ihrer Ausdrucksform sanft begann, ließ sie an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Sie gelangte schließlich zur härtesten Verdammung eines nationalen Regimes.
* Die Enzyklika Divini redemptoris wurde von Papst Pius XI. verfasst und am 19. März 1937 veröffentlicht. Energisch stellte sich der Papst gegen den atheistischen Kommunismus und bezeichnete diesen ?als im innersten Kern schlecht?. Er warnte vor dessen Verbreitung und vor einer Zusammenarbeit mit diesen Regimen, um die christlich soziale Kultur zu retten.
* Die Enzyklika Mater et Magistra (Mutter und Lehrmeisterin) von Papst Johannes XXIII. wurde aus Anlass des siebzigjährigen Jubiläums der Enzyklika Rerum novarum am 15. Mai 1961 veröffentlicht. Diese Enzyklika beschreibt sehr lebensnah die Situation der Arbeitswelt und der Arbeiter, die in ihr leben müssen. In seiner Weltanalyse erkennt er die entstehenden Unterschiede zwischen Nord und Süd und weist auf die Überlegungen einer möglichen Entwicklungshilfe hin.
Pacem in terris (?Über den Frieden auf Erden?) ist der Titel der von Papst Johannes XXIII. am 11. April 1963 veröffentlichten Enzyklika ?über den Frieden unter allen Völkern in Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit?. Wenn diese Enzyklika auch als eine bedeutende ?Friedensenzyklika? bekannt wurde, so trägt sie doch große Elemente der Soziallehre in sich, die, so erkennt er, in der globalen Entwicklung Berücksichtigung finden müsse. Des Weiteren betont Johannes XXIII. die Bedeutung der Achtung der Menschenrechte als notwendige Konsequenz des christlichen Verständnisses vom Menschen. Indem der Papst die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 gutheißt und unterstützt, integriert er in die katholische Soziallehre das Konzept unveräußerlicher Menschenrechte und Grundfreiheiten.
Populorum Progressio (Die Entwicklung der Völker) ist der Titel der Enzyklika des Papstes Paul VI. vom 26. März 1967. Sie trägt den Untertitel ?über die Entwicklung der Völker?. In Ergänzung der Sozialenzykliken Mater et Magistra von 1961 und Pacem in terris von 1963, erweitert Paul VI. den Friedensauftrag der Kirche um das Engagement für den Ausgleich zwischen Nord und Süd. Es geht darin auch weniger um das Selbstverständnis der Kirche, als vielmehr um die Ordnung der sozialen Verhältnisse.
Da Papst Paul VI. nach seiner Enzyklika Humanae Vitae keine weiteren Enzykliken veröffentlichte, nahm er den 80. Jahrestag der Enzyklika Rerum novarum als Anlass um am 14. Mai 1971 ein Apostolisches Schreiben mit den Anfangsworten ?Octogesima Adveniens?, adressiert an den kanadischen Kurienkardinal Maurice Roy zu senden. Er bezieht zu den politischen und sozialen Herausforderungen der Gegenwart deutlich Position. Nach Inhalt, Form und Aussagekraft, hätte dieses Dokument auch einer Enzyklika gleichgestellt werden können. Doch noch konkretere Probleme spricht er in diesem Schreiben an, hierzu gehörten die Urbanisierung, die Stellung der Frau, die Diskriminierung, das Recht auf Auswanderung und die Beschaffung von Arbeitsplätzen.
Ein weiteres Apostolische Schreiben Evangelii Nuntiandi von Papst Paul VI. behandelt die Evangelisierung der Welt von heute und stammt vom 1975. Er beschreibt Christus als Urheber der Evangelisierung, die Kirche und deren Repräsentanten als Träger der Evangelisierung. Darüber hinaus spricht er Inhalte, Wege, Methoden und Adressaten der Evangelisierung an und flechtet die soziale Verantwortung in seine Aufforderungen ein.
* In seiner Sozialenzyklika Enzyklika Laborem exercens vom 14. September 1981 schreibt Papst Johannes Paul II. über die Arbeit als eines der Kennzeichen des Menschen, die ihn von anderen Geschöpfen unterscheidet. Die Enzyklika ist nicht nur der Wiederkehr der Veröffentlichung von Rerum novarum gewidmet. Sie erscheint auch, weil gerade in diesen Jahren die soziale Frage neue Dimensionen angenommen hatte.
Sollicitudo Rei Socialis (Besorgnis über gesellschaftliche Angelegenheiten) ist eine Enzyklika vom 30. Dezember 1987, in der Papst Johannes Paul II. die Katholische Soziallehre weiterentwickelt und sich dabei auf die Problemstellungen des Nord-Süd-Konfliktes konzentriert. Die neue Sozialenzyklika, zwanzig Jahre nach Populorum progressio , fand in der kirchlichen wie außerkirchlichen Öffentlichkeit ein positives Echo. In ihr wird zum Bewusstsein gebracht, dass es hinsichtlich der Soziallehre Missverständnisse und Fehlinterpretationen gebe.
* Die Enzyklika Centesimus Annus (Das hundertste Jahr) ist ein am 1. Mai 1991 veröffentlichtes Apostolisches Rundschreiben von Papst Johannes Paul II., 100 Jahre nach der Enzyklika Rerum Novarum und zum Ende der kommunistischen Staatsformen in Europa. Der Papst macht deutlich, dass die Soziallehre eine wechselseitige Beziehung zu Gott und den Menschen sei, so dass Gott in jedem Menschen und jeder Mensch in Gott die Voraussetzung zu einer menschlichen Entwicklung schaffe.
Auswirkung der Sozialenzykliken
Diese Enzykliken wirken sich auf die Gesellschaft nicht in der Art aus, als dass man sie mit Sozialreformen vergleichen könnte. Die Elementarteile dieser Schreiben sind durch zwei wesentliche Aspekte gekennzeichnet, hierzu gehört unverkennbar die soziale Gerechtigkeit und der Schutz des sozialen Lebens. Bis hin zur letzten Sozialenzyklika von Papst Johannes Paul II. werden die Menschenrechte, die nicht nur ein Personalrecht sind, zu einem Recht der Völker und Nationen erweitert. Neben den zwei Elementen der Gerechtigkeit und Sicherheit, lassen sich die Rechte des Friedens und der Freiheit erkennen.
Literatur
Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Kompendium der Soziallehre der Kirche '', Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 2006, ISBN 3-451-29078-2
Weblinks ==• Enzykliken Papst Johannes Pauls II.
• Enzykliken Papst Benedikt XVI.
• weitere Enzykliken und Päpstliche Schreiben

