Simon Petrus
Simon Petrus (* in Galiläa, Datum unbekannt; ? vermutlich in Rom um das Jahr 65) war einer der zwölf jüdischen Apostel, die Jesus von Nazaret als Erste in seine Nachfolge rief. Informationen über sein Leben überliefert hauptsächlich das Neue_Testament. Dort ist Petrus erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu_Christi, dann, nach den ältesten NT-Texten, erster Augenzeuge des Auferstandenen sowie Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.Hinzu kommen spätantike Schriften von Kirchenvätern, wonach Petrus erster Bischof von Antiochia, Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll. Ihre Historizität ist umstritten. Der Katholizismus führt den Primatsanspruch des römischen Bischofs und damit das Papsttum auf Petrus zurück (?petrinisches Prinzip?). Innerhalb der katholischen und orthodoxen Tradition wird Petrus als Heiliger verehrt.
s Simon Petrus auf dem Apostelbild in der Münchner Alten Pinakothek]]
Petrusüberlieferung des Neuen Testaments
Der Name
Nach allen Evangelien lautete sein Vorname Simon. Paulus von Tarsus dagegen nennt ihn in seinen Schriften stets Kephas ohne Vornamen. Dieser Ausdruck ist eine Gräzisierung des aramäischen Wortes kefa, griechisch übersetzt ?????? (petros), latinisiert Petrus. Die Bedeutung reicht von ?Stein? bis zu ?Felsen?.
Diesen Beinamen soll Jesus persönlich Simon verliehen haben; wo und wann er dies tat, überliefern die Evangelien unterschiedlich. Matthäus () erklärt den Beinamen mit Jesu Zusage an Petrus: Auf diesen Felsen will ich meine ecclesia bauen. Der Begriff ecclesia bedeutet ?die Herausgerufene? und wird auf die Gemeinschaft der erstberufenen Jesusanhänger, dann auch auf die Johannes als Vater Simons; dieser Name könnte den aramäischen Namen gräzisieren. Ob die Stelle auf den leiblichen oder den geistlichen Vater - hier Johannes der Täufer - anspielt, ist nicht klar. Als Adjektiv bedeutet barjona auch ?impulsiv?, ?unbeherrscht?. Dies gilt einigen Exegeten als Indiz für eine mögliche frühere Zugehörigkeit Simons zu den Zeloten. Denn im späteren Talmud wurden jüdische Freiheitskämpfer als barjonim (Plural) bezeichnet.
Herkunft und Berufung
Simon Petrus war Jude und stammte wie Jesus aus Galiläa. Er gehörte nach allen Evangelien zu den ersten Jüngern, die Jesus traf und zu seiner Nachfolge berief. Alle Nachrichten über ihn folgen auf diese Berufung. Nur wenige Notizen beziehen sich auf seine Herkunft. Sein Vater hieß Jona oder Johannes; seine Mutter wird nicht genannt. Er hatte einen Bruder namens Andreas, den Jesus mit ihm berief. Diesen Bruder nennen alle Apostellisten an zweiter Stelle neben Simon: Daraus schließt man, dass Andreas wohl der Jüngere von beiden war.
Nach der Apostelgeschichte wurde Petrus im traditionellen jüdischen Glauben erzogen. Er beachtete jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden (). Den Kafarnaum am See Genezareth. Dort besaß er ein Haus, wo er zusammen mit seiner Schwiegermutter lebte (; ). Auf dessen Überresten kann eine der ersten Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (), kann Simons Frau auch vorher schon, wie andere Frauen aus Galiläa (; ), mit ihrem Mann umhergezogen sein.
Nach den Synoptikern, die hier wohl dem Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung ist hier Abschluss eines unerwartet großen Fischfangs, nach dem Simon bekennt: Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch (). Hier nennt Lukas erstmals seinen Beinamen Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (). Beide Evangelisten erklären den Beinamen nicht.
Auch das Seligpreisung und Zusage, dass Jesus seine ecclesia auf ?diesen Felsen? bauen wolle ().
Nach dem Johannes, zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahe standen. Sie galten nach (Verklärung Christi) als die Einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani ().
Christusbekenner und Christusverleugner
Nur von Petrus überliefern die Evangelien ein ausdrückliches Bekenntnis zu Jesu Messiaswürde schon vor dessen Auferstehung (): Du bist der Christus! Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte, nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. (V. 32). Er habe also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen, so dass sein Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Aber nur dieser Dienst gab ihm vorweg Anteil an dem am Kreuz Jesu erwirkten Heil und deutete auf die ?Taufe in den Tod? voraus. Das war mit der Verpflichtung an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen.
Im Verlauf der Passion Jesu spitzen alle Evangelien das Versagen des ersten Jüngers und Christusbekenners zu. Jesus kündete Petrus beim letzten_Mahl_Jesu an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich ( par.):
:Wenn ich auch mit Dir sterben müsste, so wollte ich Dich doch nicht verleugnen. Ebenso sprachen sie alle.
Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat (). Dann wiederum soll er nach mit Waffengewalt die Verhaftung Jesu zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen_Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (). Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen ().
Petrus fehlte also nach neutestamentlicher Darstellung die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Dennoch erhielt gerade er auf sein Christusbekenntnis hin von Jesus den Namen ?Fels? und die Zusage der Gemeindegründung ().
Die Apostelgeschichte stellt Petrus nach Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte (). Paulus dagegen zeigt ihn auch als wankelmütig: Er berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Engels, dass Jesus den Jüngern in Galiläa erscheinen werde. Dabei wird Petrus namentlich neben den übrigen Jüngern genannt ().
Das Matthäusevangelium berichtet von keiner Einzelvision des Petrus. Hier begegnet Jesus zuerst den Frauen, die unterwegs vom leeren Grab nach Galiläa waren (). Danach erscheint er den erstberufenen Jüngern (Elf ohne Selbstoffenbarung des Auferstandenen konnte demnach seinen Glauben wecken ().
Daran anknüpfend berichtet das später ergänzte Schlusskapitel , Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (), so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: Liebst du mich?, was er jedesmal bejaht. Daraufhin erhält Petrus dreimal den Befehl: Weide meine Schafe! und den erneuten Ruf Folge mir nach. Dabei kündet Jesus ihm an, dass er als Märtyrer sterben werde.
Die Lokalisierung am See Genezareth bestätigt, dass die ersten Jüngervisionen in Galiläa, nicht in Jerusalem stattfanden. Sie wurden als Versöhnung mit Jesus und erneute Nachfolgeberufung verstanden: Das gemeinsame Mahl mit dem Auferstandenen bedeutete für Juden Vergebung und Anteilgabe am endzeitlichen Heil. Ostererinnerung und Abendmahl waren im Gottesdienst der Urchristen eng verbunden.
Der später angehängte Schluss des Markusevangeliums () versuchte - wahrscheinlich bei der beginnenden Predigt in Jerusalem gehalten. Sie legte Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelte in der Aussage ():
:So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat!
Nach Lukas bekannten sich daraufhin noch am selben Tag 3.000 Menschen zum neuen Glauben. So sei dort die Urgemeinde der Christen entstanden, die nach Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasste.
Petrus könnte deshalb einen solchen Erfolg unter seinen jüdischen Landsleuten gehabt haben, weil seine Missionspredigt sie zwar für Jesu Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine Autorität über die Urgemeinde hinaus. Er war wohl anfangs der Hauptvertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (; ; vgl. ). Nach predigte er erstmals auch Nichtjuden das Evangelium.
Von Petrus werden auch Spontanheilungen und sogar Totenerweckungen analog zu denen Jesu berichtet, etwa in Cäsarea Philippi eine Vision Gottes erhalten, der ihm die Tischgemeinschaft mit dem Hauptmann Kornelius, einem der ?gottesfürchtigen? Römer, befohlen habe. Damit begann nach lukanischer Darstellung die urchristliche Heidenmission.
Diese führte zu Konflikten mit den Judenchristen, die von Heiden die Beschneidung und Einhaltung jüdischer Gebote verlangten. Petrus habe sie mit Hinweis auf seine göttliche Autorisierung überwunden ():
:Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die da gläubig geworden sind an den Herrn Jesus Christus: Wer wäre ich, dass ich könnte Gott widerstehen?
Nach dem Ende der Regentschaft des Jakobus_den_Gerechten und Johannes beim Apostelkonzil (um 48) gemeinsam als ?Säulen? der Urgemeinde antraf (). Dort wurde über seine gesetzesfreie Heidenmission entschieden. Petrus sei dabei als deren Fürsprecher aufgetreten (). So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.
Paulus bestätigt Angaben wie , wonach Petrus als Vertreter der Urgemeinde neue Gemeinden, darunter auch Petrusbrief]
Einige Exegeten deuten den ?Gruß aus Babylon? in als versteckten Hinweis auf Rom. Denn Babylon ist in der Johannes_Markus zurück, der im Neuen Testament zuerst in Jerusalem (), dann im Umkreis von Barnabas und Paulus (; ; ; ) erscheint. Nur in erscheint er als Begleiter des Petrus. Papias zufolge diente Markus dem Petrus als Dolmetscher in Rom und verfasste aufgrund von dessen Reden sein Evangelium am gleichen Ort. Daher galt Petrus traditionell als ?Koautor? dieses Evangeliums.
Die Gleichsetzung von Johannes Markus mit dem Autor des ältesten Evangeliums und seine Bekanntschaft mit Petrus sind außer diesen Notizen nirgends belegt und gelten Christentumshistorikern heute meist als patristische Konstruktion. Der Autor des Markusevangelium wird eher dem hellenistischen Urchristentum zugerechnet, während Petrus nach den als zuverlässig geltenden Notizen der Paulusbriefe eher eine Position vertrat, die den ?Judaisten? nahestand (Gal 1,12-14).
Weitere mit Petrus in Verbindung gebrachte Schriften
Die Didache, ein um 100 entstandener frühchristlicher Katechismus, wird in einer Handschrift als ?Zeugnis des Petrus? bezeichnet. Sie könnte inhaltlich von der von Petrus dominierten Theologie der Urgemeinde abhängig sein. Denn sie besteht hauptsächlich aus einer von Christen umgeformten jüdischen Morallehre, die auf judenchristliche Traditionen Judäas zurückgeht.
Hinzu kommen einige Apokryphen, die von der frühen Kirche aus theologischen Gründen nicht in den Kanon aufgenommen wurden oder verschollen sind:
• Petrusapokalypse
*Pseudo-Klementinische'_target='blank'>Schriften].
_Petrusüberlieferung_der_Kirchenväter_
Die_wenigen_antiken_Informationen_zum_späteren_Schicksal_des_Petrus_stammen_alle_aus_Schriften_des_2._bis_4._Jahrhunderts,_als_die_frühe_Kirche_den_monarchischen_Redaktor des Johannesevangeliums lässt Jesus dem Petrus dessen Hinrichtung ankündigen, ohne deren Ort und Umstände zu nennen ().
Wäre Petrus nach dem Apostelkonzil nach Rom gereist, so argumentieren viele Historiker, hätte sich dies an vielen Stellen des NT niedergeschlagen: vor allem im Römerbrief des Paulus (um 56-60), der Christen in Rom namentlich grüßt und bereits auf dortige Verfolgung hinweist, sowie in der Apostelgeschichte. Diese, so entgegnen andere, sei als periodisierende Missionsgeschichte nicht an lückenloser Chronologie interessiert. Doch sie stelle den Übergang von der Judenmission des Petrus und der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus dar und berichte am Ende über dessen ungehinderte Missionstätigkeit in Rom (): Wäre er Petrus dort begegnet, hätte der Autor dies sicher vermerkt.
Zudem, so etwa Kleinasien voraus, die von Petrus gegründet wurde und schon auf seinen Tod zurückblickt. Denn hier werden die ?Pforten der Unterwelt?, die sich laut hinter jedem Sterblichen (?Fleisch und Blut?) schließen, in den Gegensatz zur Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft über den Tod des Einzelnen hinaus gestellt. Dennoch schließt Conzelmann einen Romaufenthalt des Petrus nicht aus, da vielleicht schon der 1. Petrusbrief mit dem Hinweis auf ?Babylon? indirekt davon ausgehe.
Patristische Notizen zu Petri Romaufenthalt und Märtyrertod
Zwei Randbemerkungen von zwei Kirchenvätern werden als Indizien dafür gewertet, dass Petrus gegen Ende seines Lebens nach Rom gekommen sei und dort zwischen 64 und 67 den Tod als christlicher Märtyrer gefunden haben könnte.
Zum einen ist dies eine Notiz aus dem Domitians zwischen 90 und 100 in Rom verfasst wurde. Sie wird als Hinweis auf ein Martyrium der Apostel Petrus und Paulus gedeutet. Die Kapitel 5 und 6 heben ihr Vorbild hervor, dem viele Christen folgten:
:Wegen Eifersucht und Neid sind die größten und gerechtesten Säulen verfolgt worden und haben bis zum Tode gekämpft. [...] Petrus, der wegen ungerechtfertigter Eifersucht nicht eine und nicht zwei, sondern viele Mühen erduldet hat und der so - nachdem er Zeugnis abgelegt hatte - ist gelangt an den (ihm) gebührenden Ort der Herrlichkeit.
Der Ort und Umstände des Todes werden nicht erwähnt, aber der Rückblick des Bischofs Clemens von Rom könnte sich auf die kurze Christenverfolgung unter Nero im Jahr 65 beziehen.
Eine zweite Notiz befindet sich bei Ignatius von Antiochien in seinem Brief an die Römische Gemeinde (um 110)Das Christentum, Hans Küng, S.115:
:Nicht wie Petrus und Paulus befehle ich euch.[...] [http://www.unifr.ch/bkv/kapitel.php?ordnung=4&werknr=4&buchnr=8&abschnittnr=9 Ignatios von Antiochien, An die Römer 4.3]
Hans Küng hebt hervor, dass diese Notizen "konkurrenzlos" seien (d.h. es gibt keine Notizen, die einem Romaufenthalt widersprechen).
Laut Eusebius von Caesarea (Anf. 4. Jhd.) soll der Bischof Dionysius von Korinth (ca. 165-175) über Petrus und Paulus gesagt haben:
:Und sie lehrten gemeinsam auf gleiche Weise in Italien und erlitten zur gleichen Zeit den Märtyrertod.
Diese Notizen legen nahe, dass in der Kirche ab etwa 150 der beispielhafte Märtyrertod von Petrus und Paulus in Rom zur Zeit Neros angenommen wurde. Sie wären dann gemeinsam mit anderen Christen hingerichtet worden, Paulus als römischer Bürger durch das Schwert, Petrus als Jude durch Kreuzigung wie es bei ausbleibender Fürsprache von Angehörigen für Peregrine (also Reichsangehörige ohne Bürgerrecht) üblich war. Der Legende nach wurde Petrus mit dem Kopf nach unten gekreuzigt (Petruskreuz).
Eusebius folgerte daraus (2, XXV.):
:Es ist daher aufgezeichnet, dass Paulus in Rom selbst enthauptet wurde und dass Petrus ebenso unter Nero gekreuzigt wurde. Dieser Bericht über Petrus und Paulus wird gestützt durch die Tatsache, dass ihre Namen in den Grabstätten bis zum heutigen Tag bewahrt wurden. Es ist ebenso durch Gaius bestätigt, ein Mitglied der Kirche unter Bischof Zephyrinus von Rom [199-217], ... der über die Orte, wo die heiligen Leichname der Apostel liegen, sagt: Aber ich kann die Trophäen der Apostel zeigen. Denn wenn du zum Vatikan [-hügel] oder zur Via Ostia gehst, wirst du die Trophäen derer finden, die diese Kirche gründeten.
Hier zeigt sich, dass sich das Verständnis des Apostolats grundlegend gewandelt hatte: Aus der akuten Naherwartung des Reiches_Gottes aufgrund der Ostererscheinungen Jesu wurde die apostolische Sukzession, die aus dem Besitz leiblicher Reliquien der Apostel einen ewigen Bestand der Kirche ableitete.
Archäologie
Kaiser Konstantin der Große begann nach 324 auf dem vatikanischen Hügel mit der Errichtung der Petersbasilika als Grabkirche über der Stelle, die mindestens seit dem späten zweiten Jahrhundert als Petrusgrab verehrt wird und über der sich heute der Papstaltar des Petersdomes befindet. Archäologische Grabungen in den 1940er Jahren ergaben, dass der bauliche Kern des Grabes in der Confessio unter dem Papstaltar aus einem um das Jahr 160 errichteten kleinen Grabmonument besteht, das ein ursprünglich daruntergelegenes schlichtes Erdgrab des späten 1. Jahrhunderts markiert. Die Reste dieses Monumentes, von dem christlichen Römer Gaius um das Jahr 200 Tropaion des Apostels genannt, sind heute hinter dem Christusmosaik der Palliennische in der Confessio verborgen. Während die Frage nach der Identität der dort gefundenen Gebeine offen bleibt, gilt die ungewöhnliche und dichte Anordnung christlicher Erdgräber seit etwa 70 n. Chr. rings um dieses Zentralgrab als Hinweis darauf, dass dieses Grab früh und mit kontinuierlich steigender Verehrung durch immer größere Bauten verehrt wurde.
Petrus als Bischof
]]Die späteren Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Rom, später auch Jerusalem und Konstantinopel, führten ihre Gründung direkt oder indirekt auf den Apostel Petrus zurück und beanspruchten ihn als ersten Bischof ihrer Gemeinde. Da es allgemein üblich war, den Rang der eigenen Gemeinde durch die Inanspruchnahme eines apostolischen Gründers zu erhöhen, werden die meisten dieser Nachrichten von Historikern bezweifelt.
Nach entstand die Urgemeinde durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Jesu Auferstehung allen Jüngern offenbarte, die sie dann gemeinsam den Jerusalemern verkündeten. Petrus hatte dabei die Vorreiterrolle (). Wegen seiner Hervorhebung im Zwölferkreis und seines Auftretens als erster Verkünder der Auferstehung Jesu () wird er als Gründer und einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde angesehen. Dass er darüber hinaus weitere Gemeinden gegründet und geleitet hätte, berichtet das NT jedoch nicht.
Nach wurde die Gemeinde in Antiochia nicht von ihm, sondern von Irenäus von Lyon (ca. 135 - 202) berichtet, die Apostel hätten die Kirche in der ganzen Welt ?gegründet und festgesetzt? [http://www.glaubensstimme.de/kirchenvaeter/irenaeus/irenaeus03.html Adversus Haereses III] . Um diese Zeit kam die Ansicht auf, dass Petrus auch die Kirche in Rom als Bischof geleitet habe. Sie baut auf der etwas älteren Tradition seines Romaufenthalts auf. Sie trifft jedoch historisch nicht zu, da Petrus noch in Jerusalem wirkte, als Paulus nach in Hegesippus (90-180) davon gewusst haben. Diese Amtsübergabe hätte die Romreise des Petrus ermöglicht.
Doch wie die Nachwahl des Matthias () zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhalten bleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wählte laut und neue Führungspersonen. In den synoptischen Texten vom Rangstreit der Jünger (u.a. ) wird ein Führungsprivileg für Einzelne - hier die Zebedaiden Jakobus und Johannes, zwei der im NT hervorgehobenen Lieblingsjünger Jesu - ausdrücklich abgelehnt und der Wunsch danach scharf kritisiert.
Eine spätere Leitung des Jakobus lässt sich aus folgern, wo er mit den ?Ältesten? zusammen auftrat. Das Testimonium Flavianum überliefert, dass er - offenbar als Leiter der Urgemeinde - im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach Zitaten Hegesipps bei Eusebius unter Domitian verhaftet worden sein: Dann hatten sie noch zwei Generationen später eine Führungsrolle im Christentum.
Viele Historiker folgern daraus, dass erst im 2. Jahrhundert ein teilweise dynastisches Bischofsamt entstand, das dann nachträglich auf die apostolische Autorität zurückgeführt wurde. Die um 100 entstandenen Ignatiusbriefe wissen noch nichts von einem solchen Amt. Es war den ersten Christengenerationen unbekannt und in ihrem Selbstverständnis nicht vorgesehen: Alle Christen waren gemäß Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung gleichermaßen die ?Heiligen? (). Zwar hatten die Apostel als Zeugen der Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene Autorität; aber der monarchische Episkopat lässt sich schwerlich direkt daraus ableiten. Jedoch hält die katholische Kirche an der Tradition fest und geht weiterhin von Petrus als erstem römischen Bischof aus.
Im späten 4. Jahrhundert, als sich der monarchische Episkopat allgemein durchgesetzt hatte und der römische Bischof zunehmend eine Sonderrolle beanspruchte, erwähnt Hieronymus eine römische Amtszeit des Petrus von 25 Jahren: Das setzt einen Romaufenthalt des Petrus vom Jahr 40 an voraus. Dem widerspricht allerdings , wonach Petrus mindestens bis 48 einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde war.
Die Bedeutung des Petrus
)]]
in der katholischen Theologie
Die katholische Tradition betrachtet Petrus als ersten Vorsteher (Papst) der ecclesia catholica, das heißt, einer ?universalen Kirche?. Sie leitet daraus das Amt des Papstes und den Führungsanspruch des Lutherbibel):
:Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.
Daneben werden weitere Stellen zur Begründung eines besonderen Petrusamtes herangezogen (Einheitsübersetzung):
:Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweitenmal [...]. Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? [...] Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! (, gekürzt)
:Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder. ()
Daraus leitet die römisch-katholische Kirche ihre Auffassung ab, der Papst sei als Bischof von Rom ein Nachfolger Petri. anglikanischen Kirchen lehnen seit der Reformation wie zuvor bereits die orthodoxe Kirche seit dem frühen Mittelalter die römisch-katholische Lehre eines ?Petrusamtes? und damit den Anspruch der römischen Kirche auf die Führung der Christenheit ab.
Petrus ist auch nach evangelischem Verständnis ein besonderer Jünger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller gläubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gott die Zusage der gegenwärtigen Vergebung und zukünftigen Erlösung erhalten. Auch der Glaube ist nach evangelischem Verständnis keine Eigenleistung des Petrus, sondern reines Gnadengeschenk der stellvertretenden Fürbitte Jesu, des Gekreuzigten (ff):
:Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dich einst bekehrst, so stärke deine Brüder.
Dieses Gebet Jesu sei, so eine verbreitete evangelische Exegese, mit der Versöhnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern und der dadurch bewirkten Neukonstituierung des Jüngerkreises nach Ostern in Erfüllung gegangen. Die Kirche basiere daher nicht auf einer historischen Amtsnachfolge einzelner Petrusnachfolger. Sondern alle, die wie Petrus zu Jüngern Jesu werden, seien seine Nachfolger und damit Teil der Gemeinschaft, die Christus berufen habe, seine Zeugen zu sein. Gott sei in Christus allen Menschen gleich nahe (?Äquidistanz?), so dass außer Christus keine weiteren Mittler nötig und möglich seien. Dieses ?Judentums stammende Amtsverständnis.
Eine Sondervollmacht Petri lasse sich aus dem NT nicht herleiten: Die ?Schlüsselgewalt? zum Binden und Lösen der Sünden werde nach und allen Jüngern gegeben. Besonders das Matthäusevangelium lasse keinen Zweifel daran, dass die christliche Gemeinde nur auf dem Glaubensgehorsam aller ihrer Mitglieder erbaut sein könne. Denn dort wird die Rituale zwängen und ?festnageln?.
Darum bezweifelten protestantische Historiker oft nicht nur das Bischofsamt, sondern schon den Romaufenthalt des Petrus. Heute schließen sie diese Möglichkeit nicht aus, ohne deswegen das Papsttum anzuerkennen. Denn auch eine mögliche ?Amtsübergabe? des Petrus an seinen Nachfolger in Rom begründe keine Vorrangstellung des römischen Bischofs für alle Zeit.
Martin Luther und andere Reformatoren haben den Doppelanspruch des Papsttums, den die beiden Schlüssel darstellen, vehement abgelehnt und die Berufung auf Mt 16,19 dazu bestritten: so z.B. Luther in Vom dem Papsttum zu Rom (1520) und später oft wiederholt.
Verehrung
in Rom]]
Der Gedenktag von Petrus und Paulus ist der 29. Juni. Ihnen zu Ehren ist in der Orthodoxen Kirche ein leichtes Fasten, das so genannte Apostelfasten, von einer Woche nach Pfingsten bis zu diesem Tag üblich.
Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron
*der Päpste
*der Städte Rom, Trier, Regensburg, Worms, Bremen und Posen
*der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer
*der Reuigen, Büßenden, Beichtenden, Jungfrauen und Schiffbrüchigen
Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl. Im Volksglauben wird er auch für Regenwetter verantwortlich gemacht, weil er die Schlüssel zum Himmel hat.
Weltweit sind nach dem heiligen Petrus zahlreiche Orte und Kirchen benannt. Die berühmteste davon ist der Petersdom im Vatikan. Weitere Kirchen, die das Patrozinium des Heiligen Petrus haben, sind zum Beispiel:
*der Bamberger Dom
*der Bremer Dom
*der Kölner Dom
*der Osnabrücker_Dom
*der Regensburger Dom
*die Kirche San_Pietro_in_Vincoli
*der Schleswiger Dom
*der Wormser Dom
Petrus in der Kunst
In der Kunst wird Petrus gewöhnlich als alter Mann mit lockigem Haar und Bart mit den Gegenständen Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn oder umgedrehtem Kreuz dargestellt.
Besonders der Schlüssel bzw. die Schlüssel sind ein Hauptattribut Petri. In mittelalterlichen Bilddarstellungen bis zur späten Gotik trägt Petrus meist zwei verschiedenfarbige Exemplare. In Anspielung auf Mt 16,19 soll der Erdenschlüssel Macht über die Erde, irdische Gewalt, der Himmelsschlüssel den Einlass ins Himmelreich, die geistliche Gewalt, symbolisieren.
Die Petruslegenden wurden im Katholizismus zur Glaubensüberzeugung und dienten immer wieder als Thema künstlerischer Werke. Bekannt geworden ist etwa die Verfilmung ?Quo_vadis?? von 1951, die auf dem gleichnamigen Roman von 1895 beruht.
Einzelbelege
Siehe auch
• der Seligen und Heiligen]
• der Päpste]
* Abbildung in ?Das Abendmahl? von Da Vinci
Literatur
* Christfried Böttrich: Petrus. Fischer, Fels und Funktionär. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001. ISBN 3374018491 (populärwiss., seriös)
Michael Hesemann: Der erste Papst. Archäologen auf der Spur des historischen Petrus. Pattloch, München 2003. ISBN 3-629-01665-0
* Engelbert Kirschbaum: Die Gräber der Apostelfürsten St. Peter und St. Paul in Rom, St. Benno-Verlag, Leipzig 1974 / Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1974 (Über die Ausgrabungen unter der Confessio von St. Peter, 3. Auflage m. Nachtragskapitel von Ernst Dassmann)
* Petrus - Der Apostel mit dem voreiligen Mundwerk. in: John F. MacArthur: Zwölf ganz normale Menschen''. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld ²2005, S. 43-75. ISBN 3-89397-959-X ([http://clv.dyndns.info/pdf/255959.pdf PDF-Download], geschrieben aus evangelikaler Sicht)
Weblinks
*
*
• Beitrag des Heiligenlexikons zum Grab
• Beitrag aus Gute Nachrichten - War Petrus der erste Bischof von Rom?
be-x-old:????? (???? ??????)ho:Aposetolo Petero
to:?Aposetolo ko Pita
yo:Àp??sítélì Pétérù

