Aporetische Dialoge
Als aporetische Dialoge oder aporetische Schriften (griech. ??????, Ratlosigkeit) bezeichnet man die frühen Dialoge in Platons Werk, weil deren aufgeworfene Fragestellungen am Ende keine Lösung finden. Die Texte stellen vornehmlich Platons Lehrer Sokrates ins Zentrum der Rede, sind meist nach dessen Diskussionspartnern benannt und arbeiten Sokrates? Ironie und sein paradoxes ?Wissen des Nichtwissens? heraus.Im Alltagsleben führte Sokrates seine berühmt-berüchtigten Reden in aller Öffentlichkeit der Agora in Athen mit einer oft äußerst aggressiven Elenktik und zog dabei gerne auch die widersinnigsten Schlüsse ? womit er seine Rhetorikgegner regelmäßig zur Weißglut gebracht haben dürfte.
In diesen frühen Streitgesprächen ging es Sokrates/Platon eher darum, schon leicht eingestaubte Konventionen einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen, statt Innovationen zu schaffen. Erst Platons spätere Dialoge entwerfen auch Lösungsvorschläge, die dann gerne in längeren Monologen vorgestellt werden.
Platons Werk umfasst knapp 30 Dialoge mit der Politeia als Hauptwerk und gliedert sich in drei Schaffensphasen:
Frühdialoge (399 bis ca. 380): Apologie, Charmides, Kriton, Euthydemus, Euthyphron, Gorgias, Hippias_Major, Hippias_Minor, Ion, Laches, Lysis, Protagoras
Mittlere Dialoge (ca. 380 bis 360): Kratylus, Menexenus, Menon, Phaidon, Politeia, Symposion
Spätdialoge (nach 360): Parmenides, Theaitetos, Phaedrus, Sophist, Staatsmann, Philebus, Timaeus, Kritias, Nomoi

