Apologie der Confessio Augustana
Die Apologie der Confessio Augustana (Abk.: AC; lat. Apologia Confessionis Augustanae) ist die Verteidigungsschrift der Confessio Augustana (CA) gegenüber den in der Confutatio Augustana vorgebrachten Argumenten der Altgläubigen. Federführend war Philipp Melanchthon, jedoch unter spürbaren Einfluss Martin Luthers. Die AC sollte ursprünglich Kaiser Karl_V. auf dem Augsburger_Reichstag vorgelegt werden, wurde aber von diesem abgelehnt. Ihre Erstveröffentlichung erfolgte Ende April 1531. Die AC wurde 1537 auf dem Schmalkaldischen_Konvent offiziell zur Bekenntnisschrift der Protestanten erklärt.
Geschichte
Die Wurzeln der AC liegen in der sog. ?Augsburger Apologie?, die dem Kaiser Karl V. am 22. September 1530 auf dem Augsburger Reichtag übergeben werden sollte, was von diesem aber abgelehnt wurde. Die Augsburger Apologie hat Kenntnis von der Confutatio nur auf der Grundlage von Mitschriften, die bei der Verlesung der Confutatio auf dem Augsburger Reichtag von protestantischen Theologen angefertigt wurden.
Diese Augsburger Apologie wurde von Melanchthon bis Januar 1531 zum sog. ?Vorentwurf? ausgebaut, in der er auch ein schriftliches Exemplar der Confutatio berücksichtigen konnte. Jedoch kam es zur Verwerfung dieses Vorentwurfes durch Melanchthon.
Die Argumentationslinien sowohl der ?Augsburger Apologie? als auch des ?Vorentwurfes? flossen in die sog. ?Quartausgabe? ein, die Ende April 1531 bei Rhau als Doppelausgabe zusammen mit der CA verlegt wurde.
Es folgte im September die sog. ?Oktavausgabe?, die v.a. in den Rechtfertigungsartikeln inhaltlich überarbeitet wurde. Sie sollte im Jahr 1584 die ?Quartausgabe? aus dem lutherischen_Bekenntnisbuch verdrängen mit der Begründung, dass sie den ursprünglicheren Text bieten würde und der lutherischen Lehre näher stehe.
Inhalt
Die AC hat wie die CA dieselben 28 Artikel, welche jedoch wesentlich ausführlicher behandelt werden. Besonders die Artikel, die von der Rechtfertigungslehre handeln (Art. 4, 12, 20), sind erheblich im Umfang gewachsen (fast 50 % der gesamten AC!).
Die AC wird von Melanchthon mit einem gewissen Zynismus als disputatio brevis (kurzes Streitgespräch)AC 4: 389 (BSLK 232, 37). bezeichnet, was sie mit 300 Druckseiten freilich nicht ist. Man kann sie eher als "theologische Abhandlung"PÖHLMANN, Unser Glaube, S.124. oder als "Kommentar"LOHSE, Von Luther bis zum Konkordienbuch, in: ANDRESEN, Carl (Hg.), Handbuch der Dogmen? und Theologiegeschichte. Band 2: Die Lehrentwicklung im Rahmen der Konfessionalität, Göttingen 1998², S.93. bezeichnen.
Die AC geht entgegen den Vermutungen kaum auf die in der Confutatio vorgebrachten Argumente ein, sondern sie entwickelt eine Rechtfertigungslehre in Abgrenzung zu den jüngeren Scholastikern wie Gabriel Biel, die als Hauptgegner angegriffen werden. Ihr Tonfall ist ausgesprochen aggressiv, die Gegner werden als Gottloseimpius: AC 4: 244 (BSLK 207, 43); 253 (BSLK 209, 54); 300 (BSLK 219, 11) u. ö. und Fanatikerfuror: AC 4: 298 (BSLK 219, 1). beschimpft und auch ausdrücklich verdammtEt maledicti sint pharisaei (i.e. die Altgläubigen) adversarii nostri. AC 4: 269 (BSLK 214, 10f.).. Die eigene Position wird des öfteren als die keiner Argumentation bedürfende, verständliche und klare Lehre dargestelltAuffällig ist die Häufung von schlichten Behauptungen: Die Lehre ist leicht verständlich (facile (20x), AC4: 49, 51, 79, 84, 118, 171, 183, 219, 244, 290, 291, 294, 297, 303 (2x), 304, 316, 343, 388, 396), klar (aperte (14x), AC 4: 33, 50, 63, 65, 86, 89, 97, 145, 244, 262, 286, 293, 298 (2x)) und deutlich (clare (22x), AC 4: 74, 83, 97, 106, 107, 152, 161, 163, 195, 240, 257, 262, 267, 304, 314, 323, 325, 334, 345, 356, 367, 396.)..
Siehe auch
Confessio Augustana
Confutatio Augustana
Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche
Konkordienbuch
Literatur
Quellen und Übersetzungen
* Die_Bekenntnisschriften_der_evangelisch?lutherischen_Kirche, Göttingen 1930, 199812 (Urtext).
* MAU, Rudolf: Evangelische Bekenntnisse: Bekenntnisschriften der Reformation und neuere theologische Erklärungen, Bd.I/1, Bielefeld 1997 (mit der Übersetzung der Quartausgabe).
* PÖHLMANN, Horst (Hg.): Unser Glaube. Die Bekenntnisschriften der evangelisch?lutherischen Kirche, Gütersloh 20045 (mit der Übersetzung der Oktavausgabe).
Sekundärliteratur
* PETERS, Christian: Apologia Confessionis Augustanae, Stuttgart 1997 (kirchengeschichtlicher Zugang, mit umfangreicher Literaturliste).
* WENZ, Gunther: Theologie der Bekenntnisschriften, 2 Bde, Berlin ? New York 1996 und 1998 (dogmatischer Zugang).
Einzelnachweise
Weblinks
• Die Apologia Confessionis Augustanae in der Textfassung der Oktavausgabe

