Apokatastasis
Apokatastasis (dt. ?Wiederherstellung?Erwin Preuschen: Griechisch-deutsches Taschenwörterbuch zum Neuen Testament. 7. Auflage. de Gruyter, Berlin 1996, ISBN 3-11-015260-6, ?Wiederbringung?, aber auch ?Neuordnung??Wiederherstellung?, ?Neuordnung?: Langenscheidts Taschenwörterbuch Altgriechisch-Deutsch. 2. Auflage. Berlin und München 1988, ISBN 3-468-10031-0 oder ?Herstellung? bzw. ?Verwirklichung??Herstellung?, ?Verwirklichung?: Jürgen Roloff: Die Apostelgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-51361-5, S. 77) ist in der Theologie die Lehre, dass der angenommene gute Ausgangszustand, in dem die Menschen mit Gott versöhnt waren, wieder hergestellt wird.Herkunft des Begriffs
Der Begriff entstammt Apostelgeschichte 3, 21 ?Ihn (Jesus) muss der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da alles wiedergebracht (gr.: ?apokatastaseos panton?Nestle-Aland: Novum Testamentum Graece. 27. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-438-05100-1: Wiederbringung Aller) wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.?
Unterschied zur Allaussöhnung
Die Allaussöhnung spricht im Allgemeinen nicht von der Wiederherstellung eines alten Zustands, sondern von einem neuen, einzigartigen Zustand der Harmonie zwischen Gott und allen Menschen am Ende der Zeiten, der vorher noch nicht existierte.
Die Verkündung der Allaussöhnung wird zudem beim Apostel Paulus gesehen und nicht bei Lukas, der die Apostelgeschichte geschrieben hat. Paulus spricht daher auch von der Enthüllung eines Geheimnisses, das vorher noch unbekannt war (z. B. Römer 16, 25ff).
Nach Meinung von Adolf Schlatter spricht Apostelgeschichte 3, 21 auch von der Wiederherstellung der Theokratie im Millennium.Adolf Schlatter: Die Apostelgeschichte, Berlin 1961 (Auslegung zu Apg. 3, 21)
Die Apokatastasis gilt jedoch in der Verneinung der Höllenlehre als Wegbereiter der theologisch differenzierteren Sicht der Allaussöhnung.
Manchmal wird auch der Begriff Universalismus für Apokatastasis verwendet.
Geschichte der christlichen Apokatastasis
Apokatastasis im engeren Sinn wurde zuerst ausdrücklich in Alexandria von Clemens von Alexandria und Origenes (185-254 n. Chr.) gelehrt. Clemens von Alexandrien betrachtete Rache als etwas, was nicht zu Gottes Wesen passe. Rache ausüben wäre nichts anderes als ?Böses mit Bösem zu vergelten, wohingegen Gott den Gezüchtigten um seines eigenes Wohles willen züchtigt?. Origenes meinte: ?Und ich bin der Überzeugung, dass er (Gott) die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise (einmal) ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen.? und ?Wie es bei den körperlichen Krankheiten und Wunden einige gibt, die durch keine ärztliche Kunst geheilt werden können, so ist es andererseits, wie wir behaupten, unwahrscheinlich, dass bei den Seelen ein von der Sünde herstammendes Gebrechen vorhanden sei, das unmöglich von der über allen waltenden Vernunft und von Gott geheilt werden könnte.?
In der weiteren Theologiegeschichte änderte sich unter den Gegnern der Höllenlehre der Fokus weg von der Wiederkehrung eines alten Zustand hin zu einer neuartigen Versöhnung von Gott mit der Menschheit am Ende der Zeiten (siehe Allaussöhnung). Eine scharfe Trennung ist aber oft nicht möglich.
Sonstige Verwendung
Philosophie des Altertums
Der Begriff ?Apokatastasis? wurde im klassischen Griechenland vom Platonismus und von der Stoa verwendet, um auszudrücken, dass ein alter Zustand wieder erreicht wird (ewiger Kreislauf). Berühmt geworden ist der 5. Vers der IV. Ekloge Vergils: magnus ab integro saeclorum nascitur ordo. (?Groß aus Ursprungsreine erwächst der Zeitalter Reihe.?)
Geschichtsphilosophie
Walter Benjamin hat den Versuch unternommen, den Begriff geschichtsphilosophisch zu verwenden. Damit ist die die optimistische Vorstellung gemeint, dass in der Geschichte ein Fortschritt zu erkennen sei und es zu einem "guten" Ende kommen könne. Benjamin versuchte, seine Vorstellungen ohne den religiösen Ausweg eines Auferstehungs-Glaubens festzuhalten, und in die Methodik einer Geschichtsbetrachtung zu fassen, die nichts verloren gibt. Man kann Benjamins Apokatastasis-Lehre in einigen Aspekten als eine eigenwillige Variante zum frühen Freudomarxismus interpretieren.
Über Benjamins unmittelbaren Einfluss auf die Kritische Theorie hinaus, lassen sich einige Punkte seiner Theorie der Apokatastasis im französischen Poststrukturalismus, und besonders in den Arbeiten von Gilles Deleuze und Felix Guattari wiederfinden.
Literatur
* Michael Schneider: Apokatastasis. Zur neueren dogmatischen Diskussion um die Lehre von der Allversöhnung, 2003, ISBN 3933001994
Hans Urs von Balthasar: Apokatastasis. Johannes Verlag, Einsiedeln 1999, ISBN 3894113545
* Werner von Laak: Allversöhnung. Die Lehre von der Apokatastasis. Ihre Grundlegung durch Origenes und ihre Bewertung in der gegenwärtigen Theologie bei Karl Barth und Hans Urs von Balthasar. Sinzig 1990, ISBN 3927593095
* Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, 1991, Bd.e I/2; II/2; V
Weblinks
• Betrachtung der christlichen Apokatastasis von F. Ströter
• Apokatastasis in der Philosophie

