Kornbrand
Kornbrand bzw. Korn ist ein alkoholhaltiges Getränk, das aus Getreide hergestellt wird. Es gehört zu den klaren Bränden innerhalb der Spirituosen-Familie.Nur Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Buchweizen dürfen dafür verwendet werden. Andere Getreidesorten wie Reis oder Mais sind unzulässig (siehe Rechtliches).
Man unterscheidet zwischen Korn und Kornbrand anhand des Alkoholgehalts:
Ein Korn muss mindestens 32 % Vol. Alkoholgehalt haben.
Die Bezeichnung Kornbrand kann ab einem Mindestalkoholgehalt von 37,5 % Vol. verwendet werden. Hier hat sich am Markt die Bezeichnung Doppelkorn mit 38 % Vol. durchgesetzt.
Die meisten Kornbrände basieren auf Roggen oder Weizen. Hafer und Buchweizen spielen kaum eine Rolle. Gerste wird verwendet, vorwiegend, um das benötigte Malz fürs Brennen zu gewinnen (siehe Herstellungsprozess).
Historisches
Die Spirituose Korn wird seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland hergestellt. Das erste erhaltene Dokument über den Korn stammt aus dem Jahr 1507. Ein Stadtschreiber der Stadt Nordhausen vermerkt in einem Rats-Protokoll, dass auf den bornewyn (Branntwein) eine Steuer erhoben wird.
Durch diese lange Brenntradition in Nordhausen ist der Nordhäuser Korn bekannt.
Als es im 16. Jahrhundert gelang, den Kornbrand aus Getreide herzustellen, wurde dieser bald zu einem Massenkonsumgut.
Ein erstes Kornbrennverbot wurde 1545 verhängt. Ein Dekret des Magistrats der Stadt Nordhausen verbot, Korn oder Malz für die Herstellung von Branntwein zu verwenden. Historiker gehen davon aus, dass sich die Bierbrauer gegen die Kornbrand-Konkurrenz, die den Getreidepreis verteuerte, zu Wehr setzen wollten.
Das erste Reinheitsgebot für das Brennen von Kornbränden gibt es seit 1789. Die Verordnung der Stadt Nordhausen legt fest, dass wenigstens zwei Drittel Roggen oder Korn und höchstens ein Drittel Gerste oder Malz verwendet werden dürfen. Seit 1909 gibt es für das ganze Deutsche Reich ein Reinheitsgebot.
Herstellung
*Das Getreide wird in Schrotmühlen vermahlen, anschließend mit heißem Wasser verkleistert: Es entsteht die sogenannte Sauermaische.
*Der Maische wird enzymreiches Malz zugesetzt, um eine Verzuckerung der Getreidestärke zu erreichen.
*Die entstandene Süßmaische wird abgekühlt und mit Hefe vergoren, es bildet sich Ethylalkohol.
*Die vergorene Maische wird mit Dampf_destilliert. Der in Form von Dampf entweichende Alkohol wird einer Mehrfachdestillation unterzogen, um unerwünschte Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entziehen.
*Das hochprozentige Kornfeindestillat (Rohalkohol mit ca. 85%_Vol) wird mit Wasser verdünnt.
*Zur Abrundung und Harmonisierung seines Buketts werden hochwertige Kornbrände über Eichenholz gelagert oder typisiert, anschließend auf Trinkstärke herabgesetzt und in Flaschen abgefüllt.
*Die als Nebenprodukt anfallende Schlempe dient als hochwertiges Futtermittel für Rinder, Schweine und Schafe.
Für den Geschmack des Getränkes ist nicht nur die Qualität des Alkohols wichtig, mitentscheidend ist die Qualität des zur Herabsetzung verwendeten Wassers. Meist wird Quellwasser verwendet. Beim sogenannten Eiskorn wird statt Quellwasser geschmolzenes Gletschereis oder Eiszeitwasser, welches in tieferen Erdschichten zu finden ist, verwendet.
Kornherstellung in Deutschland
Die industrielle Kornherstellung konzentriert sich auf zwei Regionen in Deutschland:
Nordhausen im nördlichen Thüringen und auf die Stadt Haselünne im Emsland in Niedersachsen.
In Nordhausen stellt das Unternehmen Eckes_Spirituosen_&_Wein die Kornbrand-Produkte der Marke Echter Nordhäuser her.
In Haselünne haben die Kornproduzenten Berentzen-Gruppe, Heydt und Rosche ihren Sitz und sind mit gleichnamigen Produkten am Markt.
Marktüberblick
Der Anteil von Korn und sonstigen klaren Bränden am deutschen Spirituosenmarkt lag 2005 bei 23 Prozent. In Deutschland wurden 2004 etwa 980 Millionen Liter klare Spirituosen ? vor allem Korn ? abgesetzt.
Beim Korn ist der Marktführer Strothmann Nr. 2 von der Berentzen-Gruppe. Dahinter folgt Echter Nordhäuser Korn von Eckes Spirituosen & Wein . (Stand 2004)
Beim Doppelkorn ist Echter Nordhäuser Doppelkorn (Eckes Spirituosen & Wein) seit 1993 Marktführer. Auf Platz 2 liegt Doornkaat (Berentzen), gefolgt von Fürst Bismarck (Maxxium) (Stand 2004).
Rechtliches
Nach der EG-Verordnung Nr. 1576/89 (Art. 1 Abs. 4c) darf Korn ausschließlich aus dem vollen Korn von Weizen, Roggen, Gerste, Buchweizen oder Hafer hergestellt werden. Es dürfen weder Würze, Aromen noch Farbstoffe zugegeben werden. Auch ein Verschneiden ist nicht zulässig.
Die Spirituose darf nur mit folgenden Mindestalkoholgehalten in den Handel gebracht werden:
*Korn: 32 Vol.%
*Kornbrand: 37,5 Vol.% (auch Doppel- oder Edelkorn genannt)
Der frühere Begriff ?Kornbranntwein? ist nicht mehr zulässig, da der Begriff ?Branntwein? ausschließlich für Erzeugnisse aus Wein verwendet werden darf.
Die Bezeichnung Korn oder Kornbrand ist ausschließlich Getreidespirituosen vorbehalten, die in Deutschland oder in einem Gebiet mit Deutsch als Amtssprachen hergestellt werden.
Die Besteuerung des Korns in Deutschland erfolgt durch die Branntweinsteuer.
Lagerung & Verzehr
Korn bzw. Kornbrand wird in der Regel gekühlt serviert. Er sollte nicht kälter als 8 Grad Celsius sein. Hochwertige Kornbrände wie Doppelkorn schmecken bei Zimmertemperatur besonders gut. Dann entfalten sich die Geschmackstoffe am besten.
Korn sollte man beim Trinken nicht kippen, sondern rollen, d.h. Schluck für Schluck über die Zunge laufen lassen, damit man den Geschmack und den Duft auskosten kann.
Tradition und Rituale
In großen Teilen Nord- und Westdeutschlands (insbesondere am Niederrhein) wird Korn mit Cola gemixt. Folgende Bezeichnungen gibt es dafür: ?Mischer?, ?Spezi?, ?Arbeiter? oder ?Klara Finale? (in Anspielung auf die Colamarke Finale).
Andere Mixgetränke sind:
*Sprite-Korn (?Eisbär?, ?Nichts?, ?Flugzeugbenzin?, ?Hooliganbrause?, ?Joghurt?, ?Silbersherry?)
*Fanta-Korn (?Fako?, ?Siedlerbowle?, ?Schlanta?, ?Mopped?, "Chinese", "Limo-Prinz", "Spritze", "KGB")
*Apfel-Korn, aus Apfelsaft und Korn gemixt
*Korn-Maracuja ("KoMa")
*Korn-Multivitaminsaft/Fruchtmix ("KoFruMi")
Als Partyspaß gibt es die Korn-Brause:
Erst wird das Brausepulver in den Mund genommen und dann der Korn getrunken. Dabei wird der Kopf geschüttelt. Die eingebürgerte Bezeichnungen für dieses Trink-Ritual sind ?Schüttelkorn?, ?Tequila für Arme?, "Kobra" (KOrn-BRAuse) und speziell im Kieler Raum "Korn Ahoi".
Ein weiteres Trinkritual nennt sich der ?Gehängte? oder ?Einhänger?, vor allem in Norddeutschland bekannt: Man kaut eine Sardelle und spült sie dann mit einem Korn herunter.
Der Begriff ?Herrengedeck? oder ?Lütt un Lütt? ist in einigen Regionen Deutschland als eine Kombination von einem Glas Bier und einem Gläschen Korn bekannt.
In Westfalen hat sich die Bezeichnung "Westfälischer Landwein" (ähnlich dem "Irischen Landwein" für Whiskey) eingebürgert.
Musik
Der Korn ist in vielen deutschen Liedern verewigt worden.
Beispiele:
• Herwegh], Bundeslied (für den Allgemeinen_Deutschen_Arbeiterverein), 1863
• Erhardt], Immer Wenn Ich Traurig Bin, 1970
*Michael Kunze, Die kleine Kneipe, 1976 (gesungen von Peter Alexander)
• Korn und Sprite, 2000
Literatur
*Heinrich Kreipe: Getreide- und Kartoffelbrennerei 3. Auflage von 1981, 358 Seiten, Ulmer, Eugen, GmbH & Co., ISBN 3-8001-5810-8
*Arntz, Helmut: Nordhäuser Weinbrand, Schriften zur Weingeschichte, Hrsg. Gesellschaft für Geschichte des Weines], Nr. 59, 1981
*Dehnicke, J, Geschichte der deutschen Kornbrennerei, Erfurt 1936
*Gries, Rainer, Produkte als Medien, Leipzig 2003
*Hübner, Regina und Manfred, Trink, Brüderlein, trink: Illustrierte Kultur- und Sozialgeschichte deutscher Trinkgewohnheiten, Leipzig, 2004
*Knoche, Gerd, Korn ? eine programmierte Information, von Echter Nordhäuser/ E.Albrecht Verlags-KG, Gräfeling,
*SevenOne Media, MediaReport Alkoholische Getränke, München 2005
[[ksh:Korn (Schabau)

