Apalachin-Meeting
Das Apalachin-Meeting war eine Zusammenkunft fast aller Bosse der amerikanischen La_Cosa_Nostra (LCN) am 14. November 1957 in der Gemeinde Apalachin in New_York. Das Meeting endete vorzeitig, als beim Erscheinen der Polizei die Mehrzahl der Mafiosi zu flüchten versuchte. Dennoch gelang es der Polizei die Personalien von 62 Mafiosi festzustellen.Das Apalachin-Meeting markiert einen Wendepunkt in der Innenpolitik der USA. Erstmals lagen Beweise vor, dass ein nationales Verbrecher-Syndikat existiert, was zuvor vor allem vom FBI unter J. Edgar Hoover geleugnet worden war. Erst am 27. November 1957 verkündete Hoover das ?Top Hoodlum Program?, mit dem das FBI den Kampf gegen die Cosa Nostra aufnahm.
Vorgeschichte
1931 konnte Lucky Luciano seinen Traum von einem nationalen Verbrecher-Syndikat (National Crime Syndicate) verwirklichen. Die gesamten USA wurden in Einfluss-Sphären und Gebiete für die italo-amerikanischen Familien aufgeteilt. Die Commission, das Leitungsorgan des Syndikates, regelte die Zusammenarbeit der Familien und schlichtete Streitigkeiten. Damit war die Zeit der Bandenkriege und Gewaltexzesse vorbei: anstatt sich zu befehden, arbeiteten die Familien nun zusammen. Da alle Beteiligten das Schweigegebot der Omertà beachteten, konnten sie weitgehend ohne störende Angriffe durch die Strafverfolgungsbehörden oder Medien handeln.
Es gab zwar weiterhin erfolgreiche Aktionen der Justiz gegen einzelne Mitglieder der LCN, wie die Festnahme und spätere Abschiebung Lucianos oder die Hinrichtung Buchalters. Die Existenz eines landesweit operierenden Verbrechersyndikates konnte jedoch verheimlicht werden.
Insbesondere das FBI und J. Edgar Hoover betrachteten die italo-amerikanischen Banden nur als lokales Ereignis, für das das FBI nicht zuständig war.
Tagesordnung
Es ist allgemein anerkannt, dass die folgenden zwei Themen im Mittelpunkt des Meetings standen:
Am 1. Juli 1957 trat der ?Narcotic Control Act? in Kraft. Dadurch wurde der Drogenhandel zu einem Bundesvergehen. Zudem wurden die Mindeststrafen drastisch erhöht. Mehrere Bosse forderten wegen der dadurch erhöhten Risiken das Verbot des Drogenhandels für alle Angehörigen von La Cosa Nostra. Auf der anderen Seite waren vor allem Vito Genovese und Joseph Bonanno bereits am lukrativen Drogenhandel beteiligt und hatten kein Interesse daran, auf die ernormen Gewinne zu verzichten.
In New York war Vito Genovese durch zwei Mordanschläge zum mächtigsten Mafioso geworden. Der erste Mordanschlag galt seinem eigenen Boss Frank Costello. Costello überlebte zwar, doch zog er sich nach weiteren Drohungen von Genovese aus der LCN zurück und übergab ihm die Familie. Der zweite Mordanschlag war erfolgreicher: am 25. Oktober 1957 wurde Albert Anastasia, der Boss der damaligen Mangano-Familie, erschossen. Diese Familie wurde danach von Genoveses Verbündeten Carlo Gambino übernommen.
Genovese hatte beide Mordanschläge ohne die eigentlich erforderliche vorherige Zustimmung der Commission befohlen. Diese Zustimmung wollte er nun in Apalachin einholen. Außerdem plante Genovese, sich auf dem Apalachin-Meeting zum ?Capo di Tutti Capi? oder ?Boss of Bosses? ausrufen zu lassen, einen Titel, den zuletzt Salvatore Maranzano geführt hatte.
Das Meeting
Die Zusammenkunft fand im Haus von Joseph Barbera statt, einem Capo von Russell Bufalino, dem Boss von Pittsburgh. Über 100 Mafiosi versammelten sich, es fehlten lediglich Meyer Lansky, Carlos Marcello und Lucky Luciano, dem die Einreise verboten war.
Das Meeting endete vorzeitig gegen Mittag, als die versammelten Gangster zwei Polizisten bemerkten, die sich die Nummernschilder der vor dem Haus geparkten Autos notierten. Die beiden Polizisten waren Sergeant Edgar Croswell und Trooper Vincent Vasisko von der New York State Police. Als die Gangster die Polizisten sahen, gerieten fast alle in Panik und versuchten zu fliehen. Die Flucht endete für die meisten an einer zwischenzeitlich von Croswell eingerichteten Straßensperre. Eine weitere Gruppe versuchte zu Fuß durch die Wälder zu entkommen, doch die Polizei der umliegenden Gemeinden konnte viele von Ihnen festnehmen. Da keine Anhaltspunkte für eine Straftat vorlagen, konnten State Trooper und die Polizei lediglich die Personalien aufnehmen und mussten alle Beteiligten laufen lassen. Die Mafiosi, die in Barbaras Haus blieben, blieben unbehelligt.
Alle Festgenommenen gaben als Anlass für ihren Aufenthalt in Apalachin an, dass sie Joe Barbara, der kürzlich einen leichten Herzinfarkt erlitten hatte, einen Krankenbesuch abgestattet hätten, und dass es reiner Zufall sei, dass 100 Freunde von Barbara genau dieselbe Idee hatten. Insgesamt wurden 62 Personen festgenommen und identifiziert, 50 waren vorbestraft.
Die Folgen
Die Versammlung und die groteske Massenflucht erregten große Aufmerksamkeit in den gesamten USA. Zwar war, nicht zuletzt durch die Kefauver-Hearings, auch vor Apalachin bekannt, dass es italo-amerikanische Banden gab, doch wurden diese Banden als isolierte Einheiten betrachtet. Insbesondere das FBI und J. Edgar Hoover bestritten jahrelang die Existenz einer landesweiten Organisation. Nach massivem Druck durch die Öffentlichkeit und den Congress änderte sich dies jedoch: LCN oder die Mafia wurde nun als landesweite Organisation und Bedrohung wahrgenommen. Bereits am 27. November 1957 verkündete Hoover das ?Top Hoodlum Program?.
Es ist nicht bekannt, ob und was auf dem Meeting tatsächlich entschieden wurde. Die Position Genoveses als Boss der später nach ihm benannten Familie wurde nach Apalachin nie mehr angezweifelt. Da aber Genovese der Initiator des Treffens war, wurde er von zahlreichen Mafiosi für die Blamage und die Enttarnung des Syndikates verantwortlich gemacht. Sein Versuch, Boss der Bosse zu werden, war damit endgültig gescheitert.
Mythen und Vermutungen
Gelegentlich wird behauptet, dass J. Edgar Hoover am Apalachin-Meeting teilgenommen hätte. Irgendwelche Beweise oder Indizien hierfür sind jedoch nicht bekannt.
Es gibt unterschiedliche Versionen darüber, wie Sergeant Croswell das Meeting entdeckte:
* Ein Jahr vor dem Apalachin-Meeting soll bereits eine Sitzung der Commission in Joe Barbaras Haus stattgefunden haben, an der auch Carmine Galante teilnahm. Galante wurde im Anschluss von Croswell wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung festgenommen. Nachdem Croswell das Vorstrafenregister Galantes sah, soll er beschlossen haben, in Zukunft ein Auge auf Joe Barbara zu haben.
* In der kleinen Gemeinde Apalachin (1200 Einwohner) fiel Barbara dadurch auf, dass er Hotelzimmer für über 100 Mafiosi buchte.
* Meyer Lansky, der wegen Krankheit nicht teilnahm, soll Croswell informiert haben, dass eine Konferenz von Kriminellen in Apalachin stattfand. Lansky war eng befreundet mit Luciano und Costello, die beide von Genovese verdrängt wurden, so dass ein Tipp an die Polizei als Racheakt verständlich gewesen wäre.
Weblinks und Quellen
• Crime Library -Englisch
• Gangland News ? Englisch
• FBI ? Englisch, offizielle Site des FBI
• http://www.us-politik.ch ? Deutsch

