Harry J. Anslinger
Harry Jacob Anslinger (20. Mai 1892 in Altoona, Pennsylvania, USA; ? 14. November 1975) war ein US-amerikanischer Politiker und Journalist, vor allem bekannt durch die von ihm als Vorsitzender des Federal Bureau of Narcotics (FBN) vorangetriebene Cannabis-Prohibition.
Politische Karriere
* ?-1917: Eisenbahndetektiv, Abteilung Versicherungsbetrug
* 1917-1918: Arbeit beim militärischen Geheimdienst, Standort Belgien
* 1919-1920: US-Botschaft in Den Haag
* 1921-1923: Vizekonsul in Hamburg
* 1924-1928: Vizekonsul auf den Bahamas
* 1930: Andrew Mellon, Anslingers Schwiegeronkel und Finanzminister gründet das "Federal Bureau of Narcotics" (FBN) mit dessen Leitung er Harry Anslinger beauftragt.
* 1947: Anslinger wird für die USA Mitglied der UN-Drogenkommission
* 1951: Vorsitzender der UN-Drogenkommission
* 1962: Ausscheiden aus dem FBN im Alter von 70 Jahren
Rolle in der Drogenpolitik
Harry J. Anslinger widmete sein Leben dem Kampf gegen Drogen, insbesondere Cannabis. Dies ist nach seinen Angaben auf ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit mit einer Morphinistin und einem Apotheker im Jahre 1904 zurückzuführen.
Als er ab 1930 Chef des damals noch relativ unbedeutenden FBN (Federal Bureau of Narcotics) wurde, versuchte er von Beginn an, Cannabis in den Zuständigkeitsbereich seiner Behörde zu lenken. Erste Versuche scheitern jedoch aufgrund fehlender Unterstützung und Widerstandes der AMA (American Medical Association). Anslinger beginnt nun Hetzkampagnen gegen das von ihm verabscheute Kraut zu führen, welche stark rassistischer Natur waren. Schwarze, Mexikaner und andere Minderheiten , denen der Großteil des Konsums zugeschrieben wurde, wurden bezichtigt im Rausch weiße Frauen zu vergewaltigen u.ä.. Es folgt eine regelrechte Gehirnwäsche aus Zeitungsartikeln (insbesondere der Hearst-Presse) und öffentlichen Stellungnahmen während der gesamten 30er Jahre. 1936 gab Anslingers FBN den Propagandafilm Reefer Madness in Auftrag, der 1937 mit entsprechenden Plakaten begleitet in die Kinos kommt. Handlung: Junger Musteramerikaner raucht einen Joint und wird dadurch zur mordenden Bestie. Bemerkenswert ist, dass stets die Rede von Marihuana, der "mexikanischen Mörderdroge", war, niemals aber von der allseitsbekannten Agrarpflanze Hanf. So wird systematisch öffentlich verschleiert, dass es sich hierbei um ein und dasselbe Gewächs handelt. Dieser Effekt war gewollt, da Nutzhanf in den USA der dreißiger Jahren eine der am häufigsten angebauten Nutzpflanzen war.
Im Jahr 1937 fasst er seine gesammelten Schauermärchen über Marihuana in einem Artikel für das "American Magazine" zusammen (Titel: "Marihuana - Assassin of Youth"). Im August desselben Jahres wird der "Marihuana Tax Act" vom damaligen Präsidenten Roosevelt unterzeichnet, um zwei Monate später im Oktober in Kraft zu treten.
Im November 1942 setzt Anslinger schließlich auch das Verbot pharmazeutischer Cannabis-Produkte durch, synthetisches THC bleibt, vermutlich auf Wunsch der Pharma-Lobby, von dem Verbot unberührt. Paradoxerweise ist Anslinger im selben Jahr als Mitglied eines Geheimkommitees im Auftrag des OSS, auf der Suche nach einer Wahrheitsdroge, an Experimenten mit den verschiedensten Drogen, an teils ahnungslosen Probanden, beteiligt. Die Öffentlichkeit erfährt jedoch erst 40 Jahre später, 7 Jahre nach Anslingers Tod, von dem Skandal.
Mit seiner Beorderung in die UN-Drogenkomission im Jahr 1947 wird der Grundstein für das weltweite Verbot des Cannabisanbaus gelegt, welches er schließlich in Form der "Single Convention on Narcotic Drugs" 1961 durchsetzt. Diese Verfügung beinhaltet weiterhin auch die Gleichstellung von Hanf mit Opiaten.
1962 scheidet er schließlich aus dem FBN aus, trat dann 1963 noch einmal vor dem Senat auf, woraufhin die USA die "Single Convention on Narcotic Drugs" unterzeichneten.
1970 zieht er sich aus ganz dem "Drogengeschäft" zurück. In seinem Buch "the murderers" und in verschieden Interviews offenbart er, dass ihm die Drogenpolitik immer nur als Machtinstrument zur Durchsetzung der Interessen der äußeren Rechten diente. Offensichtlich ging es ihm nicht um das Wohlergehen der Menschheit, wie unten stehende Zitate verdeutlichen.
Nach seinem Tod am 14. November 1975 ergab eine Sichtung Henry J. Anslinger's Aktennachlasses, welchen er der Pattee Library an der Pennsylvania State University vermacht hatte, dass 95 % seiner Quellen aus Zeitungsausschnitten aus Boulevardzeitungen bestehen.
Zitate
*"Sicherlich ist Marihuana eher harmlos. Aber die Sache war ein Beispiel dafür, dass ein Verbot die Autorität des Staates stärkt."
*"Man muss nur eine Sache als Problem bezeichnen und sich anbieten, es zu lösen, dann ist man auch kompetent."
*"Wenn sich ein Gesetz nicht gleich durchsetzen lässt, muss man mit noch härteren Strafen an die Sache rangehen."
Siehe auch
Krieg gegen Drogen
Weblinks
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