Ansgar Beckermann
Ansgar Beckermann (1945 in Hamburg) ist Professor für Philosophie an der Universität Bielefeld und seit 2000 Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie.Beckermann studierte Philosophie, Soziologie und Mathematik an den Universitäten Hamburg und Frankfurt_am_Main. 1975 bis 1981 war er wissenschaftlicher_Assistent an der Universität Osnabrück. Nach Professuren an der Universität Göttingen und der Universität Mannheim ist Beckermann seit 1995 Professor an der Universität Bielefeld.
Zusammen mit etwa Peter Bieri, Thomas Metzinger und Michael Pauen gilt Beckermann als einer der Hauptvertreter der Philosophie des Geistes in Deutschland. Weitere Arbeitsgebiete sind Erkenntnistheorie und Logik.
Physikalismus und die Metaphysik des Geistes
Beckermann gilt als Vertreter einer physikalistischen PositionEin Argument für den Physikalismus. In. G. Keil und H. Schnädelbach (Hg.) Naturalismus. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2000, 128-143.. Der Physikalismus behauptet, dass alle Entitäten physische Entitäten sind. Dies bedeutet zum einen, dass alle Objekte aus den grundlegenden physischen Teilchen zusammengesetzt sind. Beckermann hat allerdings darauf hingewiesen, dass ein umfassender Physikalismus auf Eigenschaften ausgedehnt werden muss.Eigenschafts-Physikalismus. Zeitschrift für philosophische Forschung 50 (1996), 3-25 Nur wenn ein Physikalist behauptet, dass sich alle Eigenschaften aus den Eigenschaften der grundlegenden physischen Objekte ergeben, kann man den Physikalismus adäquat vom Eigenschaftsdualismus abgrenzen. Durch diese These scheint der Physikalismus jedoch auf eine reduktionistische Theorie festgelegt zu sein. Beckermann akzeptiert, dass ein solcher Reduktionismus mit schwerwiegenden Einwänden konfrontiert ist.
Insbesondere die Erlebnisgehalte (die Qualia) widersetzen sich nach Beckermann einer reduktiven Analyse. Viele mentale Zustände haben die Eigenschaft auf eine bestimmte Weise erlebt zu werden. Beckermann versucht diesen Aspekt des Bewusstseins durch das folgende Beispiel zu erläutern:
:Und wenn jemand sagt, er wisse trotzdem nicht, worin der qualitative Charakter etwa eines Geschmacksurteils bestehe, können wir diesem Unverständnis so begegnen: Wir geben ihm einen Schluck Wein zu trinken, lassen ihn danach ein Pfefferminzbonbon lutschen und geben ihm dann noch einen Schluck desselben Weins mit der Bemerkung: Das, was sich jetzt geändert hat, das ist der qualitative Charakter deines Geschmacksurteils.Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. Berlin: Walter de Gruyter, 1999
Eine reduktive Theorie des Bewusstseins wäre nur vollständig, wenn sich auch der Erlebnisaspekt durch eine naturwissenschaftliche Analyse verständlich machen ließe. Doch genau dies scheint nicht möglich zu sein. Zwar können etwa die Neurowissenschaften neuronale_Korrelate des Bewusstseins finden, also erklären, welcher Vorgang im Gehirn mit welchem Bewusstseinszustand einhergeht. Doch dies macht nicht verständlich, warum etwas erlebt wird.Was macht Bewußtsein für Philosophen zum Problem? Logos 4 (1997), 1-19.
Da eine solche Erklärungsleistung nicht möglich scheint, drohen reduktive Ansätze zu scheitern. Nun ist jedoch die Annahme plausibel, dass der Physikalismus auf die Zurückführbarkeit des Bewusstseins festgelegt ist. Dieses Problem hat Beckermann dazu gebracht, emergenztheoretische Positionen im Anschluss an Charlie Dunbar Broad zu diskutieren.Die reduktive Erklärbarkeit phänomenalen Bewusstseins - C.D. Broad zur Erklärungslücke. In: M. Pauen und A. Stephan (Hg.) Phänomenales Bewusstsein. Paderborn: Mentis Verlag 2002, 122-147.
Im Gegensatz zu den Qualia hält Beckermann das Phänomen der Intentionalität für kein Problem des Physikalismus. Der intentionale Gehalt mentaler Zustände lasse sich im Zuge eines messtheoretischen Ansatzes verstehen.Gibt es ein Problem der Intentionalität? In: U. Haas-Spohn (Hg.) Intentionalität zwischen Subjektivität und Weltbezug. Paderborn: Mentis 2003, 19?44.
Freiheit und Wissen
Beckermann meint, dass Physikalismus und Determinismus mit der Idee der Willensfreiheit vereinbar sind. Zwar impliziert der Determinismus die Vorherbestimmtheit unseres Willens, doch dies muss nicht als eine Widerlegung der Freiheitsidee verstanden werden. Vielmehr können wir unter ?Freiheit? die Übereinstimmung von Wollen und Denken verstehen.Biologie und Freiheit. In: H. Schmidinger und C. Sedmak (Hg.) Der Mensch ? ein freies Wesen? Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005, 111-124.
In einem einflussreichen Aufsatz hat Beckermann zudem den philosophischen Wissensbegriff angegriffen.Lässt sich der Wissensbegriff retten? Replik auf die Kritiken von Peter Baumann, Thomas Grundmann und Frank Hofmann. Zeitschrift für Philosophische Forschung 56 (2002). Traditioniell wird ?Wissen? als wahre, gerechtfertigte Meinung definiert, schon Platon hatte diese Definition am Schluss des Theätet diskutiert. Platon: Theätet, 201d-206b 1963 zeigte Edmund Gettier jedoch, dass diese Definition falsch ist, da es Fälle von wahren, gerechtfertigten Meinungen gibt, die kein Wissen darstellen. Seitdem wurden zahllose Versuche unternommen, eine neue Definition zu finden. Beckermann schlägt jedoch vor, auf eine Definition zu verzichten und den Begriff ?Wissen? als zentralen Begriff in der Erkenntnistheorie aufzugeben.
Literatur
* Klassiker der Philosophie heute (Hg. mit Dominik Perler), Stuttgart: Reclam 2004.
* Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. Berlin: Walter de Gruyter, 1999.
* Einführung in die Logik. Berlin: Walter de Gruyter, 1997.
* Emergence or Reduction? (Hg. mit Hans Flohr und Jaegwon Kim), Berlin: Walter de Gruyter, 1992.
* Descartes' metaphysischer Beweis für den Dualismus, Freiburg: Verlag Karl Alber, 1986.
* Analytische Handlungstheorie. Bd. 2 (Hg.), Frankfurt: Suhrkamp, 1977.
* Gründe und Ursachen. Kronberg: Scriptor Verlag , 1977.
Quellen
Weblinks
• Beckermanns Universitätshomepage
• Beckermanns Internetprojekt 'Philosophie verständlich'
• Gesellschaft für Analytische Philosophie

