Anschlag von Bologna 1980
Der Anschlag von Bologna () war ein Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof der italienischen Stadt Bologna am Morgen des 2. August 1980. Bei dem Anschlag starben 85 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Die rechtsradikale terroristische Organisation Ordine_Nuovo wurde beschuldigt den Anschlag verübt zu haben. Zwei Agenten des italienischen Geheimdienstes SISMI und der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, wurden wegen Behinderung der Ermittlungsarbeiten verurteilt.
Eine in einem abgestellten Koffer versteckte Zeitbombe detonierte um 10:25 Uhr in einem gut besuchten Wartesaal. Der Sprengsatz bestand aus TNT und T4. Die Explosion zerstörte einen Großteil des Hauptgebäudes und beschädigte den Ancona-Chiasso-Zug, der auf Gleis 1 wartete. Die Explosion war kilometerweit zu hören. Das Dach des Wartesaals brach über den wartenden Fahrgästen zusammen, was die Zahl der Todesopfer massiv erhöhte.
An jenem Samstag im Sommer hielten sich viele Touristen im Bahnhof auf. Die Stadt war auf eine solch massive Katastrophe nicht vorbereitet. Es standen nicht genügend Krankenwagen zur Verfügung, sodass Busse und Taxen zum Transport der Verletzten in die Krankenhäuser eingesetzt werden mussten.
Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Francesco Cossiga und die Polizei gingen zunächst von einem Unfall aus und machten später die militanten linksradikalen Rote Brigaden für den Bombenanschlag verantwortlich. Es wurde mehrmals versucht die Aufklärung zu behindern und die Umstände des Attentats zu verschleiern. Dies führte zu mehreren Verschwörungstheorien in Verbindung mit der sogenannten Strategie_der_Spannung.
Auf das Attentat folgten ein langes, verworrenes und umstrittenes Gerichtsverfahren und politische Diskussionen. Die Hinterbliebenen der Opfer gründeten eine Organisation (Associazione tra i familiari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980) um die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Am 23. November 1995 gab der Corte_di_cassazione das endgültige Urteil bekannt:
* Die lebenslängliche Haftstrafe der Neofaschisten und Mitglieder der Nuclei Armati Rivoluzionari (NAR) Valerio Fioravanti und Francesca Mambro, die immer ihre Unschuld beteuerten, wurde bestätigt. Das Gericht befand sie der Ausführung des Anschlags schuldig.
*Der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, Francesco Pazienza und die beiden SISMI-Beamten Pietro Musumeci und Giuseppe Belmonte wurden wegen Behinderung der Ermittlungen verurteilt.
• Delle Chiaie], ein Freund Licio Gellis und Mitglied der Nuclei Armati Rivoluzionari, einem Ableger des Ordine Nuovo, wurde ebenfalls wegen Mittäterschaft schuldig gesprochen.
Wer für den Anschlag die Verantwortung trägt und welche politischen Motive hinter dem Anschlag stecken ist bis heute unbekannt. Manche vermuteten, dass das Gladio-Netzwerk zumindest teilweise in den Anschlag verwickelt war.
Der 2. August wurde als Gedenktag an die Opfer ausgerufen. Die Stadtverwaltung von Bologna und die Associazione tra i famigliari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980 veranstalten jährlich einen internationalen Komponistenwettbewerb, der mit einem Konzert auf dem Hauptplatz der Stadt, der Piazza_Maggiore, endet.
Die beschädigten Gebäudeteile wurden wiederaufgebaut, der Fußboden und ein tiefer Riss in der Wand wurden jedoch als Mahnmal an den Anschlag unverändert beibehalten. Außerdem bleibt die Bahnhofsuhr auf 10:25 Uhr, der genauen Uhrzeit der Explosion, stehen.
Nach der Verhaftung von Rodolfo Almirón, einem ehemaligen Mitglied der Alianza_Anticomunista_Argentina im Jahr 2006 gab der spanische Anwalt José Angel Pérez Nievas bekannt, dass es "wahrscheinlich [ist], dass Almirón — zusammen mit Stefano Delle Chiaie and Augusto Canchi — am Attentat auf den Bahnhof von Bologna 1980 beteiligt war." [http://www.telam.com.ar/vernota.php?tipo=N&idPub=48460&id=123482&dis=1&sec=1 Denuncian que Almirón también participó en la ultraderecha española], Argentinische Nachrichtenagentur Télam, 6. Januar 2007 (spanisch)
Quellen
Weblinks
• Vor 25 Jahren: Bomben-Anschlag im Bahnhof von Bologna. Italien und der Terror von rechts. In: Deutschlandfunk, 2. August 2005
• stragi.it, offizielle Webseite der Vereinigung der Hinterbliebenen der Opfer (italienisch)
• Internationaler Komponistenwettbewerb "2 Agosto"
• L'ora della verità, Organisation, die von der Unschuld Luigi Ciavardinis überzeugt ist und Fehler des Gerichtsverfahrens aufzuzeigen versucht (italienisch)

