G.992.1
Die Richtlinie G.992.1 Asymmetric digital subscriber line (ADSL) transceivers der ITU-T beschreibt die Bitübertragungsschicht der Schnittstellen von Sende- und Empfangseinrichtungen für ADSL über Kupferdoppeladern von Telefonnetzen. In G.992.1 sind verschiedene Übertragungskanäle in Verbindung mit drei Realisierungen spezifiziert:# ADSL und Sprachdienste (POTS) gleichzeitig über die selbe Doppelader (in Annex A)
# ADSL und ISDN-Dienste gleichzeitig über die selbe Doppelader (in Annex B)
# ADSL und Sprachdienste gleichzeitig über die selbe Doppelader und mit TCM-ISDN (Time Compression Multiplex; entsprechend G.961 Appendix III) in einer angrenzenden Doppelader. (in Annex C)
Das beschriebene ADSL hat in Abhängigkeit von der technischen Ausführung und Umgebung Datenübertragungsraten von etwa 6 Mbit/s downstream und 640 kbit/s upstream.
Annex A
Die Spezifikationen von Annex A ("ADSL over POTS") können nur bei analogen Telefonanschlüssen oder reinen Datenanschlüssen verwendet werden. Hierbei wird ein größerer Frequenzbereich für DSL verwendet, der darunterliegende Bereich (unter 25 kHz) ist noch ausreichend für analoge Telefonie, nicht jedoch für ISDN. In den USA wird wegen der geringen Verbreitung von ISDN der Annex A angewandt.
Annex B
Annex B ist für digitale Telefonanschlüsse des ISDN konzipiert ("ADSL over ISDN"). ADSL liegt dabei auf einem hohen Frequenzband, im darunter liegenden Bereich werden ISDN oder analoge Signale übertragen (beides funktioniert, da dieser Frequenzbereich breiter ist als bei Annex A). Die benötigte Bandbreite für ISDN beträgt 140 kHz, die Bandbreite für analoge Telefonie nur etwa 20 kHz.
Deutschland ist das weltweit einzige Land, in dem ausschließlich Annex B (d. h. Annex B auch an Analoganschlüssen sowie bei ADSL-Schaltung ohne herkömmliche Sprachtelefonie (nacktes DSL, NGN, Bitstromzugang) eingesetzt wird. Im restlichen Europa wird vorwiegend Annex A bzw. in Ländern mit hohem ISDN-Marktanteil (etwa in der Schweiz, in Skandinavien, in Belgien, den Niederlanden und in Österreich) ein Mischbetrieb von Annex A (an Analoganschlüssen und bei purem ADSL/Bitstream) und reichweiten- und bandbreitenschwachem Annex B (lediglich an ISDN-Anschlüssen) eingesetzt.
Unterschiede
Annex A und Annex B sind physikalisch unterschiedlich aufgebaut. Bei manchen Routern mit integriertem Modem ist es möglich, die verwendete Annex-Variante durch Einspielen einer anderen Firmware zu ändern. Bei den meisten DSL-Modems ist dies jedoch nicht möglich. Der Einsatz eines Annex-B-Gerätes in Netzen, die Annex A benutzen, ist somit nicht ohne Weiteres möglich.
Durch die Aussparung des reichweitenstärksten, dämpfungsärmsten Frequenzspektrums bei Annex B wegen dessen Verwendung für die ISDN-Signale ist die Reichweite von Annex B gegenüber Annex A um durchschnittlich ½ km geringer bzw. die verfügbare Bandbreite ist bei identischer Teilnehmeranschlussleitung niedriger.
Das neuere, besonders reichweitenstarke ADSL-Protokoll Reach-Extended-ADSL2, das beispielsweise seit Frühjahr 2006 in Frankreich von France Telecom eingesetzt wird, ist zudem ausschließlich für ADSL-over-POTS definiert. Auch die ADSL2/2+ Varianten nach G.ITU 992.3/5 Annex M mit höherem Upstream bis zu 3,5 Mbit/s sind nicht für ADSL-over-ISDN verfügbar.
Weblinks
• ITU-T Recommendation G.992.1: Asymmetric digital subscriber line (ADSL) transceivers
• Homepage der ITU

