Anna selbdritt
thumb|_heiligen_Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Selbdritt ist kein Name, sondern ist ein alter Ausdruck für zu dritt. Entsprechend bezeichnet man eine Darstellung der Hl. Anna nur dann als ?Anna selbdritt?, wenn Maria und Jesus mit ihr abgebildet sind. Statt ?Anna selbdritt? wird eine solche Abbildung auch ?Metterze? (von lat. medius, mittel und tertius, dritter) genannt. Gleiches gilt auch sinngemäß für die Darstellung der Maria mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß. Man bezeichnet diese Figurengruppe als Maria selbander. Selb-ander ist ein alter Ausdruck für ?zu zweit? und er kommt heute praktisch nur noch in dieser Wendung vor.
Kultische Herkunft
Die Darstellung dieser Figurengruppe geht aus dem Annenkult im Mittelalter hervor. In diesem schimmert der keltische Glaube an die Anderswelt durch. Aus der dreifachen Göttin Danu (auch Anu) wurde die ?Großmutter?, aus ihrem menschlichen Begleiter Dagda oder Cerunnos der ?Teufel?.
?Die Theologen der ersten Jahrhunderte hatten zu klären, wie denn Marias anhaltende Jungfräulichkeit mit den im Neuen Testament erwähnten Brüdern Jesu in Übereinstimmung zu bringen sei. Eine eheliche Gemeinschaft mit Josef, aus der jüngere Geschwister hervorgegangen wären, schied im Interesse einer unantastbaren Jungfräulichkeit Mariens aus, ...? Marlies Buchholz: Anna selbdritt. Bilder einer wirkungsmächtigen Heiligen, S. 30 .
Kaiser Justinian hat um 550 in Konstantinopel der hl. Anna eine Kirche geweiht Marlies Buchholz: Anna selbdritt. Bilder einer wirkungsmächtigen Heiligen,S. 34.
Entwicklung und Verbreitung
Diese heidnische Göttin Danu oder mit anderem Namen Anu beeinflusste den christlichen Glauben, wo sie mit Marias Mutter Anna gleichgestzt wurde.
Von Anna als der Mutter der Gottesmutter Maria berichtet nur das Protevangelium des Jakobus, eine apokryphe_Schrift. Diese Schrift war seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten verbreitet, besonders in Syrien und bei koptischen Christen.
Die Legenda aurea, eine 1270 verfasste und seit 1282 verbreitete Heiligengeschichte, übernahm die Aussagen der Apokryphen.
Im 15. Jahrhundert breitet sich der Annen-Kult in der Katholischen Kirche rasant aus, allerorten wurden ?Annen-Bruderschaften? gegründet und Annen-Altäre errichtet. Eine der häufigsten Darstellungen auf diesen Altären war Anna selbdritt.Marlies Buchholz: Anna selbdritt. Bilder einer wirkungsmächtigen Heiligen.
thumb|Figur_der_Anna_Selbdritt_in_der_Nikolaikirche_Stralsund
Darstellungen
Als ältestes bekanntes Bild der Mutter Marias ist die Wandmalerei in der ?Drei-Mütter-Nische? in St. Maria Antiqua (8. Jh.) in Rom erhalten. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich vermehrt Beispiele bildlicher Anna selbdritt-Darstellungen finden wie beispielsweise in der Nikolaikirche von Stralsund. Im 15. und 16. Jahrhundert hat die Darstellung der Heiligen Anna selbdritt ihre Blütezeit. Ein besonders berühmtes Gemälde ist eine Darstellung Leonardo da Vincis, die zwischen 1500 und 1510 während seines Aufenthaltes in Florenz entstanden ist.
Beginnend mit Sigmund Freud, war die Anna selbdritt von Leonardo da Vinci wiederholt der Ausgangspunkt psychologischer und kunsthistorischer Betrachtungen. Die Darstellung der Zuwendung, des Loslassens und die Ahnung der Passion waren Anlass unterschiedlicher Interpretationen.
Insgesamt sind sehr viele Skulpturen, Gemälde und Altarbilder der Heiligen Anna selbdritt von vielen, mehr oder weniger bekannten Künstlern in den Kirchen ganz Europas erhalten, die heute auch zum Teil mit großem Aufwand restauriert werden. Das Motiv ist ebenfalls auf diversen Münzen zu finden.
Weitere Bilder
Bild:Masolino 008.jpg|Masaccio und Masolino: Hl. Anna selbdritt, 1425
Quellen
Literatur
* Marlies Buchholz: Anna selbdritt. Bilder einer wirkungsmächtigen Heiligen, Königstein i. Ts. 2005, ISBN 3-7845-2113-4 [http://www.langewiesche-verlag.de].

