Anna Waser
Anna Waser (* Oktober 1678 in Zürich; ? 20. September 1714 ebenda) war eine Schweizer Miniaturmalerin und Radiererin. Zudem gilt sie als die erste namentlich bekannte schweizer Malerin der Geschichte.
Leben
Anna Waser wird 1678 als Tochter einer wohlhabenden und angesehenden Familie geboren. Der Vater ist ein Amtsmann in Zürich, der ein gebildeter und vorurteilsloser Mann war und das Talent der Tochter nach Kräften fördert. Er lässt sie zur Malerin ausbilden, obgleich das allen gesellschaftlichen Konventionen widerspricht. Als sie bei ihrem ersten Lehrer nichts mehr lernen kann, bringt er die Vierzehnjährige nach Bern zu Joseph Werner, einem der führenden Schweizer Maler.
Vier Jahre bleibt sie bei seiner "Lernwerkstatt für Malerei", als das einzige Mädchen unter seinen vielen männlichen Schülern. Dann kehrt sie zu ihrer Familie nach Zürich zurück. Dort erhält sie Portraitaufträge aus dem großen Bekanntenkreis. Auch außerhalb der Stadt wird man auf die junge Malerin aufmerksam. 1699, Anna Waser ist inzwischen 21 Jahre alt, beruf sie der kunstsinnige Graf Sohns-Braunfels als Hofmalerin auf sein Schloss in Hessen. Das hätte der Anfang einer großen Karriere werden können. Aber dazu ist sie nie gekommen. Statt eine geplante Reise nach Paris anzutreten, wird die nach Zürich zurückgerufen. Die Mutter erkrankt und sofort müsse Anna sich um den Haushalt kümmern. Die Malerei wird notgedrungen zur Nebentätigkeit. Sie malt nun hier und da ein Portrait oder eine dieser kleinen Schäferszenen, für die sie seinerzeit berühmt gewesen ist. Im Jahr 1708 schickte sie ihre Autobiographie, ein in Silberstifttechnik ausgeführtes Selbstbildnis und andere Kunstwerke an Joachim von Sandrart, der das Künstlerlexikon Teutsche Academie herausgab. Eine alte Chronik berichtete: "Mit 30 Jahren verlor sie ihre Leibs- und Gemütskräfte". Ein paar Jahre hat sie vor sich hingedämmert. 1714 starb Anna Waser, im Alter von 35 Jahren an Folgen eines Sturzes.
Werk
Ihre von den zeitgenössischen Kritikern so sehr gelobten Werke sind bis auf wenige Zeichnungen und Miniaturen fast alle verloren gegangen. Auch die erwähnte Autobiographie ist verschollen. Ihre Nachfahrin, Maria Waser, schrieb 1913 eine erneute Biographie (welche später auch neu aufgelegt wurde).
Literatur
*Maria Waser: Die Geschichte der Anna Waser. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1913/ Neuauflage:Verlag Classen, Zürich 1978
([http://www.hti.umich.edu/cgi/t/text/text-idx?c=genpub;idno=APJ3264.0001.001 Digitalisat])
*Gottfried Sello: Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Ellert und Richter, Hamburg 1988, ISBN 3-89234-077-3

