Anna Maria Jokl
Anna Maria Jokl (23. Januar 1911 in Wien; ? 21. Oktober 2001 in Jerusalem) war eine österreichisch-israelische Schriftstellerin, Journalistin und Psychotherapeutin.Leben
Jokl kam in einem assimilierten jüdischen Elternhaus in Wien zur Welt. 1927 siedelte die Familie nach Berlin über, wo sie die Piscator-Schule besuchte. Sie arbeitete als Dramaturgin für die UFA, als Journalistin und als Drehbuchautorin. Bei der Uraufführung ihres Experimentalfilms "Tratsch" im Mai 1933 in Berlin durfte ihr Name als Autorin bereits nicht mehr genannt werden.
1933 ging sie mit der ersten Flüchtlingswelle ins Exil nach Prag, wo ihre beiden bekanntesten Kinderbücher "Die wirklichen Wunder des Basilius Knox" (1937) und "Die Perlmutterfarbe" entstehen.
Als am 15. März 1939 die Resttschechoslowakei besetzt wurde, floh Anna Maria Jokl über Polen nach England. In London engagierte sie sich in sozialen Projekten, setzte sich etwa für die Errichtung eines Heims für Flüchtlingskinder ein, schrieb und inszenierte mit der Gruppe "Young Czechoslovakia" Theaterstücke für Kinder, und begann 1945 mit dem Studium der Tiefenpsychologie, das sie 1949/1950 am C.-G.-Jung-Institut in Zürich fortsetzte. Das Nichtbestehen ihrer Prüfung am Institut führte Anna Maria Jokl auf antisemitische Tendenzen bei Carl Gustav Jung und dessen Mitarbeiterin Toni Wolf zurück. Obwohl sie das angestrebte Diplom des Jung-Institutes nie erhielt, arbeitete sie später als Therapeutin, unter anderem für das Jüdische Krankenhaus in Berlin.
1948 erschien ihr Roman "Die Perlmutterfarbe. Ein Kinderroman für fast alle Leute". 1950 zog Anna Maria Jokl aus Anlass einer geplanten Verfilmung der Perlmutterfarbe nach Ostberlin, wurde jedoch schon nach kurzer Zeit ohne Angabe von Gründen aus der DDR ausgewiesen. Die Verfilmung wurde gestoppt.
Von 1951 bis 1965 lebte und arbeitete Anna Maria Jokl als Psychotherapeutin und Publizistin in Westberlin, bis sie "in historischer Konsequenz" (Jokl) 1965 nach Jerusalem zog. Sie wurde Mitglied des Verbandes_deutschsprachiger_Schriftsteller_in_Israel und des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und widmete sich neben ihrer Arbeit als Psychotherapeutin wieder zunehmend der Literatur.
Neben ihren stark autobiographischen Texten "Essenzen" (1993) und "Die Reise nach London" (1999) entstanden auch die Psychoanalytische Studie "Zwei Fälle zum Thema Bewältigung der Vergangenheit" (1968) sowie einige Übersetzungen aus dem Hebräischen und Jiddischen ins Deutsche, darunter die Übersetzung von Zvi Kolitz? "Jossel Rackower spricht zu Gott" (1956). 1995 wurde ihr Werk mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis ausgezeichnet.
Am 21. Oktober 2001 starb Anna Maria Jokl in Jerusalem.
Werke
*Die künstlerischen Grundlagen des Films (Berlin, vermutlich 1935)
*Das süße Abenteuer (Prag, 1937)
*Basilius Knox (Prag, 1937) (Deutsch: Die wirklichen Wunder des Basilius Knox)
*Die Perlmutterfarbe (Berlin, 1948)
*Die verzeichneten Tiere (Berlin, 1950)
*Zwei Fälle zum Thema "Bewältigung der Vergangenheit" (Jerusalem, 1968)
*Essenzen (Frankfurt/M., 1993)
*Die Reise nach London : Wiederbegegnungen (Frankfurt/M., 1999)
Übersetzungen
* Carmi, Avner: Das unsterbliche Klavier. Die abenteuerliche und wahrhaftige Geschichte von dem verschollenen und wiedergefundenen Siena-Klavier (1965)
* Kolitz, Zvi: Jossel Rackower spricht zu Gott (1956)
Literatur
* Christoph Haacker: "Stein auf ein Grab in Jerusalem. Zum Tod der Schriftstellerin Anna Maria Jokl"; in: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands; 18. Jg., Nr. 4; Wien: Februar 2002; S. 7/8.
* Nikola Herweg: "Funktionszuschreibungen und Funktionswandel bei Kinder- und Jugendliteratur am Beispiel des Kinderromans Die Perlmutterfarbe von Anna Maria Jokl." In: Marion Gymnich & Ansgar Nünning (Hgg.). Funktionen von Literatur: Theoretische Grundlagen und Modellinterpretationen. Trier: 2005.
* Elke Liebs: Wiederbegegnung oder die Farbe der Erinnerung. Anna Maria Jokl: ?Die Perlmutterfarbe?. In: ?Laboratorium Vielseitigkeit?. Zur Literatur der Weimarer Republik. Hrsg. v. Petra Josting u. Walter Fähnders. Bielefeld 2005, S. 469-482 (ISBN 3-89528-546-3)
* Rudolf Pesch: Anna Maria Jokl und der "Jossel Rackower" von Zvi Kolitz; Trier: 2005.
* Gudrun Wilcke: Vergessenen Jugendschriftsteller der Erich-Kästner-Generation; Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1999; ISBN 3-631-34588-7
Weblinks
* Berkéwicz, Ulla: Entwurzelung macht frei. Zu Besuch im Gelobten Land. Eine Erinnerung an die israelische Schriftstellerin Anna Maria Jokl DIE ZEIT, 45, 08.11.2001, siehe auch http://www.zeit.de/archiv/2001/45/200145_l-jokl.xml
* Haacker, Christoph: Ein Leben zwischen Ost und West. Zum Tod der Schriftstellerin Anna Maria Jokl. 2001 In: http://aufbauonline.com/2001/issue24/pages24/21.html
* Hacker, Katharina: Das Stundenglas WOZ ? Die Wochenzeitung, 10.06.2004; siehe auch http://www.woz.ch/artikel/archiv/10044.html
* Hanus, Hertha / Stefanizzi-Wurzinger, Claudia: Umschau halten und verstehen...Die Schriftstellerin und Psychotherapeutin Anna Maria Jokl; in: http://www.wienerzeitung.at/frameless/lexikon.htm?ID=11765
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* Mayer, Susanne: Nnnniemand hat sich getraut'' DIE ZEIT, 18, 24.04.2003; siehe auch http://www.zeit.de/2003/18/KA-Sbib-18

