Ann Harding
Ann Harding (7. August 1901 in Fort Sam Houston, Texas; ? 1. September 1981 in Sherman Oaks, Kalifornien; eigentlich Dorothy Walton Gatley) war eine US-amerikanische Schauspielerin.Ihren größten Erfolg am Broadway konnte die Schauspielerin in dem Kriminaldrama The Trial of Mary Dugan feiern. Die Hoffnung, 1929 auch in der Verfilmung des Stücks durch MGM die Hauptrolle spielen zu können, zerschlugen sich jedoch in dem Moment, als Norma Shearer beschloss, in der Rolle der des Mordes verdächtigten Chorusgirls ihr offizielles Debut im Tonfilm zu geben. Harding schloss sich trotzdem dem Exodus von Bühenschauspielern gen Westen an und schaffte gleich in ihrer ersten Filmrolle, der Adaption von Philip Barrys Salonkomödie Paris Bound, einen Sensationserfolg.
Weil es einmal gut geklappt hatte, setzte das Studio Harding sofort in der nächsten Verfilmung eines Barry-Stücks ein. Die lebhafte Inszenierung von Holiday brachte für Ann Harding die einzige Nominierung für den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Das Stück ist heute den meisten Fans in der Verfilmung durch George Cukor aus dem Jahre 1938 mit Katharine Hepburn und Cary Grant in Erinnerung.
Zu dem Zeitpunkt gehörte Harding gemeinsam mit den Schauspielerinnen Constance Bennett und Helen Twelvetrees zu den größten Stars ihres Heimatstudios Pathé. Ihr Status als ungekrönte Königin behielt sie auch, nachdem Pathé kurze Zeit später mit anderen Gesellschaften zur RKO verschmolz.
Von Anfang an litt Hardings Karriere unter dem, was man als type casting bezeichnet: der endlosen Wiederholung ein und derselben Rolle. Nachdem die Schauspielerin an der Kinokasse große Erfolge als kultivierte, lang leidende Dame der besseren Gesellschaft feierte, beschloss sie, an dem Erfolgsrezept wenig zu ändern. Das Spektrum der Rollen reichte dabei von faden, altmodischen Melodramen wie East Lynn oder Devotion über schrille Dreiecksgeschichten vor einem exotischen Studiohintergrund à la Condemned, der die coole Blondine als Frau eines Gefängnisaufsehers in Französisch-Guyana einsetzte, und Prestige, mit Ann als cooler Blondine irgendwo im fernsten Indochina, oder The Conquerors, wo Ann als langleidende Ehefrau eines Abenteurers die Wirren der großen amerikanischen Landnahme Ende des 19. Jahrhunderts übersteht und für ihre Bemühungen vom Studio immerhin $ 93.500 an Gesamtgage erhielt.
Ihr köstliches Flair für sophisticated comedy ? eine Wortschöpfung, für die es keine angemessene deutsche Entsprechung gibt ? ist nirgends besser zu sehen als 1932 in der Verfilmung des Theaterstücks The Animal Kingdom, wiederum von Philip Barry, mit Leslie Howard und Myrna Loy. Interessante Geschichte am Rande: die Loy war zwar seit 1925 im Geschäft, hatte bislang aber nur Araberinnen, Chinesinnen oder andere höllisch wilde Sirenen gespielt. Erst in The Animal Kingdom durfte sie zeigen, wie wunderbar sie in zeitgenössischen Stoffen war.
Apropos Myrna Loy: Miss Harding drehte mit deren häufigen Filmpartner William Powell, dessen Karriere zu dem Zeitpunkte steil nach unten zeigte, 1933 den Streifen Double Harness.
Und um die Geschichte rund zu machen: ebenfalls 1933 spielte Miss Harding bei MGM die Hauptrolle in der wenig amüsanten Verfilmung des Broadwayhits When Ladies Meet, mit Myrna Loy als sexy Ehebrecherin und Ann als händeringender Hausfrau. Aus irgendeinem Grund wurde der Stoff 1941 erneut vor die Kameras gebracht, mit Joan Crawford (im Part von Myrna Loy, mit der sie privat übrigens seit 1925 eng befreundet war), Greer Garson (mit der Joan alles andere als befreundet war) als langweiliger Ehefrau und Robert_Taylor sowie Herbert Marshall - Ann Hardings Parter in dem Streifen Biography of a Bachelor Girl - als Männer dazwischen. Der Stoff wurde damit nicht spannender.
Nach 1933 jedoch entschied sich Harding, nur noch in tränenreichen Melodramen zu spielen. Die Geschichten ähnelten sich alle: Ann verliebt sich in den falschen Mann, wird schwanger, ohne verheiratet zu sein, irgendwo geschieht ein Mord, Ann nimmt aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Schuld auf sich, geht unschuldig ins Gefängnis, leidet sehr viel, weint noch mehr und am Ende gibt es ein Happy-End. Das Leiden geschieht mit dem größtmöglichen Aufwand an Glamour und mag das Schicksal noch so unbarmherzig zuschlagen, Ann ist stets perfekt gekleidet und ihre wunderbaren langen blonden Haare sind immer auf das herrlichste frisiert.
Oder wie ein zeitgenössischer Kritiker es einmal ausdrückte: ?She is hiding a broken heart under several yards of mink.?
Den unerreichten Gipfelpunkt dieser Weltschmerzromantik bildeten zwei Streifen aus dem Jahr 1934: Das elegant und stilsicher inszenierte Drama The Life of Vergie Winters und die tränenreiche Saga um eine unverheiratete Mutter, Gallant Lady, das so ein Erfolg wurde, dass das Studio die Geschichte keine vier Jahre später unter dem Titel Always Goodbye mit Barbara Stanwyck neu verfilmte.
Irgendwann konnte das Publikum die masochistischen Geschichten über weibliche Selbstaufgabe icht mehr ertragen und eilte lieber in Filme, die das Leben von der heiteren Seite zeigten. Claudette Colbert, Irene Dunne, Carole Lombard und Jean Arthur, all diese Schauspielerinnen erbrachten auf der Leinwand den Beweis, dass unbegrenzte Leidensfähigkeit mittlerweile absolut passé war und moderne Frauen Spaß am Leben haben konnten und durften.
Nach dem Flop von Enchanted April und der anspruchsvollen, finanziell jedoch enttäuschenden Adaption von Peter Ibbetson mit Filmpartner Gary Cooper, beide 1935, versank ihre Karriere rasch in der Bedeutungslosigkeit. Sie drehte 1937 noch einen B-Film in England. Erst 1942 kehrte sie als Charakterdarstellerin in Eyes in the Night nach Hollywood zurück.
Ann Harding war von 1926 bis 1936 mit dem Schauspieler Harry Bannister und von 1937 bis 1962 mit dem Komponisten Werner Janssen verheiratet, beide Ehen wurden geschieden. Sie hat eine Tochter aus erster Ehe.
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