Anlaufstrom
Anlaufstrom ist der Strom, der beim Anlaufen von Elektromotoren aus dem Stand auftritt. Der Anlaufstrom ist deutlich höher als der Nennstrom, weil der Strom im Stand nur durch den Anschlusswiderstand des Motors und die Klemmenspannung bestimmt wird:.
Bei einem laufenden Elektromotor wird dagegen eine Spannung induziert, die der Drehzahl proportional ist und der angelegten Klemmenspannung entgegengerichtet ist; der Strom ist dann der Quotient aus der Differenz der beiden Spannungen und dem Widerstand:
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Der hohe Anlaufstrom hat ein erhöhtes Drehmoment zu Folge, das den Motor beschleunigt. Der Strom nimmt bei steigender Drehzahl ab, bis die stationäre Drehzahl erreicht ist.
Ein Beispiel wäre z.B. ein Asynchronmotor, bei dem der Anlaufstrom durchaus das vier- bis siebenfache des Nennstroms betragen kann. Bei Drehstromasychronmotoren kann der Anlaufstrom durch eine Stern-Dreieck-Schaltung reduziert werden.
Relevanz
Das Messen, Aufzeichnen und Auswerten dieser Anlaufströme und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen sind von ganz besonderem Interesse, zum Beispiel für die Auslegung von Sicherungen: Ein Motor wird vom Netz gespeist. Dieser Motor hat einen Nennstrom von 2A, weswegen eine 2A-Sicherung dem Motor vorgeschaltet ist. Beim Einschalten entsteht nun wegen der oben beschriebenen Effekte kurzzeitig ein Strom von 8A. Die Folge ist, dass die Sicherung immer durchbrennt und der Motor nie eingesetzt werden kann. Wird aber eine entsprechend große 8A-Sicherung verwendet, dann brennt diese zwar nicht durch, schützt aber auch das System nicht ausreichend vor Überlastung, was Folgeschäden, wie die Zerstörung von Leitungen verursachen kann.
Nur wenn das Verhalten von Anlaufströmen, vor allem deren Größe, ausreichend bekannt sind, kann in Fällen, wie sie das obige Beispiel beschreibt, angemessen reagiert werden. So ist im obigen Fall z. B. das Verwenden einer so genannten trägen Sicherung empfehlenswert, die erst dann reagiert, wenn der Strom über einen längeren Zeitraum den gewünschten Nennstrom überschreitet, nicht aber bei kurzen Einschaltspitzenströmen.

