Schlangenhalsvögel
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! Wissenschaftlicher_Name
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| class="taxo-name" | Anhinga
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| class="Person" | Brisson, 1760
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Die Schlangenhalsvögel (Anhingidae, Anhinga) sind eine Familie und Gattung von Wasservögeln aus der Ordnung der Ruderfüßer. Sie sind enge Verwandte der Kormorane, denen sie manchmal zugeordnet werden. Benannt sind sie nach ihrem ausgesprochen verlängerten Hals, der beim Schwimmen aus dem Wasser gehalten wird und auf größere Entfernungen für eine Wasserschlange gehalten werden kann.
Merkmale
Schlangenhalsvögel sind große Wasservögel, die je nach Art 81 bis 97 cm groß und 1058 bis 1350 Gramm schwer sind. Ihre Flügelspannweite beträgt im Durchschnitt 120 cm. In der Gestalt sind sie Kormoranen sehr ähnlich, doch der lange, spitze Schnabel und der lange, S-förmig gebogene Hals erinnern eher an Reiher. Der Schnabel endet ohne Fanghaken. Die Halswirbelsäule weist zwischen dem siebenten und neunten Halswirbel einen besonderen Scharniermechanismus auf, der es dem Vogel erlaubt, den spitzen Schnabel blitzschnell vorzustoßen und so seine (Fisch-)Beute zu erdolchen.
Das dunkle Obergefieder ist oft stark kontrastierend weiß bis hellbraun gestreift und wirkt gewellt. Die Geschlechter sind gleich groß, die Weibchen der verschiedenen Arten sind jedoch weniger auffällig und blasser gefärbt. Zudem ist der Schnabel der Männchen länger. Im Jugendkleid ähneln Schlangenhalsvögel adulten Weibchen und sind sogar noch blasser gefärbt.
Die Flügel der Schlangenhalsvögel sind breit und ermöglichen kräftige und fördernde Flügelschläge, die sich mit längeren Gleitphasen abwechseln. Der lange Schwanz wird im Fluge ausgefächert, was in den USA zu der Bezeichnung water turkey (?Wassertruthahn?) geführt hat.
Die Beine setzen weit hinten am Körper an. Alle vier Zehen sind mit breiten Schwimmhäuten verbunden. Auf dem Land bewegen sich Schlangenhalsvögel eher unbeholfen fort und breiten dabei die Flügel aus, um die Balance zu halten. Im Wasser bewegen sie sich wie Kormorane: beim Schwimmen mit abwechselnd paddelnden Füßen, beim Tauchen mit gleichzeitig und parallel antreibenden Füßen, wobei die Flügel fast ganz angelegt sind. Tauchgänge dauern 30 bis 60 Sekunden.
Um den Auftrieb zu verringern, wird wie bei den Kormoranen auch das Gefieder der Schlangenhalsvögel schnell durchnässt. Dies liegt an der speziellen Struktur der Federn; wie andere Wasservögel auch fetten sich Schlangenhalsvögel mit dem Sekret der Bürzeldrüse ein, um es dennoch so wasserdicht wie möglich zu halten. Da außerdem die Knochen kaum pneumatisch sind, sind Schlangenhalsvögel im Wasser sehr schwer. Beim Schwimmen liegt der gesamte Rumpf unter Wasser, und nur Hals und Kopf sehen heraus - auf größere Entfernungen hält ein Beobachter den Vogel für eine aus dem Wasser sehende Schlange.
Verbreitung und Lebensraum
Die Gattung hat vor allem die tropischen und subtropischen Gebiete Amerikas, Afrikas, Asiens und Australiens besiedelt. Der Afrikanische_Schlangenhalsvogel (Anhinga melanogaster rufa) ist in fast allen Staaten südlich der Sahara verbreitet, von Mauretanien und Sudan nach Süden bis zum Kapland. Er besiedelt auch Madagaskar. Die Vorkommen des Indien-Schlangenhalsvogels (Anhinga melanogaster melanogaster) liegen vor allem auf dem Indischen_Subkontinent und in Südostasien. Weit westlich von diesem Hauptverbreitungsgebiet besteht ein isoliertes Vorkommen am Schatt el Arab. Der Australien-Schlangenhalsvogel (Anhinga melanogaster novaehollandiae) brütet auf Neuguinea sowie in Australien, hier vor allem im Murray-Darling-Flusssystem. Der Amerikanische_Schlangenhalsvogel (Anhinga anhinga) bewohnt den amerikanischen Doppelkontinent vom Südosten der USA über Mittelamerika und Amazonien bis in den Norden Argentiniens.
Die Bruthabitate sind sehr unterschiedlich. Zwar ziehen alle Arten Süßwassergebiete vor, doch findet man Schlangenhalsvögel ebenso in brackigen Mangrovensümpfen und am Rande von Meeresbuchten. Die Ufer der von ihnen frequentierten Gewässer müssen eine dichte Vegetation haben und Äste bieten, auf denen die Vögel sitzen und ihr Gefieder trocknen lassen können. Häufig brüten sie am Rande großer Reiher-, Ibis- oder Kormorankolonien.
Für gewöhnlich sind Schlangenhalsvögel Standvögel. Nur in den USA unternimmt die nördlichste Population einen Zug an die Golfküste. Einst gab es auch in der Türkei eine Population, die jeden Winter nach Israel zog; diese ist jedoch heute ausgestorben.
Lebensweise
Aktivität
In ihrem Verhalten haben Schlangenhalsvögel zahlreiche Übereinstimmungen mit den Kormoranen. Wie diese sind sie tagaktiv und ruhen auf Ästen oder in Bäumen. Obwohl sie in der Lage sind, aus dem Wasser aufzufliegen, erklettern sie Bäume meistens direkt vom Wasser aus. Um das Gefieder zu trocknen, ruhen sie mit ausgebreiteten Flügeln.
Ernährung
Wie die Kormorane tauchen Schlangenhalsvögel ausgezeichnet, doch sind sie keine Verfolgungsjäger wie diese, sondern ?schleichen? sich unter Wasser an die Beute heran und erdolchen sie, indem durch eine blitzschnelle Streckung des Halses der spitze Schnabel nach vor schnellt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, daneben werden auch Amphibien, Reptilien, Krebstiere, Mollusken, Insekten und Würmer erbeutet. Kleine Beutetiere werden sofort gefressen, größere an die Oberfläche gebracht, in die Luft geschleudert und mit dem Kopf voran verschluckt.
Fortpflanzung
Anders als Kormorane bilden Schlangenhalsvögel keine großen Kolonien, treten aber oft in lockeren Verbänden von einigen Paaren auf. Häufig schließen sie sich den Kolonien anderer Wasservögel an. Schlangenhalsvögel sind monogam; über Jahre findet sich ein Paar stets wieder am selben Nistplatz. Das Nest befindet sich in einem Baum, ist aus Zweigen errichtet und mit Blättern und Halmen ausgepolstert. Die Begattung findet im Nest statt.
Das Nest und die Umgebung werden gegen alle Eindringlinge derselben oder anderer Arten verteidigt. Vor allem Männchen reagieren auf Eindringlinge, indem sie mit dem Schnabel nach diesen schnappen. Kämpfe sind selten, da die Drohgebärden meistens ausreichen, das Revier zu verteidigen.
Schlangenhalsvögel legen zwei bis sechs Eier. Nach 25 bis 30 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie sind zunächst nackt, aber nach nur zwei Tagen mit einem Dunenkleid befiedert. Zunächst werden sie gefüttert, indem die Eltern vorverdauten Fisch vor ihnen auswürgen. Später stecken die Jungen ihren Schnabel in den Rachen der Altvögel und holen aus dem Kehlsack die dort verstaute Nahrung. Die Jungen kämpfen gegeneinander um die Nahrung, so dass das zuletzt geschlüpfte benachteiligt ist; in der Regel kommen jedoch alle Jungen durch, und der Tod des kleinsten Jungen ist eher die Ausnahme als die Regel wie bei vielen anderen Ruderfüßern. Nach drei Wochen verlassen junge Schlangenhalsvögel das Nest, werden aber weiter gefüttert, bis sie im Alter von sechs bis sieben Wochen selbständig fliegen, tauchen und jagen können.
Insgesamt dauert die Brut vom Nestbau bis zum Flüggewerden der Jungen nur drei Monate, was für Ruderfüßer ein extrem kurzer Zeitraum ist.
Schlangenhalsvögel brüten wahrscheinlich erstmals im Alter von zwei Jahren. Zu ihrer Lebenserwartung sind keine verlässlichen Daten bekannt.
Stammesgeschichte
Fossil sind Schlangenhalsvögel seit dem späten Miozän belegt. Der älteste bekannte Vertreter, Anhinga subvolans, wurde zunächst für einen Vertreter der Kormorane gehaltenJ.J. Becker: Reidentification of Phalacrocorax subvolans Brodkorb as the earliest record of Anhingidae. In: Auk 1986, Nr. 103, S. 804-808. Bemerkenswert ist ferner der südamerikanische Macranhinga paranensis Südamerikas, der mit einem Durchschnittsgewicht von 5,4 kg die heutigen Arten bei weitem übertrafJ.I. Noriega: Body mass estimation and locomotion of the Miocene pelecaniform bird Macranhinga. In: Acta Palaeontologica Polonica, 2001, Nr. 46(2), S. 247-260.
Der ursprünglich als ältester Schlangenhalsvogel beschriebene Protoplotus beauforti des Eozäns ist nach heutiger Auffassung kein Schlangenhalsvogel; seine tatsächliche Zuordnung bleibt rätselhaft.
Als einzige rezente Art ist der Amerikanische Schlangenhalsvogel fossil aus dem Pleistozän nachgewiesen.
Systematik
Meistens bekommen die Schlangenhalsvögel den Rang einer eigenen Familie innerhalb der Ruderfüßer. Manche Zoologen sehen keinen Grund, sie von den offenbar dicht verwandten Kormoranen zu trennen, und ordnen sie diesen als Unterfamilie Anhinginae zu. Die Verwandtschaft zu den Kormoranen wird vor allem wegen der vielen morphologischen Gemeinsamkeiten angenommen und ist in mehreren Studien bestätigt wordenJoel Cracraft: Monophyly and phylogenetic relationships of the Pelecaniformes: A numerical cladistic analysis. In: The Auk 1985, Nr. 102, S. 834-853.M. Kennedy, H.G. Spencer, R.D. Gray: Hop, step and gape: do the social displays of the Pelecaniformes reflect phylogeny. In: Animal Behaviour 1996, Nr. 51, S. 273-291. Eine abweichende Meinung vertraten Sibley und Ahlquist, die nach ihren DNA-Hybridisierungen zu dem Schluss kamen, dass Schlangenhalsvögel den Tölpeln näher als den Kormoranen stündenC.G. Sibley & J.E. Ahlquist: Phylogeny and Classification of Birds. Yale University Press, 1990.
Nach der mehrheitlich vertretenen Meinung sind Schlangenhalsvögel die Schwestergruppe der Kormorane innerhalb eines Taxons, das Pelecani genannt wird und sich folgendermaßen zusammensetzt:
Pelecani
/'>
|-- Pelikane
|
`--+-- Tölpel
|
`--+-- Kormorane
|
`-- Schlangenhalsvögel
Während manchmal auch ein, drei, oder vier Arten anerkannt werden, gibt es nach heutiger Auffassung zwei Arten:
Neuguinea, wo sie von der Einführung großer Fischarten für die Sportfischerei profitierten.
Der Altwelt-Schlangenhalsvogel hatte einst ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet in Westasien, von dem nur noch der Schatt el Arab übriggeblieben ist. In der Türkei lebte eine kleine Population am Amik Gölü (See von Antakya), die nach der Trockenlegung dieses Sees ausgestorben ist.
Quellen und weiterführende Informationen
Zitierte Quellen
Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:
Literatur
* Josep del Hoyo et al.: Handbook of the Birds of the World, Band 1 (Ostrich to Ducks). Lynx Edicions, 1992, ISBN 8487334105
* J. Bryan Nelson: Pelicans, Cormorants and their relatives. Oxford University Press, 2005, ISBN 0198577273

