Anglisierung
Als Anglisierung wird hauptsächlich das bewusste ?Verenglischen?, also die Übernahme kultureller, wirtschaftlicher oder sozialer Eigenarten insbesondere aus dem US-Amerikanischen oder Britischen, bezeichnet.In Bezug auf die Sprache ist Anglisierung die bewusste und übermäßige Verwendung englischer Begriffe im deutschen_Sprachgebrauch, etwa bei Werbeaktionen oder beim Gebrauch von Computern.
Zum Begriff der ?Anglisierung?
Das ?normale? Einfließen und Verwenden englischer_Begriffe steht im Gegensatz zur Eindeutschung und wird als Anglizismus bezeichnet.
Ebenso wie Denglisch hat Anglisierung eine negative_Note und wird oft als störend und unverständlich empfunden. Denglisch beschreibt speziell nur das Einfließen englischer Wörter und wird meist umgangssprachlich gebraucht.
Beispiele
Häufig findet sich die Bezeichnung Sale statt ?Ausverkauf? oder ?Schlussverkauf?.
Als Beispiel für einen Text, der unnötig viele Anglizismen enthält, wird auch oft folgender Ausspruch der Designerin Jil Sander angeführt:
Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.[http://www.vds-ev.de/denglisch/sprachpanscher/sprachschuster.php Sprachschuster des Jahres 1997] vergeben vom Verein Deutsche Sprache
Kulturelle Beispiele für eine Anglisierung sind der Versuch, angelsächsische Feste wie z.B. den Valentinstag oder Halloween in Deutschland einzuführen. Viele Menschen hegen hierbei die Vermutung, dass insbesondere wirtschaftliche Gründe die vermehrte Bewerbung der sog. Feiertage treiben.
Zu beobachten ist auch eine verstärkte sozialökonomische Ausrichtung nach Amerika und in diesem Zuge eine erhebliche Anglisierung der Wirtschaft. Die Einführung speziell US-amerikanischer Managementmethoden, insbesondere die konsequente Ausrichtung auf kurzfristige Gewinnmaximierung, sowie US-amerikanischer Führungsstil und die betonte Ausrichtung nach den Interessen der Unternehmenseigner (?Shareholder Value?) hat die Kultur gerade in den großen und börsennotierten Unternehmen in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Ein Faktor hierfür ist der zunehmende Einstieg US-amerikanischer Geldgeber in europäischen Unternehmen.
Ursachen und Motive der ?Anglisierung?
Früher geschahen Übernahmen, um sehr spezifische Sachverhalte bzw. Objekte mit einem eindeutigeren (Fremd)Wort zu belegen und eine vom Deutschen abweichende Nuancierung zu erreichen. Allerdings ist auch das Benutzen englischer Wörter anstelle schon vorhandener deutscher Wörter vermehrt aus modischen Gründen zu beobachten (z.B. wireless statt drahtlos, catwalk statt Laufsteg). Analog werden Sozial- oder Wirtschaftsnormen integriert, die in Deutschland bisher unüblich waren. (zum Beispiel: CEO)
Insbesondere in der Jugendsprache und in der Geschäftswelt ist eine starke Übernahme anglo-amerikanischer Wortelemente festzustellen. Dabei geschieht dies auf den ersten Blick aus ganz unterschiedlichen Gründen. So eifern Jugendliche ihren Idolen nach, die oft aus den USA kommen. In der Geschäftswelt dagegen wird die Anglisierung mit dem Zwang zur Globalisierung begründet. In jedem Fall kann jedoch die Anglisierung durch Gruppenzwang auf der einen Seite und das Streben nach Individualismus auf der anderen Seite verstärkt werden; insbesondere in gewissen sozialen Gruppen in Deutschland (etwa im Gegensatz zu Frankreich) mit starkem Konkurrenzdruck ist daher eine Anglisierung zu beobachten. Auf der anderen Seite werden Menschen, die einem tatsächlichen oder scheinbarem Druck zum Konformismus und dem Trend zur Anglisierung nicht bedingungslos folgen, teilweise als unkreativ und austauschbar angesehen.
Die zunehmende Dominanz von Fernsehproduktionen aus dem angelsächsischen Raum, insbesondere aus den USA, und die die damit einhergehende Dauerkonfrontation der Fernsehkonsumenten mit der (tatsächlichen oder vermeintlichen) Alltagswelt der USA, wird von vielen ebenfalls als Faktor gesehen, der die Anglisierung fördert. Hierbei wird den Zuschauern ein Bild der USA vermittelt, das der Wirklichkeit nicht immer nahe kommt - umgekehrt wird ein Amerikaner ein umfassendes und zutreffendes Deutschlandbild nicht aus dem regelmäßigen Konsum von ?Das Traumschiff? oder ?Lindenstraße? gewinnen können.
Kritik an der Anglisierung
Kritiker argumentieren, dass durch die Anglisierung ein dauerhafter Verfall der deutschen Kultur zu befürchten sei. Im übrigen würden durch den häufigen Gebrauch englischer Wörter im Deutschen bestimmte Teile der Bevölkerung (insbesondere älteren Menschen) überfordert, ausgegrenzt und damit diskriminiert. Eine Übertragung englischer Begriffe ist zudem nicht immer problemlos möglich ? ein CEO ist im angelsächsischen Gesellschaftsrecht hinsichtlich seiner Rechte und Pflichten deutlich anders ausgestattet als ein deutscher Vorstandsvorsitzender.
Das Unternehmen Porsche beispielsweise minimiert bewusst die Verwendung englischer (Fach-)Begriffe, um so die innerbetriebliche Kommunikation zu fördern und das soziale Umfeld zu verbessern.
In den letzten Jahren kam es zu einer Gegenbewegung, die insbesondere durch die Opposition vieler Menschen zu der US-amerikanischen Politik unter Präsident George W. Bush begünstigt wurde. Dies führte u. a. zu einer zunehmenden Verwendung altdeutscher Vornamen für Kinder bis hin zu einer unreflektierten Ablehnung jeglicher Facetten US-amerikanischer Kultur als Gegenbewegung zu einer Haltung der nahezu bedingungslosen Übernahme.
Interessant war eine Untersuchung, die Ende 2006 im Der Spiegel veröffentlicht wurde: englischsprachige Werbesprüche werden in der Regel nur von einer Minderheit der Konsumenten korrekt verstanden. Dieses Phänomen führte dazu, dass mehrere Unternehmen (z. B. aus der Parfümeriebranche) wieder zu deutschen Texten zurückkehrten.
Nicht unumstritten ist auch die Tendenz, wissenschaftliche Beiträge mit dem Ziel der besseren internationalen Verbreitung nur noch auf Englisch zu verfassen. Kritiker führen an, dass dadurch solche Wissenschaftler, die Englisch als Muttersprache sprechen, begünstigt würden, da kaum jemand, der Englisch als Fremdsprache spricht, im Sprachgebrauch letztendlich an einen Muttersprachler heranreicht.
Sprachkritische Vereinigungen
Siehe Liste der Sprachvereine.
Quellen und Anmerkungen
Literatur
* Rudolf Bartzsch/ Reiner Pogarell/ Markus Schröder (Hrsg.): Wörterbuch überflüssiger Anglizismen, Paderborn: IFB Verlag, 6. Auflage, 2004, 220 S., ISBN 3-931263-33-9
• Meier] (Hrsg.): Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Hrsg. von Christian Meier im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt. Göttingen: Wallstein Verlag, 1999, 112 S., ISBN 3-89244-341-6
• Pörksen] (Hrsg.): Die Wissenschaft spricht Englisch? Versuch einer Standortbestimmung. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2005, 114 S., ISBN 3-89244-978-3 (Heftreihe ?Valerio? der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Band Nr. 1, 2005)
Siehe auch
Scheinanglizismus ? Scheinbare Anglizismen wie Handy
Lehnwort ? Fremdwörter, die an die Sprache angepasst wurden und nicht mehr als solche erkennbar sind (z. B. Fenster)
Denglisch ? Abwertende Bezeichnung für den übermäßigen Gebrauch von Anglizismen und Scheinanglizismen
BSE_(Bad_Simple_English)
Weblinks
• Amerikanismen in der deutschen Sprache der Gegenwart.
• Verein Deutsche Sprache
• Body shaping, Beach Wear und Goethe-Jump. Der Verein Deutsche Sprache kämpft gegen unmäßige Anglisierung. Haus der Literatur. Brentano-Gesellschaft Frankfurt
• WieSagIchsAufDeutsch.de - Ein tolerantes Wiki mit Anregungen zur Vermeidung von Anglizismen.
• Aktion Lebendiges Deutsch

