Angklung
Das Angklung ist ein traditionelles sundanesisches Musikinstrument aus West-Java in Indonesien.
Das Instrument zeichnet sich durch Eigenschaften aus, die sich im indonesischen mit den ?Fünf M? ausdrücken lassen: ?Murah, Mudah, Menarik, Massal dan Mendidik?. Übersetzt bedeutet das so viel wie: ?Preiswert, einfache Herstellung, einfach zu spielen, attraktiv (Klang, Form), Wir-Gefühl in der Gruppe und Lehrreich. Das "Gotong Royong", zu Deutsch Gemeinschaftsgeist, spielt in der indonesischen Bevölkerung eine große Rolle und spiegelt sich im Musizieren mit dem Angklung wieder.
Herkunft
Es wird davon ausgegangen, dass die Geschichte des Angklung bis in die Jungsteinzeit (Neolithikum) zurückreicht. Ursprünglich war es wohl ein einfaches, an einem Ende offenes Bambusrohr, welches mit einem Stock geschlagen wurde und zum Aufschrecken von Wildtieren bei der Jagd verwendet wurde. Über die Jahrhunderte entwickelte es sich weiter, vor allem in der Gegend von Garut, Tasikmalaya, Ciamis, Sukabumi und Bandung, und fand 1938 seine heutige Form. Überliefert ist die Benutzung des Angklung durch das Sundavolk der Badui, die damit ihre Soldaten vor der Schlacht einstimmten, oder bei königlichen Zeremonien. Es wurde aber auch in Banten, Sukabumi, Cirebon und anderen Gegenden West-Javas bei religiösen und rituellen Zeremonien eingesetzt. Angklung wurde vor allem zu Ehren der hinduistischen Göttin Dewi Sri, die für Reis, Fruchtbarkeit, Natur, Ernte 'zuständig' ist, gespielt. Das Angklung wurde auch bei weltlicheren Anlässen zur Unterhaltung gespielt, zum Beispiel zur Begleitung von traditionellen Tänzen. Heute ist Angklung auf allen Inseln in Indonesien verbreitet. Die Instrumente werden heutzutage z.B. auch bei Hauseinweihungen, Hochzeiten oder Beschneidungszeremonien gespielt. Ein legendäres Angklung-Konzert war der Auftritt der Kartini-Schule aus Bandung auf der Asia-Afrika-Konferenz im Jahr 1955 in Bandung unter der Leitung von Daeng Soetigna und seinem Schüler Udjo Ngalagena.Das Wort Angklung hat seine Herkunft aus der hinudistisch-balinesischen Sprache, wonach es aus den Einzelworten angka, was "Ton" bedeutet, und lung, was sich mit gebrochen, unvollständig oder weg sein übersetzen lässt, besteht. Das Anglung ist also wörtlich übersetzt ein gebrochener Ton.
Beschreibung des Angklung
Das Angklung in seiner heutigen Form besteht als Melodie-Instrument aus zwei oder drei seitlich beweglichen Klangkörpern aus Bambus, welche in einem hölzernen Gestell oben aufgehängt sind. Die Anglungs mit drei Klangkörpern ergeben einen noch etwas volleren Klang, was insbesondere bei kleineren Angklung-Gruppen ein Vorteil sein kann. Am weitesten verbreitet sind allerdings die Instrumente mit zwei Klangkörpern. Unten werden die Klangkörper in Langlöchern eines Bambusrohrs des Gestells geführt. Um einen Ton zu erzeugen, muss das Angklung seitlich geschüttelt werden, wodurch die Zapfen der Klangkörper in den Langlöchern anschlagen und der Ton entsteht, womit es durch seine selbstklingende Tonerzeugung als Idiophon klassifiziert werden kann. Angklungs aus drei Klangkörpern können auch als Akkord eingesetzt werden, zusätzlich gibt es auch Akkord-Angklungs aus vier Klangkörpern. Die Klangkörper sind einzelne Abschnitte aus einem Bambusrohr, welche unten geschlossen sind, und im oberen Bereich zur Hälfte aufgeschnitten sind, so dass sich die für die Tonerzeugung benötigte stehende_Welle ausbreiten kann. Aus der Größe der Klangkörper und der Breite und Länge des halbierten Bereichs ergibt sich die Tonhöhe. Jedes Angklung ist in der Lage, exakt einen Ton zu erzeugen.
Notation
Das Angklung gibt es heute in zwei Ausführungen mit Unterarten:* das traditionelle Angklung (Angklung Baduy, Angklung Buncis, Angklung Gubrag, Angklung Bungko, welche sich in der Klangfarbe unterscheiden), und auf der Pentatonik-Tonleiter mit fünf Tönen (da - mi - na - ti - la) basiert. Auch javanische und balinesische Gamelan-Orchester spielen in dieser Tonleiter.
* das Moderne Angklung, sogenanntes Angklung Padaeng, wie es von Daeng Soetigna um 1938 weiter entwickelt wurde, und das Angklung Udjo, wie es von Saeng Soetignas Schüler Udjo Ngalagena weiter entwickelt wurde. Der Hauptunterschied zum traditionellen Angklung ist die Verwendung der internationalen Tonleiter mit 7 Grundtönen (Diatonik: do - re - mi - fa - sol - la - si). Somit kann man mit dem Angklung neben traditionellen javanischen Stücken auch internationale Lieder spielen. Hierdurch verbreitete sich das moderne Angklung von seiner sundanesischen Heimatstadt Bandung über ganz Java und bis nach Malaysien, Thailand und in jüngster Zeit auch nach Europa und anderswo.
Wie in Asien allgemein üblich wird Musik nicht mit den bei uns verbreiteten Notensymbolen, sondern einem einfachen Zahlensystem notiert. Dabei entspricht das 'C' der '1' und das 'B' der '7', die '0' symbolisiert eine Pause und der Punkt '.' das Weiterklingen eines Tones. Die Oktave wird mit Punkten über (hohe Oktaven) oder unter (tief) der Zahl ausgedrückt, eine 1 mit zwei Punkten darüber ist demnach ein C". Durchgestrichene Zahlen symbolisieren Halbnoten. Befindet sich über zwei Noten ein Strich, so werden diese nur kurz nacheinander angeschlagen, ein Apostroph hinter einer Note symbolisiert eine Fermate.
Ein paar Takte einer einfachen, zweistimmigen javanischen Melodie (Burung Kakatua):
|.05|3.3|1.3|2..|.03|4.6|
|.03|3.1|3.1|7..|.01|2.4| usw.
Durch die Anpassung an die internationale Tonleiter mit 7 Tönen kann das Angklung auch mit beliebigen anderen Instrumenten kombiniert werden, beliebt ist zum Beispiel die Begleitung durch eine Gitarre, welche die Akkorde spielt, zum Beispiel auch ein Schlagzeug wäre denkbar.
Angklung spielen
Ein Angklung erzeugt nur einen Ton. Um eine komplette Melodie zu spielen, benötigt man je nach Oktavenumfang des Stücks 7, 14, 21 oder gar mehr Angklung-Instrumente um spielen zu können. Es dürfte klar sein, dass ein Musiker so keine Melodie spielen kann, wenn er es auf die traditionelle Weise tun wollte, da er solch eine Menge Instrumente nicht alleine halten kann. Daher besteht ein normales Angklung-Orchester aus mindestens sechs bis sieben Personen, idealerweise mindestens 15, und alle Noten sind mindestens doppelt besetzt. Das Spielen des Angklung erfordert hohe Konzentration, da der einzelne Spieler nicht eine komplette Melodie, sondern nur einzelne Töne daraus spielt, er muss ganz genau wissen, wann er sein Angklung schütteln muss. Dazu muss er sich auf sein Taktgefühl, das Gehör und die Mitspieler verlassen. Schwierig wird es, wenn ein Spieler direkt hintereinander zwei verschiedene Noten spielen soll - hier hilft die mindestens doppelte Besetzung der Noten, da es so unwahrscheinlicher wird, dass eine Lücke zwischen den beiden Tönen entsteht, während ein Spieler von einem Angklung zu einem anderen umgreift. Große Angklung-Orchester in Indonesien bestehen je nach Anlass aus über 100 Personen. Das Schweizer Angklung Duo besteht dagegen aus nur zwei Personen, der Trick dieser Musiker besteht darin, dass sie die Angklungs in einem Holzrahmen verschnürt haben, und von oben drauf schlagen. Man kann Anglung allerdings auch alleine spielen, in dem man die Instrumente in der Tonleitern-folge in einem Gestell aufhängt, und dann mit beiden Händen die Instrumente schüttelt. In dieser Spielweise werden oft auch die Akkord-Angklungs gespielt.
Bei der traditionellen Spielweise spielt jeder Spieler je nach Können bis zu sechs oder sieben Töne. Die Instrumente werden dazu über die Hand oder den horizontal gehaltenen Unterarm gehängt, und mit der anderen Hand seitlich geschüttelt, sobald der entsprechende Ton zu spielen ist. Für den Zuhörer stellt sich ein besonderes Erlebnis ein, da die verschiedenen Töne eines Stückes aus verschiedenen Richtungen im Raum kommen. Bei einer geschickten Aufstellung der Spieler einer größeren Gruppe auf der Bühne können hier interessante Effekte erzielt werden, als Zuhörer kann man die Melodie durch den Raum wandern hören.
Der Einstieg in eine Angklung-Gruppe gelingt dank der einfachen Notation sogar Personen, welche Notensymbole nicht lesen können, und auch sonst kein Instrument spielen können. Ein wenig Taktgefühl ist allerdings von Vorteil. Man fängt mit einem Angklung an, und steigert sich über die Zeit. Anfangs wird man seine Note öfters verpassen, aber mit Geduld und Übung findet man schnell in das Orchester hinein, und kann nach und nach auch mehr Instrumente in einem Lied spielen. Wenn sich eine neue Angklung-Gruppe zusammenfindet, hat es sich bewährt, das zu spielende Stück in großen Zahlen (bei Kindern können es auch Symbole wie verschiedene Früchte oder geometrische Figuren oder farbige Punkte sein, die den jeweiligen Noten entsprechen) an eine Tafel oder auf ein Plakat zu schreiben, und mit einem Zeigestock im Takt auf die Noten zu deuten. Bei Saung Angklung Udjo (siehe unten) werden auch Besucher dazu animiert, mitzuspielen. Dazu zeigt der Dirigent verschiedene Handzeichen, die den Noten entsprechen, und so spielen die anwesenden Touristen recht schnell eine zweistimmige Melodie, und wollen garnicht mehr aufhören!
Angklung in der Schule
In Indonesien, speziell in West-Java, wo der Ursprung des Angklung liegt, findet bereits an vielen Grundschulen die Musikerziehung mit dem Angklung statt, einige Schulen treten im Rahmen von im Abstand von mehreren Jahren stattfindenden Tourneen auch in Europa auf. Ein anderes sehr interessantes Projekt in Bandung ist Saung Angklung Udjo, welches 1967 von Mang Udjo, einem Schüler des oben bereits erwähnten Musikers Daeng Sutisna, gegründet wurde. Das Projekt holt Kinder und Jugendliche von der Straße, und lässt sie mit Angklung und anderen javanischen Instrumenten wie Gamelan musizieren, es wird das traditionelle Schattenspiel Wayang und klassischer javanische Tanz eingeübt, und jeden Nachmittag finden Vorführungen für Einheimische und Touristen statt. Im Saung Angklung Udjo befindet sich auch eine bedeutende Werkstatt zur Herstellung der Instrumente. Auch als Schulungsinstrument in Teamarbeits-Seminaren für Manager und Firmen in Indonesien hat sich das Angklung schon bewährt.
Weblinks
* Saung Angklung Udjo, Bandung: http://www.angklung-udjo.co.id/ (Neue Webseite) [http://youtube.com/watch?v=A7F8VbQJwXo Video]
* Schule KPA3, Bandung: http://hammer.prohosting.com/angklung
* Angklung Web Institute, Bandung: http://angklung-web-institute.com/index.php?lang=en
* Grup Angklung MKIF, Frankfurt/M: http://www.mkif.de/de/angklung.html (Inklusive [http://www.mkif.de/files/angklung.wmv Video] vom Auftritt im Frankfurter Dom)
* Cinta Nada, Weinheim: http://www.cintanada.de/index.htm
* Anklung Orchestra, Hamburg: http://www.sabilulungan.org/angklungde/
* Angklung Duo, Schweiz: http://www.angklung-duo.ch
* Anglung Orchester Zürich, Schweiz: http://www.angklung.ch (Mit virtuellen Instrumenten zum selber spielen!)
* Auftritt diverser Gruppen (Youtube): [http://youtube.com/watch?v=k9VA_rHuRHo 1], [http://youtube.com/watch?v=pJBDgD7MMds&mode=related&search= 2], [http://youtube.com/watch?v=XLBptqG2eDE&mode=related&search= 3], [http://youtube.com/watch?v=BRnchn3qgSc&mode=related&search= 4], [http://youtube.com/watch?v=_0pYiphUGUg&mode=related&search= 5]
* "Stille Nacht, heilige Nacht" (indonesisch: Malam Kudus) [http://youtube.com/watch?v=dgghRxDsmzI als Video]

