Andronovo-Kultur
ist dunkelrot. Das Gebiet der frühesten Funde von mit Speichenrädern besetzten Streitwagen ist violett. Angrenzende und überlappende Kulturen sind grün (Afanasevo-Kultur, Srubna-Kultur, baktrisch-margianische_Oasenkultur).
Als Andronovo-Kultur (auch Andronowo-Kultur) bezeichnet man eine Gruppe bronzezeitlicher Kulturen, die zwischen 2300–1000 v.Chr. in Südsibirien und Zentralasien nachgewiesen sind. Man spricht auch von einem archäologischen_Komplex. Der Name leitet sich von der Stadt Andronovo (oder Andronowo | ) ab, in der 1914 mehrere mit reich verzierter Keramik ausgestattete Hockergräber gefunden wurden. Die Andronovo-Kultur wird allgemein der proto-indo-iranischen Sprachgruppe zugeordnet. Die Menschen dieser Kultur werden oft als die Erfinder des Streitwagens mit Speichenrädern bezeichnet (um ca. 2000 v.Chr.)Di Cosmo (S. 903) bezieht sich auf Funde der Andronovo-Kultur um etwa 2026 v.Chr..
Geographische Lage
Das geographische Einzugsgebiet dieser kulturellen Gruppe ist enorm und lässt sich nicht exakt bestimmen. In seinen westlichen Ausläufern zwischen den Flüssen Wolga und Ural überschneidet es sich mit dem Gebiet der nahezu zeitgleich auftretenden Srubna-Kultur. Zum Osten hin reicht es bis in die Tiefebene von Minussinsk und liegt damit zum Teil im Gebiet der früher auftretenden Afanasevo-Kultur. Weitere Siedlungen sind bis weit in den Süden verstreut, wie z.B. im Kopet Dag (Turkmenistan), im Pamir (Tadschikistan) oder im Tienshan (Kirgisistan). Die nördliche Grenze liegt in etwa am südlichen Beginn der Taiga.
Lebensweise
In der Mitte des 2. Jahrtausends setzte eine starke ostwärtige Wanderung der Andronovo-Kultur ein, während der man zwischen wenigstens 4 Subkulturen unterscheiden kann, deren chronologisches Auftreten aber nur wage bekannt ist:
*Sintashta-Petrovka-Arkaim (2200-1600 v.Chr.) im südlichen Ural und Nordkasachstan,
**die befestigte Stadt Sintashta im Oblast Tscheljabinsk um ca 1800 v.Chr.,
**die Siedlung Arkaim in der Nähe, wurde ins 17. Jahrhundert v.Chr. datiert,
*Alakul (2100-1400 v.Chr.) zwischen Oxus und Syrdarja und in der Wüste Kysylkum,
*Fedorovo (1400-1200 v.Chr.) in Südsibirien,
*Alekseyevka (1200-1000 v.Chr.) In Ostkasachstan.
Die "Völker" der Andronovo-Kultur waren metallverarbeitende Bauern, die in den Vorgebirgen des Ural, im Altai (Gebirge) und im Gebiet der unteren Wolga intensiven Kupferbergbau betrieben. Hier entstanden Zentren der Kupfer- und Bronzeverarbeitung, wie reiche mit Werzeugen zur Metallverarbeitung ausgestattete Handwerkergräber bezeugen. Die Siedlungen waren befestigt und bestanden aus halbunterirdischen Blockhäusern von ca. 30 mal 60 Metern Grundfläche. Neben dem Bergbau betätigten sich die Menschen in der Landwirtschaft, züchteten Pferde und Rinder aber auch Schafe und Ziegen und betrieben nachweislich intensiven Ackerbau. Begräbnisse wurden in Hügelgräbern (Kurgane) oder steinumschlossenen Holzkammern (ähnlich denen der Balkengräber-Kultur) durchgeführt. Im Wolgabecken gab es langanhaltenden und intensiven Kontakt zur Srubna-Kultur, wie Keramikfunde der Fedorovo-Kultur in der Nähe von Wolgograd belegen.
Die Andronovo-Kultur und die Indo-Iranische-Gruppe
thumb|300px|Kulturen,_die_allgemein_mit_der_Emigration in Verbindung gebracht werden (nach EIEC); die Andronovo-Kultur, die baktrisch-margianische Oasenkultur und die Yaz-Kulturen. Die Swat-Kultur, die Cemetery-H-Kultur, die Copper-Hoard-Kultur und die PGW-Kultur sind Kandidaten für die indo-arischen Völkerwanderungen.
Südlich des Oxus finden sich keinerlei Bestattungen der Andronovo-Kultur mehr,Fussman, G. in Fussman, G.; Kellens, J.; Francfort, H.-P.; Tremblay, X. (2005), S. 220; H.-P. Francfort, Fouilles de Shortugai und auch südlich von Baktrien trifft man auf keine oder nur sehr spärliche Funde.Fussman, G. in Fussman, G.; Kellens, J.; Francfort, H.-P.; Tremblay, X. (2005), S. 220; H.-P. Francfort, Fouilles de Shortugaioder südlich in der Region zwischen Kopet Dagh und Pamir-Karakorum. H.-P. Francfort in Fussman, G.; Kellens, J.; Francfort, H.-P.; Tremblay, X. (2005), S. 268 Sarianidi notiert dazu, dass "archäologische Funde aus Baktrien und Margiana trotz allem keinen Zweifel daran lassen, dass Andronovo-Stämme vereinzelt in das Gebiet der baktrisch-margianischen_Oasenkultur_(BMAC) eindrangen."Sarianidi 1993. "Margiana in the Ancient Orient." International Association for the Study of the Cultures of Central Asia Information Bulletin. 19:5-28; Bryant 2001: S. 220
Einige Gelehrtewie Brentjes (1981), Klejn (1974), Francfort (1989), Lyonnet (1993), Hiebert (1998), Bosch-Gimpera (1973) und Sarianidi (1993); siehe Bryant 2001, Kapitel 10 vertreten die Meinung, dass man die Andronovo-Kultur nicht mit der Indo-Arischen-Kultur oder der des Landes Mitanni verbinden kann, da sie sich erst zu spät herausgebildet hat und auch keine Spuren von kulturellem Austausch (z.b. Kriegerbegräbnisse oder charakteristische Holzrahmenkonstruktionen) mit Indien oder Mesopotamien nachgewiesen sind.siehe Edwin Bryant 2001, Kapitel 10 Der Archäologe J. P. Mallory (1998) tat sich "außerordentlich schwer, eine These für die Expansion aus den nördlichen Regionen in das nördliche Indien, aufzustellen" und bemerkt dazu, dass die vorgeschlagenen Auswanderungswege "die Indo-Iraner nur bis nach Zentralasien führte, aber nicht bis zu den Medern, den Persern oder den Indo-Ariern."Mallory 1998; zitiert aus Edwin Bryant 2001: S. 216
Nachfolgekulturen
In Südsibirien und Kasachsten folgte der Andronovo-Kultur, die Karasuk-Kultur (1500-800 v.Chr.), die einerseits als nicht-indo-europäisch und andererseits als proto-iranisch bezeichnet wird, aber definitiv fremd ist. An den westlichen Grenzen ging die Andronovo-Kultur in der Srubna-Kultur auf, die nachweislich von der Abashevo-Kultur abstammt. In assyrischen Archiven finden sich die ältesten Aufzeichnungen über Menschen aus der Andronovo-Region, namentlich die Kimmerer und die Saken bzw. Skythen, die nach dem Zerfall der Alekseyevka-Kultur ab etwa dem 9. Jahrhundert in die Ukraine, über den Kaukasus nach Anatolien, und im späten 8. Jahrhundert nach Assyrien und möglicherweise als Thraker und Sigynnae auch nach Westeuropa, auswanderten. Herodot beschreibt die Lage des Landes der Sigynnaer jenseits der Donau nördlich der thrakischen Länder, und Strabo beschreibt sie in der Nähe des Kaspischen_Meeres. Beide bezeichnen sie als Iraner.
Fussnoten
Quellenangaben
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*Jones-Bley, K.; Zdanovich, D. G. (eds.), Complex Societies of Central Eurasia from the 3rd to the 1st Millennium BC, 2 vols, JIES Monograph Series Nos. 45, 46, Washington D.C. (2002), ISBN 0-941694-83-6, ISBN 0-941694-86-0.
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Siehe auch
Kurgan-Hypothese
Weblinks
• Deutsches Archäologisches Institut - Ausgrabungen in Tartas
• Gerda Henkel Stiftung - Grabungskampagne in Askaraly
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