Andrew Wyeth
Andrew Newell Wyeth (12. Juli 1917 in Chadds Ford, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischerrealistischer Maler, einer der bekanntesten des 20. Jahrhunderts. Manchmal wird er als der "Volksmaler" bezeichnet, weil er in den USA so populär ist. Sein Lieblingsmotiv ist das Land und die Einwohner rund um seine Heimatstadt Chadds Ford in Pennsylvania und um seinen Sommerwohnsitz bei Cushing in Maine. Sein bekanntestes Werk, und eines der bekanntesten der US-amerikanischen Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, ist "Christina's Welt", das im Museum of Modern Art in New York City hängt.
Kindheit und frühe Karriere
Andrew Wyeth ist der Sohn von Nevell Convers Wyeth, einem berühmten US-amerikanischen Illustrator und Künstler. Als jüngstes von fünf Kindern wurde er zuhause unterrichtet
und lernte die Kunst von seinem Vater. Als er 1937 zwanzig Jahre alt war, hatte er seine erste Einzelausstellung in der Macbeth Gallery in New York City. Die ganze Ausstellung
war schnell ausverkauft, und Wyeth's Karriere hatte begonnen. 1940 heiratete er Betsy Merle James, die er ein Jahr zuvor in Maine kennen gelernt hatte. Betsy stellte ihn Cristina Olson, die später das Modell zu seinem Bild "Christina's Welt" wurde. Christina, ihr Bruder Alvaro und ihr verwittertes Haus wurden über zwanzig Jahre lang wichtige Motive seiner Kunst. Betsy James Wyeth spielte in der Karriere ihres Mannes eine führende Rolle und hat ihn immer sehr unterstützt.
Tod des Vaters /40er Jahre
1945 wurden Andrew Wyeth's Vater und sein dreijähriger Neffe getötet, als ihr Auto
in der Nähe ihres Hauses auf den Schienen stehenblieb und von einem Zug erfasst wurde.
Wyeth sagte immer, dass dieses Ereignis nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern auch
prägend für seine künstlerische Laufbahn war. Kurz danach erreichte seine Kunst ihren
reifen und dauerhaften Stil, für den eine gedämpfte Farbpalette, eine realistische
Darstellung und die Verwendung emotional geladener symbolischer Objekte war.
1948 malte Wyeth Anna und Karl Kuerner, die in Chadds Ford ihre Nachbarn waren. Neben
den Olsons in Maine wurden die Kuerners und ihre Farm für die nächsten dreißig Jahre
eines seiner wichtigsten Motive.
Spätere Karriere
Während er seine Zeit teils in Maine, teils in Pennsylvania verbrachte, hat Wyeth
über fünfzig Jahre lang einen relativ konsistenten realistischen Stil beibehalten. Er
legte seinen Schwerpunkt auf einige wenige Landschaften und Modelle, die in seinen
Bildern immer wiederzuerkennen sind, und zu denen er über Jahrzehnte immer wiederkehrte.
Üblicherweise fertigt er Dutzende von Studien mit Bleistift oder Aquarell an, um dann
das eigentliche Bild zu malen, mal als Aquarell, mal in einer Art Trockenmalen
mit Wasserfarben oder in Eitempera. Mit seinem wachsenden Ruhm erzielen seine Werke immer höhere Preise, und heute bekommt er von privaten Sammlern und auf Auktionen mehr als eine Million Dollar pro Bild.
Reaktionen der Kritik
Sein Stil war lange Zeit umstritten. Sein realistischer Malstil bildete einen großen
Gegensatz zur Abstraktion, die ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in den USA
üblich war. Museumsausstellungen seiner Werke fanden großen Zulauf, aber viele Kunstkritiker
lehnten seinen Stil ab. Der häufigste Vorwurf war, dass seine Bilder eigentlich Illustrationen
sind, und dass er aus Sentimentalität Personen und Landschaften malt, die ihm am Herzen
liegen. Bewunderer seiner Werke glauben, dass sie zusätzlich zu der Schönheit seiner Motive
auch starke Gefühle ausstrahlen, sehr symbolhaltig sind und eine unterschwellige Abstraktion
besitzen. Die meisten Betrachter seiner Werke glauben, dass er Wasserfarbe und Eitempera
mit großer Kunstfertigkeit benutzt. Wyeth hatte es nach anfänglichen Experimenten vermieden,
traditionelle Ölfarben zu verwenden.
Die "Helga"-Bilder
Eine kontroverse Episode in seiner Karriere umgab eine Reihe von Werken, die Wyeth von
Helga Testorf malte, einem Modell, dass er durch die Familie Kuerner in Chadds Ford
kennenlernte. Wyeth begann 1971, Helga zu malen, und über fünfzehn Jahre lang war sie
eines seiner wichtigsten Modelle. Im Gegensatz zu seinen anderen Werken enthielt er aber
die "Helga"-Bilder der Öffentlichkeit vor. Nicht einmal seine Frau Betsy durfte sie sehen.
Er zeigte sie ihr erst 1985, und verkaufte sie im folgenden Jahr an Leonard Andrews, einen
Privatkäufer. Andrews erregte mit diesen Bildern große Publicity, und viele große
Museen wollten sie ausstellen. Die Medien brachten die Geschichte über Wyeths geheime
Bilder, unterschwellig andeutend, dass er mit dem Modell eine Affäre gehabt hatte.
Nach den Ausstellungen verkaufte Andrews die Bilder mit großem Profit an einen anonymen
japanischen Industriellen. Einige Museumsleiter hatten das Gefühl, sie wären benutzt worden,
um die Bilder besser verkaufen zu können. Einige Kunstkritiker dachten, Wyeth und seine
Frau hätten die Geschichte mit dem geheimen Bilderversteck inszeniert. Andere bewunderten
einfach die Bilder. Nach dem Verkauf an den Industriellen wurden die Bilder oft in Museen
in den USA und Japan ausgestellt. Im Dezember 2005 kaufte sie dann ein US-Amerikaner,
der sie wahrscheinlich einzeln weiterverkaufen wird.
Museumssammlungen
Die Bilder von Andrew Wyeth befinden sich in den Sammlungen der meisten größeren US-
amerikanischen Museen, eingeschlossen das Metropolitan Museum of Art, das Whitney
Museum of American Art und das Museum of Modern Art in New York City; und das
Smithsonian American Art Museum, die National Gallery of Art, und das Weiße Haus.
Besonders viele Bilder von Wyeth besitzen das Brandywine River Museum in Chadds Fort,
Pennsylvania, das Farnsworth Museum of Art in Rockland, Maine, und das Greenville
County Museum of Art in Greenville, South Carolina.
Preise und Auszeichnungen
Wyeth hat viele Auszeichnungen bekommen. 1963 war er der erste Maler, der die Freiheitsmedallie
des Präsidenten erhielt, die von John F. Kennedy ins Leben gerufen wurde.
1977 war er der erste Künstler seit John Singer Sargent, der in die Akademie der schönen
Künste gewählt wurde. 1980 war Wyeth der erste lebende US-amerikanische Künstler, der
in Großbritanniens Royal Academy gewählt wurde. 1987 bekam er ein D.F.A. vom
Bates College. 1990 verlieh Präsident George H. W. Bush ihm die goldene Ehrenmedallie
des Kongresses.

