Andreas von Jerin
Andreas von Jerin (1540 oder 1541 in Riedlingen_an_der_Donau; ? 5. November 1596 in Neisse, Oberschlesien) war Bischof von Breslau und kaiserlicher Gesandter.Werdegang
Seine Eltern waren Ludwig Jerin, Ratsherr in Riedlingen, und Katharina, geb. Dietterlin. Ab 1559 studierte er an der Universität Dillingen, wo er 1563 das Baccalaureat sowie den Magistertitel erwarb. Als Erzieher der Brüder Gebhard und Christoph Truchseß_von_Waldstein setzte er 1563 sein Studium an der Universität_Löwen fort und wurde im Oktober 1566 auf Empfehlung von Petrus Canisius in das Collegium_Germanicum_et_Hungaricum aufgenommen. Zwei Jahre später wurde er im Petersdom zum Priester geweiht und war dann bis 1570 Seelsorger der Schweizer Garde. Die theologische Promotion erfolgte 1571 an der Universität Bologna. Im gleichen Jahr übertrug ihm Kardinal Otto Truchseß von Waldburg die Dillinger Stadtpfarrei.
Bereits 1570 erhielt er ein Kanonikat an der Breslauer_Kathedrale, an der er 1572 Domprediger wurde und Sitz und Stimme im Domkapitel erlangte. Gleichzeitig wurde ihm das Amt des Rektors am Breslauer Priesterseminar übertragen, das er jedoch, nachdem es 1575 nach Neisse verlegt wurde, niederlegen musste. Seit 1573 war er Kustos am Breslauer Kreuzstift, 1577 wurde er Breslauer Propst. 1575-1580 besaß er ein Kanonikat am Kollegiatsstift in Neisse.
Am 29. September 1578 wurde er in Prag in den böhmischen Adelsstand erhoben. Für seine Verdienste als kaiserlicher Gesandter in Polen folgte am 25. Februar 1583 durch Kaiser Rudolf_II. die Erhebung in den rittermäßigen Reichs- und erbländisch-österreichischen Adelsstand.
Nachdem er als Kandidat Kaiser Rudolfs II. am 1. Juli 1585 zum Bischof von Breslau gewählt wurde, folgte am 9. Februar 1586 die Bischofsweihe. Der Kaiser ernannte ihn gleichzeitig zum Oberlandeshauptmann von Schlesien.
Durch seine intensiven Kontakte zum Kaiserhof und zur römischen Kurie konnte Jerin den Katholizismus in Schlesien stärken und sein Anliegen, das Erziehungswesen und die Priesterausbildung zu reformieren, durchsetzen. 1590 stiftete er das Pädagogium St. Andreas in Neisse, mit dem der Mangel an katholischen Beamten in der kirchlichen Verwaltung behoben werden sollte. 1592 hielt er eine Diözesansynode ab.
Seinen gegenreformatorischen Maßnahmen war allerdings wenig Erfolg beschieden. Seine Bemühungen, die Missions- und Bildungseinrichtungen der Jesuiten zu stärken, scheiterten am Widerstand der schlesischen Fürsten und Stände. 1595 mussten die Jesuiten Breslau verlassen.
Jerin war Rat des Erzherzogs Karl_von_Österreich sowie päpstlicher Pfalzgraf ?Aulae Lateranensis comes palatinus?. Er war ein Förderer der Wissenschaften und Künste. Für den Breslauer Dom ließ er 1590 von Paul Nitsch einen kostbaren silbernen Hochaltar anfertigen.
Mehrere Verwandte und Landsleute Jerins waren höhere Beamte seiner Bistumsverwaltung oder hatten andere bedeutende Positionen inne, z. B.:
* Andreas von Jerin (? 1622), Rat und Hofrichter in Neisse
* Philipp von Jerin (? 1628), Kämmerer und Rat
* Bartholomäus von Jerin (? 1613), Kanzler des Domkapitels in Breslau, päpstlicher Protonotar, Hofpfalzgraf
* Konstantin Magnus von Jerin (1600-1665), bischöflicher Landeshauptmann in Neisse und Hofrichter
Paul Albert von Radolfzell
Sie wurden als Schwabenpartei bezeichnet und brachten Jerin den Vorwurf des Nepotismus ein.
Jerin starb auf seinem Bischofshof in Neisse und wurde im Breslauer Dom bestattet. Das für ihn errichtete Epitaph mit Reliefbüste ist aus rotem Marmor.
Literatur
* Joachim Köhler, in: Neue Deutsche Biographie, Band 10, Seite 413f.
* A. Nägele: Documenta Jeriniana. Archival. Beiträge z. Biographie d. Breslauer Bischofs Andreas v. Jerin (1585-1596). In: Arch. schles. Kirchengesch., Bd. 1, S. 98--156.
* Alois Braig: Andreas von Jerin (1540/41-1596). Vom Riedlinger Bürgersohn zum Fürstbischof von Breslau, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach 8, H. 2, 1985, S. 22-28
* Gerhard Neudecker: Andreas von Jerin, Fürstbischof im Zeitalter der Konfessionsbildung, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach 23, H. 2, 2000, S. 15-29
* Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil B 1941, Seite 263, Verlag Justus Perthes, Gotha 1941
Konstantin von Jerin (Bearb.): Bischof Andreas von Jerin, Kaiser Rudolphs II. Gesandter in Polen 1589-96. Urkundlich nach Akten des K. K. Haus-Hof- u. Staats-Archivs zu Wien, Verlag F. Bär, Neisse 1900
* Karl Kastner: Breslauer Bischöfe, Breslau 1929
Weblinks
*
• Literaturliste im Online-Katalog der Bonaventura Hahn/'>AMT=1585-1596}}

