Andler-Formel
Die Andler-FormelKurt Andler: Rationalisierung der Fabrikation und optimale Losgrösse. München: R. Oldenbourg, 1929 (nach Kurt Andler 1929), auch klassische Losgrößenformel ist eine in der Betriebswirtschaftslehre verbreitete Formel zur Ermittlung der optimalen_Losgröße. Die Andler-Formel ist auch unter den Namen klassische Bestellmengenformel nach F. W. Harris (1913) How Many Parts to Make at Once Factory: The Magazine of Management 10(2): 135-136,152. Also reprinted in Operations Research 38(6): 947-950, 1990 oder kurz -Formel (nach , 1913) bekannt.Grundlegende Annahmen und Definitionen
Prämissen des klassischen Losgrößenmodells:
# endliche Produktionsgeschwindigkeit (Lagerzugangsrate)
# kontinuierlicher Zeitablauf
# konstante deterministische Nachfrage (Lagerabgangsrate)
# konstanter Lagerhaltungskostensatz
# Lager mit unbegrenzter Lagerkapazität
# genau ein Produkt in genau einem Lager
# unendliche Lagerzugangsgeschwindigkeit bei einstufiger Fertigung
# keine Fehlmengen erlaubt
# unendlicher Planungshorizont
# beliebige Teilbarkeit der LosgrößeVariable:
* - Losgröße
* - Reichweite oder das Bestellintervall
Daten:
* - Lagerabgangsrate
* - endliche Produktionsgeschwindigkeit mit
* - losfixe_Kosten (z.B. Rüstkostensatz)
* - losvariable_Kosten (z.B. Lagerhaltungskostensatz)
Die optimale Losgröße liegt nun dort vor, wo die Summe aller kontrollierbaren Kosten, also aus Beschaffungskosten und Lagerkosten, ein Minimum erreicht.
Herleitung
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit des Artikels wird im folgenden der analoge Bestellfall nicht mehr explizit genannt, sondern es wird nur noch vom Produktionsfall gesprochen.
Die Losgröße wird bestimmt durch:
Das betriebswirtschaftliche Ziel ist es bei bekannter Lagerabgangsrate , die beiden Variablen und so zu wählen, dass die Summe aus bestellfixen Kosten und den variablen Lagerhaltungskosten minimal wird.
Dazu gliedert man die Reichweite auf in:
# den Produktionszyklus Hier wird mit einer Rate produziert. Die Auffüllrate des Lagers ist
# den Lagerabgangzyklus mit der Abgangsrate . Es gilt
Die Kostenfunktion ist somit eine Summe aus den losfixen Kosten und den variablen Lagerhaltungskosten:
wobei den durchschnittlichen Lagerbestand darstellt.
Um die Kosten pro Zeit () zu erhalten, wird durch geteilt und eingesetzt.
Nun ist das Minimum dieser Funktion zu bestimmen.
Durch einfache Umformung erhält man die optimale Losgröße
Durch einsetzen von in die zweite Ableitung wird überprüft, ob ein lokaler Tiefpunkt vorliegt. Mit Hilfe von lässt sich das optimale Bestellintervall berechnen.
Formel
Die Formel zur Berechnung der optimalen Bestellmenge lautet
:: Gesamtbedarf für die Rechnungsperiode (ein Jahr)
:: fixe Bestellkosten, (Transportkosten), Kosten je Bestellung
:: Einstandspreis, Einkaufspreis, Einkaufskosten
:: Lagerkostenzinssatz
Beispiel
: = 2.400 Stück/Jahr
: = 100 ?
: = 40
: = 20 %
Die Andler-Formel für die optimale Bestellmenge ermittelt nun folgenden Wert:
: = 244,95 ? 245 Stück
Bewertung und Grenzen
Das klassische Losgrößenmodell hat eine grundlegende Prämisse (wie z.B. konstante Abgangsrate vom Lager), die in der Realität nicht oder nur sehr selten anzutreffen sind. Somit ist das Modell in seiner Anwendung durch die strengen und sehr praxisfernen Annahmen, die getroffen wurden, stark begrenzt. Die Andler-Formel hat eher Lehrbuchcharakter als einen praktischen Nutzen.
Die beschriebenen Verläufe der Kostenfunktionen haben aber zur Entwicklung von heuristischen Verfahren geführt. Von mehr als 30 heuristischen Verfahren sind besonders die zwei leistungsfähigen Varianten Silver-Meal-Heuristik und Groff-Heuristik zu nennen.Günther, Tempelmeier: Produktion und Logistik 6. Auflage. Springer-Verlag 2005; S. 203ff. ISBN 3-540-23246-X

