Andhra Pradesh
Wirtschaft
Andhra Pradesh ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2.259 Milliarden Rupien (2005/06)Government of Andhra Pradesh, Directorate of Economics and Statistics: [http://www.apdes.gov.in/gsdp.htm Gross domestic state product Andhra Pradesh at current prices] nach Maharashtra und fast gleichauf mit Uttar Pradesh und Westbengalen die viertgrößte Volkswirtschaft der 28 Bundesstaaten Indiens. Dies ist auf seine hohe Bevölkerungszahl zurückzuführen, denn in der tatsächlichen Entwicklung liegt der Staat lediglich im Mittelfeld. Noch immer ist Andhra Pradesh in hohem Maße von der Landwirtschaft abhängig, deren gesamtwirtschaftlicher Anteil jedoch stetig abnimmt. Wichtigster Wachstumsmotor ist der Dienstleistungsbereich in den großen Ballungsräumen. Die Hauptstadt Hyderabad gilt als Hochtechnologiestandort.
Landwirtschaft
Noch immer ist die wenig einträgliche Landwirtschaft, die 29 Prozent (2005/06)Government of Andhra Pradesh, Directorate of Economics and Statistics: [http://www.apdes.gov.in/gsdp.htm Gross domestic state product Andhra Pradesh at current prices] des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, die Haupteinkommensquelle von 62 Prozent der Bevölkerung. Fast die Hälfte der Fläche Andhra Pradeshs wird landwirtschaftlich genutzt. Der Anbau von Reis, der mit Abstand wichtigsten Ackerpflanze, überwiegt in den fruchtbaren Tälern von Godavari und Krishna sowie in der gesamten Küstenregion alle anderen Anbauprodukte bei Weitem, ist jedoch mit Ausnahme des trockenen Südwestens auch im restlichen Andhra Pradesh verbreitet. Unter den Hirsesorten dominiert auf dem Dekkan Sorghum (Jowar), während die niederschlagsreichen Berge des Nordostens eines der Hauptanbaugebiete der Fingerhirse (Ragi) in Indien darstellen. Weitere wichtige Nahrungsmittelpflanzen sind Hülsenfrüchte, Mais sowie Ölsaaten wie Erdnüsse im Binnenland und Kokosnüsse an der Küste. Unter den kommerziellen Anbauprodukten sind Baumwolle (in der Ebene zwischen Krishna und Penneru), Zuckerrohr und Tabak (jeweils im küstennahen Tiefland) von Bedeutung. Andhra Pradesh ist neben Gujarat der größte Tabakproduzent Indiens.
Da nur rund 40 Prozent der Nutzfläche unter Bewässerung steht, hängt die landwirtschaftliche Produktion in hohem Maße von den Witterungsbedingungen in der Monsunregenzeit ab. Andhra Pradesh ist daher anfällig für Dürren ? betroffen sind besonders die Rayalasima-Region im Südwesten und das südliche Telangana. In guten Erntejahren erzeugt der Staat große Überschüsse an Reis.
Andhra Pradesh hat als einer der ersten Bundesstaaten Indiens seine Landwirtschaft liberalisiert. Als wichtigste Maßnahmen wurden Subventionen und günstige staatliche Darlehen abgeschafft oder gekürzt, viele staatliche Hilfsorganisationen (beispielsweise zur Verteilung von Saatgut an arme Kleinbauern) privatisiert oder aufgelöst sowie Binnen- und Außenhandelsbeschränkungen für Agrarerzeugnisse aufgehoben. Ziel ist es, die landwirtschaftliche Produktion auf den Weltmarkt auszurichten. Dies erfordert hohe Investitionen in Hochertragssaatgut, Agrochemikalien und Landmaschinen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Kleinbauern, welche die überwältigende Mehrheit der Landwirte stellen, sind dazu ohne staatliche Hilfen nicht imstande und geraten dementsprechend verstärkt in die Abhängigkeit privater Kreditgeber. Jährlich sehen Hunderte kleiner Landwirte den Selbstmord als einzigen Ausweg aus der Schuldenfalle.
Bergbau und Bodenschätze
Andhra Pradesh gehört zu den rohstoffreichsten Bundesstaaten Indiens. Am unteren und mittleren Lauf des Godavari (Distrikte Khammam, Warangal, Karimnagar und Adilabad) wird Steinkohle gefördert. Im _Distrikt_Kadapa gibt es große Vorkommen an Asbest und Baryt. In den Deltas von Krishna und Godavari sowie den angrenzenden Küstengewässern lagern größere Mengen an Erdgas, in geringerem Umfang auch Erdöl. Die bisher unbedeutende Erdgasgewinnung soll weiter ausgebaut werden. Weiterhin werden Eisenerz, Mangan, Kalkstein, Granit und Glimmer, in geringem Umfang auch Quarz, Kupfer, Blei und Zink gefördert. Obwohl Andhra Pradesh über die zweitgrößten Bauxitvorkommen Indiens verfügt, sind die Lagerstätten dieses wichtigen Aluminiumerzes bisher kaum erschlossen. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Andhra Pradesh auch einer der wichtigsten Fundorte für Diamanten in Indien. Mittlerweile sind die Vorkommen jedoch weitestgehend erschöpft.
Industrie
Mit einem Anteil von 22 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (2005/06; einschließlich Bergbau)Government of Andhra Pradesh, Directorate of Economics and Statistics: [http://www.apdes.gov.in/gsdp.htm Gross domestic state product Andhra Pradesh at current prices] ist die Industrie Andhra Pradeshs etwas schwächer entwickelt als im gesamtindischen Durchschnitt. Die wichtigsten Industriezweige sind traditionell die Nahrungsmittel-, Getränke-, metallverarbeitende, Textil-, Zement-, Leder- und Maschinenindustrie. Wachstumsbereiche sind die pharmazeutische, chemische und Softwareindustrie. Letztere hat sich besonders in der Hauptstadt Hyderabad, dem wichtigsten Industriestandort Andhra Pradeshs, angesiedelt, wie auch die als Zukunftsbranche geltende Biotechnologie. Weitere wichtige Industriezentren sind Visakhapatnam (Ölraffinerie, Stahl, Metallverarbeitung, chemische Industrie, Schiffbau) an der Nordküste und die großen Städte in den Deltas von Krishna und Godavari, insbesondere Vijayawada. Dagegen sind die gesamte südliche Hälfte des Staates sowie das Telangana-Hochland mit Ausnahme des Großraums Hyderabad nur gering industrialisiert.
Infrastruktur
Die Straße ist der mit Abstand wichtigste Verkehrsweg in Andhra Pradesh. Im Jahr 2000 wurden 82 Prozent der Personen- sowie 73 Prozent der Güterbeförderung über die Straße abgewickelt. Das Straßennetz ist mit einer Gesamtlänge von etwa 195.000 Kilometern (Stand: 2001) selbst im Vergleich zu anderen indischen Bundesstaaten grobmaschig. Rund 4.100 Kilometer entfallen auf die zwölf meist zweispurigen National Highways. Lediglich der über 1.000 Kilometer lange Anteil Andhra Pradeshs am National Highway 5 zwischen Kolkata und Chennai wurde im Rahmen des großangelegten nationalen Infrastrukturprogramms ?Golden Quatrilateral? (?Goldenes Viereck?) zu einer vierspurigen Autobahn ausgebaut. Insgesamt kann der Straßenneu- und -ausbau jedoch trotz stetig steigender öffentlicher Investitionen in diesem Bereich nicht mit dem schnellen Wachstum des Verkehrsaufkommens Schritt halten. 2001 waren in Andhra Pradesh knapp 3,6 Millionen Kraftfahrzeuge registriert.Government of Andhra Pradesh: [http://unpan1.un.org/intradoc/groups/public/documents/APCITY/UNPAN015049.pdf#search=%22%22andhra%20pradesh%22%20194523%22 Strategy Paper on Infrastructure]
Das über 5.000 Kilometer lange Eisenbahnnetz verbindet alle wichtigen Städte miteinander. Es untersteht größtenteils der Regionalgesellschaft South Central Railway der indischen_Staatsbahn. Die Strecken nördlich von Visakhapatnam werden von der East Coast Railway bedient, die Linien Gudur?Chennai, Renigunta?Chennai sowie deren Nebenlinien von der Southern Railway. Elektrifiziert sind nur die Hauptstrecken. Einige Nebenstrecken verfügen noch über Meterspurweite, der weitaus größere Teil des Schienennetzes ist jedoch in Breitspur ausgelegt.
Hyderabad verfügt als einzige Stadt Andhra Pradeshs über einen internationalen Flughafen (Begumpet Airport). Ein neuer Großflughafen (Rajiv Gandhi International Airport) befindet sich im Bau. Er soll 2008 den Flugbetrieb aufnehmen und nach vollständiger Fertigstellung bis zu 50 Millionen Fluggäste im Jahr abfertigen[http://www.newhyderabadairport.com/ GMR Hyderabad International Airport Limited]. Regionalflugplätze bestehen außerdem in Donakonda (70 Kilometer nordwestlich von Ongole), Kadapa, Kakinada, Nadirgul (bei Hyderabad), Puttaparthi (60 Kilometer südlich von Anantapur), Rajamandri, Sikandarabad, Tirupati, Vijayawada, Visakhapatnam und Warangal.
Andhra Pradeshs zweitgrößte Stadt Visakhapatnam verfügt über den bedeutendsten Überseehafen Indiens. Im Geschäftsjahr 2004/05 wurden hier über 50 Millionen Tonnen umgeschlagen, vor allem Massengüter wie Eisenerz, Mineralöle, Kohle und Düngemittel. In Kakinada und Machilipatnam befinden sich mittlere Häfen, die für den Außenhandel jedoch von untergeordneter Bedeutung sind.
Andhra Pradesh ist der drittgrößte Stromerzeuger Indiens. Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs wird durch fossile Brennstoffe gedeckt, etwa 40 Prozent durch Wasserkraft.
Quellen
Literatur
* Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Verlag C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-43338-3 (besonders die Kapitel Der Aufstieg Südindiens, Entstehung und Konflikte der Regionalreiche und Die Staaten Süd- und Zentralindiens im Zeitalter des Delhi-Sultanats)
* P. Raghunadha Rao: Ancient and Medieval History of Andhra Pradesh.'' Sterling Publishers Private Ltd., Neu-Delhi 1994, ISBN 8-120-71709-0
Weblinks
• Webpräsenz der Regierung von Andhra Pradeshs (englisch)
• Geschichte Andhra Pradeshs (englisch)
• Sprachen (insbes. Urdu) in Andhra Pradesh (englisch)
• Offizielle Webseite der indischen Volkszählung 2001 (englisch)
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