Anbindestall
Der Anbindestall ist ein Stall für Rinder oder Pferde, wo die Tiere an einem Platz fixiert sind. Früher wurden auch Sauen angebunden gehalten.Jedoch ist die Haltung von Pferden in Anbindestallungen in vielen Bundesländern verboten, und die Anbindehaltung von Schweinen seit 2006 nur noch durch Ausnahmeregelungen zulässig.Bei Rindern ist die Anbindehaltung derzeit in einer Umstellungsphase mit einigen Ausnahmeregelungen, so dass diese Haltungsform bis 2012 bzw. unter bestimmten Umständen bis 2020 erlaubt ist.
Fixierung
Kühe sind in der Anbindehaltung zumindest während der Stallhaltungsperiode, d.h. im Winter fixiert (z.B. Grabnerkette, Zentralgelenkhalsrahmen). Jedes Tier steht auf einem eigenen Platz/Stand längsseitig parallel zueinander und kann nicht durch den Stall laufen. An diesem Stand stehen bzw. liegen die Kühe also den ganzen Tag, werden hier gefüttert und gemolken (dazu notwendig: Rohrmelkanlage). Bei geeigneter Vorrichtung können die Tiere freigelassen werden und einen Auslauf oder die Weide benutzen.
Erfolgt die Fixierung unmittelbar am Hals kann dort das Fell abgescheuert werden. Bei Verwendung von Metallketten wirkt sich zudem das lautere Geräusch bei einer Bewegung störend aus. Die Tiere reagieren nervös auf den Lärm, den die Ketten verursachen. Es kann zu Verhaltensstörungen kommen. Ein Problem der mangelnden Bewegung sind auch Haltungsschäden und Gelenkprobleme. Auch die Klauen der Kühe leiden unter dieser Art der Haltung.
Entmistung
Die Entmistung erfolgt durch eine Entmistungsanlage oder mit Hilfe von Mistgabeln oder speziellen, kleinen und wendigen Traktoren (Hoftrac). Mist und Jauche werden dabei getrennt gelagert. Der Harn fließt durch Schlitze oder Löcher im Boden in einen kleinen Kanal und gelangt in die Jauchegrube. Der Mist wird auf der Mistplatte gelagert. Häufiger tritt beim Anbindestall die Sammlung der Fäkalien als Gülle auf. Dazu werden im hinteren Bereich des Standes ein Güllekanal mit Gitterrosten aus ovalem Flachstahlstäben abgedeckt, durch die der Kot und Harn fallen. Die Tiere können dabei mit den hinteren Klauen ständig auf den Stangen stehen, wenn sie für den Stand zu lang sind. Hierbei ist aber zwischen Kurz-, Mittel- und Langstand zu unterscheiden. Bei einem Langstand kann das Urinieren und Abkoten auf die Liegefläche durch sogenannte Kuhtrainer, die über den Tieren hängen, verhindert werden. Durch das Krümmen des Rückens beim Urinieren und Koten berührt das Tier den Kuhtrainer (wenn es zu weit vorne steht) und erhält einen leichten Stromschlag. Das Tier geht automatisch einen Schritt zurück und uriniert oder kotet dann auf die Stallgasse. Das hat einen Lerneffekt für das Tier.
Standfläche
Die Fläche, auf der das Rind steht, kann gegenüber dem hinteren Bereich, wo Kot und Harn anfallen, um etwa 10 - 15 cm erhöht sein. Je nachdem, wie lang die Standfläche ist, spricht man von einem Kurz-, Mittellang- oder Langstand.
Beim Kurzstand kommt das Tier oft mit dem Sprunggelenk auf der Kante zu liegen, wodurch Druckstellen und Hautabschürfungen entstehen. Um das zu verhindern kann ein Kuhtrainer installiert sein. Eine weitere Möglichkeit, Schäden am Sprunggelenk zu reduzieren, ist eine Auslaufmöglichkeit.
Aufgrund einer Modellschätzung Keil, N.M., Wiederkehr, T.U., Friedli, K. & Wechsler, B.: Preventive Veterinary Medicine 74, 142-153 (2006) brauchen Milchkühe im Minimum 50 Stunden Auslauf pro Monat, um
eine Reduktion von Sprunggelenksschäden zu bewirken. Hierbei ist es wichtig, den Auslauf so zu
organisieren, dass die Dauer des einzelnen Auslassens möglichst lang gewählt wird, anstatt häufig ?
aber nur für eine kurze Dauer ? Auslauf zu gewähren.
Bei einem Langstand fallen Kot und Harn oft auf den Stand und beim Hinlegen verschmutzt das Tier, wird feucht und Krankheitserreger können leichter in das Euter eindringen.
Die Standfläche kann aus Holz oder Beton sein. Eine Auflage aus Stroh oder eine Gummimatte (auch Kuhmatratze) ist für die Tiere besser, bei Einstreu muss allerdings am Ende des Standes eine Schwelle sein, damit nicht zu viel Einstreu in den Mist oder die Jauche gelangt. Die Schwelle allerdings erhöht wiederum die beim Kurzstand erwähnten Nachteile.
Zwischen jedem zweiten Standplatz kann eine Abtrennung aus Metallbügeln stehen, die verhindert, dass die Tiere sehr schräg oder quer liegen und dem Nachbartier Platz wegnehmen oder es durch Tritte verletzen.
Futter- und Wasserversorgung
Die Versorgung mit Wasser erfolgt über ein- oder doppelseitige Tränkebecken, seltener Zapfentränken (siehe auch:'' Tränke). Die Futterversorgung über Tröge und/oder Futtertische.
Der Trog oder der Futtertisch sollten etwa 15 cm höher als die Standfläche der Tiere sein, damit diese in der natürlichen Haltung fressen können. Die Abtrennung zwischen Standfläche und Freßbereich sollte idealerweise aus stabilem, aber flexiblem Gummi sein, damit die Tiere beim Ausstehen genügend Platz für den Kopfschwung haben.
Nachteile und Verbreitung
Die Kühe können nicht frei laufen und der Landwirt kann dadurch das typische Verhalten bei der Brunst schwerer erkennen. Dazu gehören das Bespringen der Artgenossen und der Duldungsreflex, wenn ein andere Kuh auf sie springt.
Die Anbindehaltung ist die herkömmliche Haltungsform, allerdings ist sie aus Sicht des Tierschutzes bedenklich und wird bei Neubauten nicht mehr benutzt. In der Ökologischen_Landwirtschaft ist sie sogar (mit bis 2010 befristeten Ausnahmen) verboten.
Verbreitet sind diese Ställe noch in Betrieben mit kleineren Herden (bis ca. 35 Tiere), in Deutschland oft im süddeutschen Raum und in Gebirgslagen.
Siehe auch
Laufstall (Viehwirtschaft)

