Anaphylaktischer Schock
Ein anaphylaktischer Schock ist eine lebensbedrohliche allergische_Reaktion (Anaphylaxie). Er wird durch Allergene ausgelöst und führt zu einem Versagen des Herz-Kreislauf-Systems mit oft tödlichem Ausgang (Schock).Der anaphylaktische Schock ist die stärkste Form der Allergie vom Soforttyp_(Typ-I-Allergie) und kann z. B. durch Insektengifte, Nahrungsmittel, Infusionen oder Medikamente ausgelöst werden. Dabei sind mehrere Organe oder der gesamte Körper betroffen.
Durch die Weitstellung der Blutgefäße kommt es zu einem starken Blutdruckabfall, außerdem tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe aus. Aufgrund des Blutdruckabfalls kommt es zu einer verminderten Durchblutung lebenswichtiger Organe.
Ursachen
Meist tritt der anaphylaktische Schock während oder kurz nach der intravenösen Gabe (in die Vene) eines Medikamentes auf. Auch nach anderen parenteralen Medikamentengaben (intramuskulär (in den Muskel), subkutan (ins Fettgewebe der Haut); Lokalanästhesie beim Zahnarzt; Kontrastmittelinjektionen während Röntgenuntersuchungen) kann diese schwere allergische Sofortreaktion auftreten. Sehr häufig tritt der anaphylaktische Schock auch nach Insektenstichen (Wespen, Bienen...) oder nach Verzehr von Lebensmitteln (Sesam, Nüsse,..) auf. In den meisten Fällen ist eine Allergie aufgrund früherer Ereignisse vorbekannt.
Erst mit der Entwicklung des Penizillins und den vermehrten parenteralen Penizillin-Gaben traten vermehrt anaphylaktische Schockreaktionen auf, die bis dahin in dieser Form gar nicht beobachtet wurden und vorher (ca. 1950) eigentlich unbekannt waren.
Symptome
Je schneller die Symptome während der Injektion eines Medikamentes auftreten, desto lebensgefährlicher ist der Zustand. Im schlimmsten Fall treten schon 10 Sekunden nach Beginn der Injektion die ersten Symptome auf. Diese sind sehr unspezifisch - z. B Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Brechreiz oder Erbrechen, trockener Mund, Zungenbrennen, Sehstörungen, akute Atemnot, Konzentrationsstörungen.
Auch Hautreaktionen, Juckreiz, Quaddelbildung oder die Ausbildung eines Lidödems sind möglich, fehlen wegen der schnellen Entwicklung aber oft auch ganz.
Im weiteren Verlauf treten die typischen Symptome eines Schocks auf, d. h. der Puls wird flach und schnell und die Bewusstlosigkeit kann eintreten.
Nicht einmal jeder 10. Zahnarzt erlebt in seinem Berufsleben einen anaphylaktischen Schock bei seinem Patienten. Dagegen erlebt er regelmäßig einen Teil der oben beschriebenen unspezifischen Reaktionen während der Lokalanästhesie. Deshalb ist es im ärztlichen Alltag sehr schwierig, das Auftreten eines anaphylaktischen Schocks rechtzeitig zu erkennen, da es sich meist nur um Synkope (kurze Bewusstlosigkeit) oder psychische Erregung des Patienten handelt. Prinzipiell muss der Arzt aber bei jeder Injektion mit einem anaphylaktischen Schock rechnen, deshalb muss immer eine Allergie-Anamnese erhoben werden. Allerdings gibt diese keine absolute Sicherheit, da es sich auch um ein Erstauftreten handeln kann. Deshalb sollten schon die kleinste Hinweiszeichen ernst genommen werden, und im Zweifelsfall die Injektion abgebrochen werden.
Ein besonders hohes Risiko für einen anaphylaktischen Schock besteht bei Kontrastmittel-Injektionen für Röntgenuntersuchungen. Deshalb wird dort auch eine größere Anforderung an die Patientenaufklärung gestellt.
Therapie
Ohne ärztliche Hilfe kann ein anaphylaktischer Schock tödlich enden. Ein Krankenhausaufenthalt zur Beobachtung ist zwingend nötig, da die Symptome ggf. nach dem Abklingen der Medikamente wieder auftreten können.
Basismaßnahmen
Bei den ersten Anzeichen (Schweißausbruch, Übelkeit, Zyanose) wird die Injektion unterbrochen, bzw. die Allergenexposition beendet, falls möglich. Der Patient wird durch Anheben der Beine in Schocklage gebracht, falls verfügbar, wird Sauerstoff über eine Maske gegeben. Bewusstlose werden in die stabile Seitenlage gebracht, bei einem Kreislaufstillstand wird mit der Reanimation begonnen.
Wird der anaphylaktische Schock außerhalb einer medizinischen Überwachung (z.B. durch einen Wespenstich oder Lebensmittel-Allergie) ausgelöst, so können Adrenalin enthaltende Autoinjektoren genutzt werden, um die akuten Symptome zu mindern.
Erweiterte Therapie
Schnellstmöglich wird vom Notarzt ein venöser_Zugang geschaffen und mit der Volumentherapie mit Plasmaexpandern (HAES) und kristallinen Vollelektrolytlösungen (Ringer-Lösung, Kochsalzlösung) begonnen. Im Falle von Bewusstlosigkeit und/oder Atemstörungen muss die Intubation und künstliche Beatmung in Betracht gezogen werden. Die medikamentöse Therapie der Wahl besteht aus:
• i.m.: Autoadrenalininjektor z.B. FASTJEKT oder ANAPEN, bzw. ANAPEN junior oder i.v.: verdünntes Adrenalin (1 : 10.000) verengt die Gefäße und erleichtert die Atmung. Die Gabe erfolgt unter Puls- und Blutdruckkontrolle und kann wiederholt werden.
*Glucocorticoid]e i.v.: z. B. 250-1000 mg [[Prednisolon (oder äquivalente Menge eines Derivats).
• i.v.: kombinierte Gabe von H1- (z.B. Clemastin] oder [[Dimentiden) und H2-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Cimetidin oder Ranitidin)

