Analytische Fortsetzung
In der Funktionentheorie bedeutet die analytische Fortsetzung das Fortsetzen einer holomorphen Funktion bzw. eines holomorphen Funktionskeims. Dabei wird unterschieden zwischen der Fortsetzung des Keimes entlang eines Weges und der Fortsetzung zu einer Funktion auf einem Gebiet.Keim
Um eine präzise Definition einer analytischen Fortsetzung zu geben, müssen zuerst die Begriffe Halm und Funktionskeim erläutert werden: Sei eine komplexe Mannigfaltigkeit und ein Punkt. Zudem seien zwei Umgebungen von und zwei holomorphe Funktionen. Die beiden Funktionen heißen äquivalent im Punkt , falls eine Umgebung von existiert mit . Die Menge all dieser Äquivalenzklassen wird als Halm bezeichnet, die Äquivalenzklassen als (Funktions-)Keime. Die Projektion einer Funktion auf ihren Keim im Punkt wird mit notiert.
Der Halm trägt auf natürliche Weise die Struktur einer -Algebra. Er ist isomorph zur -Algebra der in konvergenten zusammenhängende komplexe Mannigfaltigkeit, ein Punkt und ein Funktionskeim. Das Quadrupel heißt eine analytische Fortsetzung von , falls gilt:
* ist eine zusammenhängende komplexe Mannigfaltigkeit.
* ist eine holomorphe Abbildung und ein lokaler Homöomorphismus.
* ist eine holomorphe Funktion.
* so, dass und , wobei die Projektion von auf die Äquivalenzklasse ihres Keims in bezeichnet.
Die auf diese Weise definierte analytische Fortsetzung hängt mit der Fortsetzung entlang eines Weges zusammen:
Wenn ein Weg mit Anfangspunkt und Endpunkt ist, dann
ist ein Weg mit Anfangspunkt und Endpunkt . Die Funktion definiert in einer Umgebung von durch einen Funktionskeim in .
Beispiel
und sei der Keim in desjenigen Zweiges der holomorphen Quadratwurzel mit . Analytische Fortsetzungen davon beispielsweise sind:
* Die durch die Taylorreihe um in der offenen Kreisscheibe definierte Funktion . Die Projektion ist die natürliche Inklusionsabbildung.
* Der Hauptzweig der Quadratwurzel, definiert auf der geschlitzten komplexen Ebene , wobei wieder die natürliche Inklusionsabbildung ist.
* Der Hauptzweig der Quadratwurzel, definiert auf der geschlitzten komplexen Ebene , wobei wieder die natürliche Inklusionsabbildung ist.
Alle Beispiele haben gemeinsam, dass als Teilmenge von aufgefasst werden kann. Die beiden letzten Beispiele zeigen zudem, dass es innerhalb von kein größtes Gebiet gibt, auf dem die Funktion holomorph fortgesetzt werden kann. Die Frage nach der größtmöglichen Fortsetzung führt zur Definition der maximalen analytischen Fortsetzung:
Maximale Analytische Fortsetzung
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Sei eine zusammenhängende komplexe Mannigfaltigkeit, ein Punkt und ein Funktionskeim. Eine analytische Fortsetzung von heißt maximale analytische Fortsetzung, falls für jede andere analytische Fortsetzung von gilt: Es existiert eine holomorphe Abbildung mit , und .
Existenz und Eindeutigkeit
Direkt aus der Definition folgt die Eindeutigkeit der maximalen analytischen Fortsetzung bis auf holomorphe Isomorphie. Die Existenz kann mit Hilfe der Garbentheorie gezeigt werden: ist die Zusammenhangskomponente des Überlagerungsraumes der Garbe der holomorphen Funktionen , welche ein fest gewähltes Urbild des Keimes enthält.
Beispiel
und sei der Keim desjenigen Zweiges der holomorphen Quadratwurzel mit . Die maximale analytische Fortsetzung ist gegeben durch:
:
:
:
:
Zu einer anderen analytischen Fortsetzung wird die Abbildung definiert durch .
Literatur
* Hans Grauert, Klaus Fritzsche: Einführung in die Funktionentheorie mehrerer Veränderlicher. Springer-Verlag, Berlin 1974, ISBN 3-540-06672-1 u. ISBN 0-387-06672-1
* Otto Forster: Riemannsche Flächen''. Springer-Verlag 1977. (vergriffen; engl. Übersetzung lieferbar, ISBN 0-387-90617-7 )
lmo:Cuntinuazziun analítica

