An der Rechtschule
Die kleine Straße An der Rechtschule liegt zwischen dem Wallrafplatz und der Röhrer- Mariengartengasse in der Innenstadt von Köln. Flankiert ist sie einerseits durch das Gebäude des heutigen Museum_für_Angewandte_Kunst, andererseits durch den langgestreckten Gebäudetrakt des _Westdeutschen_Rundfunks.
Geschichte der Straße im Mittelalter
Soweit bekannt hieß die Straße im 13. Jahrhundert nach einem dort ansässigen Grundbesitzer Vogel ?platea Vogelonis?. Eine Änderung des Namens drängte sich auf, als in den Jahren 1433 bis 1437 durch die frühe Universität zu Köln hier die ?Aula juridica? an der Kronenburse, ein besonderes Gebäude der
juristischen Fakultät, errichtet wurde. Zwischen 1436 und 38 kommen die Minderbrüder?, ein erstmals von Franziskus gegründeter Minderbrüder-Orden ins Spiel, man schreibt jetzt mit erklärendem Anhängsel ?hynder den Mynrebroederen dat nu der Juristenschoile is?.
Die Kronenburse
Im 16. Jahrhundert hieß die Straße deshalb ?An der Kronenburse?. Auch als die Burse selbst nicht mehr bestand, blieb der Name für das Gebäude der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bestehen.
= Bursen
=In Folge der Gründung von Universitäten in den mittelalterlichen ?Großstädten?, in Köln im Jahre 1388, entstanden als private Stiftungen von Professoren die sogenannten Bursen. Diese boten den Schülern und Studenten sowohl Kost und Logis als auch Unterricht neben den öffentlichen Vorlesungen. Hier wurde zudem die Basis für das Studium an der Universität geschaffen. Die Leitung der Bursen oblag so genannten Rektoren oder Regenten, welche meist gleichzeitig auch Professoren an der jeweiligen Universität waren.
= Kölner Bursen
=Aus den drei größten Kölner Bursen, Tricoronatum (dem heutigen Dreikönigsgymnasium),
Laurentianum und Montanum, entstanden unter dem Einfluss des Humanismus, die Gymnasien, die den vorbereitenden Unterricht in Klassenverbänden durchführten. Da die oberen Klassen (Secunda und Prima) am Unterricht der Eingangsfakultät, genannt "Artistenfakultät", teilnehmen durften, bildeten diese später gleichzeitig auch die Artistenfakultät.
Nach deren Abschluss konnte man die höheren Fakultäten, Medizin, Jura und die der sehr angesehenen Theologie besuchen. Die kleinere Kronenburse war offensichtlich mit der Juristischen Fakultät verbunden
Neuzeit
Nachdem im Jahr 1569 aus der benachbarten ?Schmierstraße?, ursprünglich so benannt nach den dort ansässigen ?smermergere? (Fetthändler) der heutigen Komödienstraße, das dort 1440 erbaute Laurentianer Gymnasium in die Nähe des Minoritenklosters, also in die Nähe ?der Schule des Rechts?, verlegt wurde, bildete sich die Bezeichnung ?Vor dem Laurentinum? heraus, 1614 ?An dem Laurentinum? und 1797 ?Gegen dem Laurentianer Gymnasium.
Rue de L? Ecole de Droit
Gymnasien wie auch die alte Kölner Universität wurden 1798 durch die neuen französischen Herren geschlossen und in eine Zentralschule (ebenfalls in den Gebäuden des Laurentiums und des Tricoronatum) umgewandelt.
Die heutige Bezeichnung der Straße ?An der Rechtschule?, hergeleitet aus den historischen Abläufen und der letzten Benennung ?Rue de L? Ecole de Droit?, wurde Ende 1812 mit Wirkung zum 1. Januar 1813 auf Betreiben von Professor Ferdinand Franz Wallraf, dem letzten Rektor der Universität, der nun an der Zentralschule unterrichtete, durch die französische Verwaltung eingeführt.
Der Name ?An der Rechtschule? ist bis heute eine Erinnerung an eine historische Einrichtung der reichsstädtischen Kölner Universität. .
Bedeutende Anlieger
* WDR Köln
1945 war nach Kriegsende in Köln das Funkhaus in der Dagobertstraße stark beschädigt, ebenso die Sendeanlage in Langenberg. Im April 1948 wurde das Hotel Monopol am Wallrafplatz durch umfangreiche Um- bzw. Erweiterungsbauten zum neuen provisorischen Funkhaus.
Auf dem Gelände der sich anschließenden Straße ?An der Rechtschule?
übernahm, restaurierte und betrieb seit dem Jahr 1898 der Braubetrieb ?Hirsch-Brauerei Cöln? aus Köln-Bayenthal, das aus mittelalterlicher Zeit stammende Brauhaus ?Salzrümpchen?. Dies war eine in den 20er Jahren vor allem bei Geschäftsleuten beliebte Brauereigaststätte, die sowohl einen Spezialbier-Ausschank als auch ein Restaurant beherbergte.
Auf diesem, durch die Zerstörungen des letzten Weltkrieges brachliegenden Flächen, entstanden beginnend am Anfang der 1950er Jahre die komplexen Neubauten des WDR Köln. Diese sich noch weit über die Länge der Straße An der Rechtschule hinaus erstreckenden Gebäude des WDR und das Museum für Angewandte Kunst, prägen das Bild der heutigen Straße.
Bild:Köln-An-der-Rechtsschule.jpg| An der Rechtschule, links Funkhaus Wallrafplatz
Bild:Museum angewandte kunst koeln 20050408.jpg| Museum für Angewandte Kunst
Bild:Köln-Wallraf-Denkmal.jpg| Wallraf Denkmal, Museum für Angewandte Kunst
Bild:Köln-Richartz-Denkmal.jpg| Richartz Denkmal, Museum für Angewandte Kunst
* Hotel Königshof
Auf dem Grundstück des heutigen Hotels Königshof, es befindet sich an der Ecke der in die Straße "An der Rechtschule? einmündenden Richartzstraße. stand ehemals das Gebäude des Minoritenklosters. .
* Museum für Angewandte Kunst
Auch das alte, auf dem Gelände des ehemaligen Minoritenklosters errichtete und am 1. Juli 1861 eröffnete, ebenfalls im Krieg zerstörte Museum, wurde neu aufgebaut.
Im heutigen Museum für Angewandte Kunst, einem durch den Kölner Baumeister Rudolf Schwarz 1953/57 errichteten Gebäude, war ursprünglich das Wallraf-Richartz-Museum und das Museum Ludwig untergebracht. Teile der Sammlung
des großen Kölner Ehrenbürgers Wallraf sind auch in diesem Museum zu sehen.
Das vor dem Museum aufgestellte Denkmal Wallrafs verweist auf die historischen Zusammenhänge der Museumsgeschichte aber indirekt auch auf die Erhaltung der Straßenbenennung ?An der Rechtschule?.
Literatur/Quellen
Adam Wrede: Neuer kölnischer Sprachschatz, Zweiter Band K ? R S. 336-7 , Greven Verlag, Köln, 9. Auflage 1984, ISBN 3-7743-0156-5
* Jürgen Rösch - Junker: 50 Jahre WDR . Am Puls der Zeit, 1. Die Vorläufer - von 1924-1955, Kiepenheuer & Witsch GmbH, 11/2005, ISBN 3-462-03580-0

