Amygdalin
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Amygdalin ist ein cyanogenes_Glykosid, das in Gegenwart von Wasser Blausäure (HCN) abspaltet.
Vorkommen
Bittere Aprikosenkerne, Bittere_Mandeln und Samen von anderen Steinfrüchten enthalten Amygdalin in hohen Konzentrationen. Dieses kann bei der Verarbeitung der Ölsamen, beispielsweise zu Persipan, in Blausäure, Benzaldehyd und Glukose aufgespalten werden. Die freigesetzte Blausäure muss entfernt werden, die Kerne werden ?entbittert?.
Verwendung als Arzneistoff
Bekannt ist Amygdalin auch unter Amigdalina, Laetrile (Lätril), Mandelonitril oder Vitamin B17 als alternatives Mittel zur Prophylaxe und Behandlung von Tumorerkrankungen (Krebs) oder deren Symptomen.
Pharmakologen halten das Pseudovitamin B17 für ein "unseriöses Wundermittel". Die Befürworter der Therapie verweisen hingegen auf angebliche Erfolge bei der Krebsbekämpfung. Die Abgabe von Amygdalin für den Gebrauch beim Menschen durch Apotheker ist strafbar im Sinne des §5 AMG (Verbot bedenklicher Arzneimittel) und kann auch ohne konkreten Schadensfall strafrechtlich verfolgt werden.
Der vermutete Wirkmechanismus ist die Aufspaltung des Amgydalins durch das Enzym Glucuronidase in Benzaldehyd, Zyanid und Glucose. Es gibt Hinweise darauf, dass die Beta-Glucuronidase im menschlichen Körper in Tumorzellen in sehr geringen Mengen vorkommt. Das auf diese Weise freigesetzte Zyanid ist sehr toxisch. Die Entgiftung des Zyanids findet normalerweise durch Rhodanase statt, bei der das Zyanid in Thiocyanat umgewandelt wird. Rhodanase befindet sich gleichermaßen in gesunden Zellen des Körpers, aber auch in Tumorzellen.Unproven Methods of Cancer Management - Laetrile. CA Cancer J Clin (1991) 41:187, [http://caonline.amcancersoc.org/cgi/reprint/41/3/187 online (PDF)], abgerufen am 30. August 2006.
Drei Möglichkeiten der Amygdalin-Zufuhr werden in dieser Therapie angewendet:
* gründliches Zerkauen von (bitteren) Aprikosenkernen,
* Einnahme von B17-Tabletten (Amygdalin wird in Deutschland als ein bedenklicher Arzneistoff angesehen. Herstellung, Einfuhr und Handel sind nicht erlaubt!),
* als (i.v.) Injektion.
Eine klinische Studie aus dem Jahre 1982Moertel, C.G., A clinical trial of amygdalin (Laetrile) in the treatment of human cancer. N. Engl. J. Med. 306 (1982) 201-206 zeigte bei an Krebs erkrankten Menschen keinen Vorteil durch die Einnahme von Amygdalin, es zeigten sich stattdessen bei einigen Patienten Symptome einer Cyanidvergiftung. Ein review aus dem Jahre 2006 Milazzo S, Laetrile for cancer: a systematic review of the clinical evidence, in Support Care Cancer. 2006 Nov 15 kam nach der Untersuchung von 36 Studien zum Ergebnis dass in keiner einzigen der 2006 zur Verfügung stehenden Arbeiten ein Hinweis für eine mögliche Wirkung gegen Krebs beim Menschen nachweisbar war.
Nebenwirkungen
Es besteht die Gefahr der tödlichen Vergiftung durch Blausäure. Tödliche Vergiftungsfälle durch Aprikosenkerne sind in der toxikologischen Literatur gut belegt. Laetrile: the cult of cyanide Promoting poison for profit, Am J Clin Nutr Herbert 32 (5): 1121.(1979)[http://www.ajcn.org/cgi/reprint/32/5/1121 (PDF)]In Regionen, wo Aprikosenkernzubereitungen regulär gegessen werden, wird durch die Zubereitungstechnik der Amygdalingehalt gesenkt. Werden diese Zubereitungstechniken nicht genau eingehalten, kann es zu tödlichen Vergiftungsfällen kommen.
In der toxikologischen Literatur sind Vergiftungsfälle auch konkret für die Therapie mit Amygdalin beschrieben. Besonders tückisch dabei ist, dass bei der Rückfrage des Arztes oder der Giftzentrale oft angegeben wird, man habe nur Vitaminpillen geschluckt.
"Die niedrigste tödliche Dosis einer erwachsenen Person mit 60 kg liegt bei 0,57 mg/kg Körpergewicht, das sind etwa 40 Aprikosenkerne."
E. Lindner (1990), Toxikologie der Nahrungsmittel
"Betrachtet man den Blausäuregehalt vor dem Hintergrund des niedrigsten Wertes der Metabolisierungsrate (Entgiftungsrate) für Blausäure von 0,1 mg/(kg*h) resultieren folgende Zahlen: Ein Erwachsener kann damit pro Stunde 6,0 mg Blausäure durch Metabolisierung entgiften, was einer Verzehrrate von rd. 7 Kernen pro Stunde entspricht."
Dr. Kaschuba WA, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Vorkommen von Amygdalin in anderen Lebensmitteln
Die oben aufgeführten Punkte werden von Kritikern in Frage gestellt, da Amygdalin unter anderem in vielen weiteren Lebensmitteln vorhanden ist. Beispielhaft die folgenden Lebensmittel:
• Tapioka
*Luzernesprößlinge
*Gerste
*Brombeeren
*brauner' target='blank'>Reis
*Gabanzobohnen
*Macadamianüsse]
*[[Linsen
*Limabohnen
*Hirse
*Walnüsse
*Yamswurzeln
*Erdbeeren
Referenzen
Weblinks
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/pza/2003-24/pharm4.htm

