Amon Göth
Amon Leopold Göth (12. November 1908 in Wien; ? 13. September 1946 in Krakau, hingerichtet) war Kommandant des Konzentrationslagers_P?aszow bei Krakau.
Werdegang
Amon Göth trat 1932 in die NSDAP ein (Mitglieds-Nr. 510764). Als wegen Sprengstoffanschlägen nach ihm gefahndet wurde, floh er aus Österreich nach Deutschland. Innerhalb kürzester Zeit erwarb er sich durch seine Rücksichtslosigkeit und seinen Fanatismus den Ruf eines Vorzeigeoffiziers der SS.
Göth sammelte Erfahrungen in den Vernichtungslagern KZ_Belzec, KZ_Sobibor und KZ_Treblinka, bevor er Ende 1942 die Liquidierung des Krakauer_Ghettos durchführte und im Februar 1943 die Kommandantur über das KZ_P?aszów übernahm.
Seinen Spitznamen Schlächter von P?aszow bekam Göth, der ca. 1,92 Meter groß und 120 kg schwer war, für seine Vorliebe, morgens mit einem Präzisionsgewehr auf KZ-Häftlinge zu schießen und sie von
seinen beiden Doggen Rolf und Ralf zerfleischen zu lassen.
Mindestens 500 Menschen brachte er eigenhändig um. Nachdem er einen Menschen exekutiert hatte, forderte er die Karteikarte des Ermordeten an, um dessen Verwandte schließlich auch zu ermorden, da er keine ?unzufriedenen Leute? im Lager haben wollte.
Göth behandelte auch seine SS-Untergebenen sehr hart und brachte diese wegen kleinster Vergehen vor ein SS- und Polizeigericht. Zudem betrieb er offen Schwarzmarktgeschäfte. Dies führte dazu, dass er durch SS-Untergebene wegen Unterschlagung von ?Reichseigentum? (nach NS-Rechtsprechung fiel das konfiszierte Eigentum der jüdischen KZ-Gefangenen dem Deutschen_Reich zu) angezeigt wurde. Mietek Pemper, der vom 18. März 1943 bis zum 13. September 1944 Göths Stenograph und damit als jüdischer KZ-Häftling eine einzigartige Ausnahme in dieser Position eines persönlichen Schreibers eines KZ-Kommandanten war, gibt den Tenor deren Anzeige wie folgt wieder: ?Göth lebt wie ein Pascha, während unsere Soldaten im Osten sterben.?
Zuständig für die Bearbeitung dieser Anzeige war der SS-Jurist Dr. Konrad Morgen, dessen Vernehmungsprotokolle nach dem Krieg unter anderem vom Nürnberger Militärtribunal ausgewertet wurden. Göth wurde daraufhin am 13. September 1944 in Wien von der SS verhaftet. Bevor der Prozess gegen Göth beginnen konnte, war der Zweite_Weltkrieg jedoch vorbei. Hermann Florstedt, Kommandant von Lublin, und Karl Otto Koch, Kommandant von Buchenwald, wurden wegen ähnlicher Delikte von der SS zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Im Sommer 1945 befand sich Göth in einem Auffanglager für deutsche Kriegsteilnehmer auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau. Den Amerikanern gegenüber gab er sich als Kriegsheimkehrer aus. Diese identifizierten ihn trotz seiner einfachen Wehrmachtsuniform als SS-Angehörigen und lieferten ihn zusammen mit Rudolf Höß, dem ehemaligen Kommandanten des KZ_Auschwitz, nach Polen aus. Am 30. Juli 1945 kamen beide auf dem Krakauer Hauptbahnhof an.
Der Prozess gegen Göth fand in Krakau vom 27. August bis zum 5. September 1945 im größten Schwurgerichtssaal des in der Senacka-Straße gelegenen polnischen Woiwodschaftgerichtes statt. Gerichtsvorsitzender war Dr. Alfred Eimer, der bereits vor dem Krieg als Richter tätig war. Angeklagt wurde Göth unter anderem wegen der Verantwortung für die Ermordung von mehr als 8.000 Menschen allein im Lager P?aszow, der Mitschuld am Tod weiterer 2.000 Menschen bei der Liquidierung des Ghettos in Krakau-Podgórze am 13. und 14. März 1943 sowie Hunderten von Morden bei der Auflösung der Ghettos in Tarnów und Szebnie. Beim Lesen der Zeugenliste in der Anklageschrift hat er nach Zitat des Chefanklägers Dr. Jan Sehn wörtlich ausgerufen: ?Was? So viele Juden? Und uns hat man immer gesagt, da wird kein Schwanz übrigbleiben?.
Göth wurde vom Gericht zum Tode verurteilt und am 13. September 1946 gehängt.
Sonstiges
In Steven Spielbergs Holocaust-Drama Schindlers Liste (1993), basierend auf einem Roman nach historischen Zeugnissen des Australiers Thomas Keneally, wurde Göth von Ralph Fiennes dargestellt.
In Februar 2002 veröffentlichte der Autor Matthias Kessler das Buch Ich muss doch meinen Vater lieben, oder? Es entstand durch ein zweitägiges Interview des Autors mit Monika Göth, der 1945 geborenen Tochter des Kriegsverbrechers. Während einige Rezensenten in dem Buch ein ?herausragendes und bewegendes Dokument? erkannten, kritisierte Iris Hanika, Rezensentin der FAZ, dass Monika Göth ihren Vater nie kennen gelernt hat, und erklärte, das Buch sei somit auch kein Dokument, sondern biete nur ?eine Art fiktionalisierter Wirklichkeit?.
Die Zeugenaussagen über die Taten ihres Vaters lagern in der Zentralen_Stelle_der_Landesjustizverwaltungen_zur_Aufklärung_nationalsozialistischer_Verbrechen. Im Jahr 2005 sagt Monika Hertwig (ehem. Göth): Ich bin von der Archivarbeit begeistert. [...] Auch wenn es nicht schön ist und viele schreckliche Dinge dabei herauskommen. Es ist gut, dass die Akten da sind.
Sie fordert, die noch lebenden Täter weiter zu verfolgen: [Sie haben sich] auch nicht gescheut, die Alten tot zu schlagen, [...] Krüppel erschlagen, blinde Menschen, nur weil sie nicht gesehen haben, wo sie hingehen. Menschen mit Rollstühlen [...] aus dem Fenster rausgeschmissen. Wenn es nur irgendeine Gerechtigkeit auf der Welt geben soll, dann sollen die, auch wenn sie alt sind, büßen.[http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/79088/index.html Reportage von 3sat]
Quellen
Literatur
* Matthias Kessler: Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?, Eichborn, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-8218-391-47.
* Mietek Pemper, Viktoria Hertling, Marie E. Müller: Der rettende Weg. Schindlers Liste - Die wahre Geschichte. Hoffmann und Campe, 2005. ISBN 3-455-09493-7
* Centr. ?ydowska Komisja Hist.: Proces ludobójcy Amonda Leopolda Goetha przed Najwy?szym Trybuna?em Narodowym. (1947, poln.)
Weblinks
• 3sat-Bericht u.a. mit Monika Hertwig(ehem. Göth), Tochter von Amon Göth

