Ammenmärchen
Als Ammenmärchen bezeichnet man in der Gegenwart ein weit verbreitetes falsches Wissen, oft in Form populärer_Irrtümer.Historisch geht der wohl im 18. Jahrhundert entstandene Begriff zurück auf die Gewohnheit der Ammen, den von ihnen betreuten Kindern unglaubliche Geschichten (Märchen) zu erzählen.
Vom Gräuseln, womit Ammenmährchen in später Abendzeit die Kinder zu Bette jagen spricht Kanthttp://www.ikp.uni-bonn.de/kant/aa07/154.html.
Die Ammenmärchen hatten ? neben den pädagogischen und kultur-erhaltenden Aspekten der mündlichen_Überlieferung (siehe auch Tradition) ? häufig die Funktion, Kinder durch Sensationen zu unterhalten und durch Verängstigung zum Gehorsam zu erziehen. Den Aufklärern waren solche Erziehungsmethoden ein Dorn im Auge und sie verbanden mit dem Begriff stets die negative Konnotation der Vermittlung einer abergläubischen Sicht auf die Welt.
Mehrfach gebraucht Christoph Martin Wieland den Ausdruck, beispielsweise Wie? doch nicht des Menippus, von dem uns der aberwitzige Damis in seine Reisen des Apollonius das abgeschmackteste aller Ammenmährchen erzählt http://gutenberg.spiegel.de/wieland/peregrin/pereg201.htm.
Noch 1840 heißt es in einem pädagogischen Lexikon: Sind die Kinder durch erdichtete Erzählungen, Ammenmährchen und Geistergeschichten abergläubisch und furchtsam gemacht, so mache sie der Lehrer vertraut mit den Gesetzen der Natur http://www.bbf.dipf.de/cgi-shl/digibert.pl?id
Heute wird der Begriff Ammenmärchen geringschätzig für jedes nicht zeitgemäße Wissen gebraucht. Kritisch betrachtet, führte die Abqualifizierung von Märchen als Ammenmärchen zum Abbruch der oralen_Tradition in Europa und zum Verlust von über Jahrtausende bewährtem Wissen. Heute wird das Bedürfnis von Kindern nach ?Ammenmärchen? praktisch ausschließlich vom Fernsehen bedient, wenn nicht mißbraucht.
Anmerkungen
Weblinks
• Seite über populäre Irrtümer

