Amme
thumb|right|150px|Mütter,_seid_selbst_die_Ammen_eurer_Kinder!_Propagandistischer_KupferstichFrankreich_1784
Im eigentlichen Sinn des Wortes wird jede Frau zur Amme, sobald sie stillt.Zitat: Auch die Mutter heißt, insofern das Kind von ihr genährt wird, Amme, in: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Mit Benutzung des Nachlasses von Georg Friedrich Benecke ausgearbeitet von Wilhelm Müller und Friedrich Zarncke. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1854-1866, 5 Bde. Stuttgart 1990 Erst im übertragenen Sinn des Wortes gilt das Wort Amme für Frauen, die ein fremdes Kind gegen Bezahlung säugen.Universallexikon der Sittengeschichte und Sexualwissenschaft. Band 3: Sexualwissenschaft. Hg.: Institut für Sexualforschung Wien 1928?1932
Im Norwegischen[http://no.wikipedia.org/wiki/Amme Amme (norw)] und im Dänischen[http://da.wikipedia.org/wiki/Amme Amme (dän)] bedeutet amme einfach stillen, im Schwedischen[http://sv.wikipedia.org/wiki/Amning Amming (sw)] heißt amma oder amning stillen. Den von der (Lohn-) Amme gestillten Säugling nannte man früher Amming. Dieses Wort ist heute außer Gebrauch gekommen. Die leiblichen Kinder der (Lohn-) Amme nannte man früher die "Milchgeschwister" des Ammings. Das Verb ammen kann mit Kind pflegen oder pflegen überhaupt übersetzt werdenMatthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1872-1878 mit einer Einleitung von Kurt Gärtner. 3 Vol., Stuttgart 1992..
Das Stillen der eigenen Kinder durch Lohnammen ist bis ins Altertum nachweisbar. Beispielsweise enthielt schon das babylonische Gesetzbuch Hammurabis (ca. 2300 v. Chr.) einen eigenen Paragraph für AmmenBilderlexikon der Erotik, Band I., Stichort "Amme". Hg. Institut für Sexualforschung in Wien 1931, das Alte Testament berichtet über den Tod Deboras, der Amme der Rebekka, als einer wichtigen Persönlichkeit.
Als Lohnammen verdingten sich sowohl ledige als auch verheiratete Frauen. Eine Anstellung als Amme war für eine alleinstehende Mutter oft der einzige Ausweg aus einer sozialen Misere, bedeutete dann aber meist auch einen großen sozialen Aufstieg, weil die Amme in der Regel in weit bessere Verhälnisse kam, als sie jemals selbst erlebt hatte. Die Amme hatte in der Regel im Hausgesinde eine hohe Stellung und wurde sehr gut ernährt. Da man glaubte, daß schlechte Stimmungen über die Milch auf das Kind übergehen würden, erfuhr die Amme in der Regel auch sonst eine bevorzugte Behandlung.Louis Pappenheim: Handbuch der Sanitätspolizei: Nach eigenen Untersuchungen. Veröffentlicht 1858. Hirschwald, Stichwort "Amme"
Das "Halten" fremder Ammen ist schon früh grundsätzlich kritisiert worden, hinzu kam aber, daß die völlige Gesundheit der zu dingenden Amme fast nie ganz sichergestellt werden konnte. Auch nahm man an, daß bestimmte Erbkrankheiten über die Milch auf das Kind übergehen könnten und anderes mehr. Deshalb wurden ab dem 19. Jh. in verschiedenen Ländern ärztliche Kontrollen vor der Ammenvermittlung nach dem damaligen Stand der Wissenschaft vorgeschrieben. Ganz ausräumen ließen sich die gesundheitlichen Bedenken trotz sorgfältiger Nachforschungen aber nie.
thumb|250px|Spreewaldammen_von_Berlins die mit ihren Pfleglingen ausgehenden Ammen aus der Niederlausitz in ihrer sorbischen Tracht auffällig (Volksmund: Wennste 'ne Spreewaldamme hast, | die Dich jenährt als Rangen, | dann kannste, wennste Zwanzig bist, | von ihr det nich valangen.) Das Stillen durch Lohnammen ging in Europa etwa ab den 20er/30er Jahren des 20. Jahrhunderts stark zurück, als brauchbare Ersatzmilch verfügbar wurde. In Berlin wurde das auch dadurch sichtbar, daß die auffällig gekleideten Spreewälderinnen und Iglauerinnen fast völlig aus dem Straßenbild verschwunden waren. Bilderlexikon der Erotik, Band I., Stichort "Amme". Hg. Institut für Sexualforschung in Wien 1931 In Bern wurden die letzten beruflichen Ammen in den 1950er Jahren in den Ruhestand geschickt.

