Amint Freising
Amint Freising (1826; ? 19. Januar 1905), war Tänzer und Tanzmeister in Berlin. Von dem Mitglied des Königlichen Ballets und Vorsitzenden der Akademie der Tanzlehrkunst in Berlin sind Aufzeichnungen von Bühnen- und Gesellschaftstänzen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überliefert.Leben
Aufgrund der nur spärlich vorhandenen Quellen ist es schwierig Amint Freisings Lebenslauf im Detail nachzuzeichnen. Einen Überblick zu seiner Biographie kann man dem ?Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat? entnehmen. Demnach war Amint Freising von 1848 bis 1864/66 als Figurant der Balletttruppe des Königlichen Schauspiels in Berlin tätig. Für den Zeitraum von 1867 bis 1872 liegen (zumindest im Berliner Landesarchiv) keine Hofschematismen vor. In den von 1873 sowie 1875 wieder vorhandenen Hofschematismen finden sich dann aber keine Angaben mehr zu den Figuranten der Balletttruppe des Königlichen Schauspiels. Im Hofschematismus von 1873 ist Armin Freising jedoch als Universitäts-Tanzlehrer genannt. Im Hofschematismus von 1875 sind weder Angaben zur Balletttruppe noch zu den Universitäts-Tanzlehrern vorhanden. Aus den Hofschematismen geht also hervor, dass Freising von 1848 bis 1864/66 Figurant des Königlichen Balletts war. Spätestens ab 1873 war er Universitäts-Tanzlehrer.
Friedrich Albert Zorn (1820-1905) widmete Freising seine Grammatik der Tanzkunst (Leipzig 1887). Laut einer darin enthaltenen Mitteilung war Freising im Jahre 1887 pensioniertes Mitglied des Königlichen Balletts, jedoch noch immer aktiv als Königlicher Universitäts-Tanzlehrer sowie Vorsitzender der Akademie der Tanzlehrkunst in Berlin. In der Grammatik der Tanzkunst (S. 152 und S. 169) erwähnt Zorn auch Freisings Tanzalbum.
Im Jahr 1904 schenkte Freising der Lipperheideschen Kostümbibliothek zahlreiche Tanzliteratur aus seinem persönlichen Bestand.
Werke
Von Freising liegen sowohl zum Bühnen- als auch zum Gesellschaftstanz einige choreographische Aufzeichnungen vor. Eine besonders interessante und umfangreiche Handschrift (173 Seiten) befindet sich in der Lipperheideschen Kostümbibliothek (Lipp OZ-97). Diese Handschrift enthält im ersten Teil zahlreiche graphische Aufzeichnungen einzelner Tanznummern des Corps de ballet aus dem Berliner Ballettrepertoire von ca. 1834 bis nach 1852. Als Choreographen sind hier Étienne Lauchery, Michael François Hoguet, Fanny Elssler (gemeinsam mit Hoguet), Paul Taglioni und dessen Vater Filippo Taglioni genannt. Unter den Choreographien befindet sich unter anderem die Beschreibung einer Redova Polka aus dem Ballett (La Vivandière) von Arthur Saint-Léon. Weiter enthält die Quelle schriftlich ausgeführte Tanzbeschreibungen von Gesellschaftstänzen. Hier ist nicht immer eindeutig zu erkennen, ob diese Tanzbeschreibungen nur für den Ballsaal oder evtl. auch für die Bühne konzipiert wurden.
In der Lipperheideschen Kostümbibliothek befindet sich weiters eine handschriftliche Aufzeichnung zu einer Deutsche[n] Quadrille.
1892 erschien in Berlin dessen Tanz Kurzschrift. Anhang zum Leitfaden. Eine Kopie dieser Tanz Kurzschrift befindet sich in den Derra de Moroda Dance Archives der Paris-Lodron-Universität Salzburg (Sig. CF 8).
Schriften
*Chorèographie verschiedener Tänze ? Quadrillen und Corps de ballets von Berliner Componisten, Berlin 1858 (Manuskript, 162 S.); Ergänzungen auf S. 163-173, (Manuskript in Berlin, Lipperheidesche Kostümbibliothek, Sig. Lipp OZ-97)
*Deutsche Quadrille,...dessin chorographique..., Berlin 1861 (Titel u. 13 Seiten) (Berlin, Lipperheidesche Kostümbibliothek, Sig. Lipp Ua 74 kl)
*Tanz-Commando-Büchlein. Enthält Contre-danse Quadrille à la Cour ? The Lancers Quadrille allemande ? Les Variétés Parisiennes. Berlin 1876.
*Der Tanz. Nach älteren Schriften des Verfassers bearbeitet. Berlin 1882, 56 S.
*Neuestes Saison-Tanz-Album. Anleitung zum besseren Verständnis der Ball-Ordnung nebst einer Sammlung der neuesten und beliebtesten Tänze. 12. Auflage, Berlin 1885, 112 S.
*Rundgang, Berlin 1890, 3 S. mit Abb.
*Leitfaden für den Tanzunterricht verbunden mit einer Anleitung zur Ausbildung des Körpers, Berlin 1892, 210 S.
*Tanz Kurzschrift. Anhang zum Leitfaden, Berlin 1892 (Lipperheide Ua 93)
*Leitfaden für den Tanzunterricht verbunden mit einer Anleitung zur Ausbildung des Körpers auf Grundlage der französischen Tanzschule?sowie einer Tanz-Kurzschrift (Stenochoreographie), 2. Auflage, , Berlin 1894, 210, 46 S.
*Tanz Kurzschrift. Anhang zum Leitfaden, Berlin 1892.
Literatur
*Petermann, Kurt: Tanzbibliographie, Leipzig 1966.
*Derra de Moroda, Friderica: The dance library: a catalogue, hg. von Sibylle Dahms und Lotte Roth-Wölfle, München: Wölfle, 1982.

