Kartoffelkäfer
Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata - etwa: "Zehnstreifen-Leichtfuß") ist eine Art aus der Familie der Blattkäfer.Aussehen
Der Kartoffelkäfer ist gelb, wobei sein Halsschild schwarze Flecken aufweist und sich auf den Flügeldecken zehn dunkle Längsstreifen befinden. Die Größe beträgt zwischen 7 und 15 mm.
Verbreitung und Ausbreitung
Der Käfer ist weltweit verbreitet. Ursprünglich kam er, wie auch die Kartoffelpflanze, aus Amerika. Seine ursprüngliche amerikanische Heimat lag im Bundesstaat Colorado. Im Amerikanischen wird der Kartoffelkäfer auch "Colorado beetle" genannt. Seine ursprüngliche Nahrungspflanze war die Büffelklette, die auch zur Familie der Nachtschattengewächse gehört. Der Übergang auf die Kartoffel vollzog sich im Grunde zufällig. Durch das Vordringen weißer Siedler (und mit ihnen ihrer Kartoffelpflanzen) wurde dem Käfer seine neue Nahrungspflanze praktisch entgegengebracht.
In Europa wird der Kartoffelkäfer erstmals 1877 in den Hafenanlagen von Liverpool und Rotterdam gesichtet. In Deutschland sind die ersten Funde für Mülheim_am_Rhein und Torgau (Sachsen) ebenfalls für 1877 belegt. Bereits zu dieser Zeit wird von erheblichen Anstrengungen berichtet, die Plage einzudämmen.
1887 und 1914 traten neue größere Befallsherde in Europa auf. 1922 dringt der Kartoffelkäfer auf großer Breite schließlich vom Westen her ins Landesinnere vor und vernichtet 250 km² Kartoffelbestände um Bordeaux. 1936 gelangt er über den Rhein und breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 20-30 km pro Jahr nach Osten aus. 1945 gelangt er an die Elbe, 1950 an die Oder. 1960 hat er schließlich Polen durchquert und die damalige UdSSR erreicht.
In Europa hatte der Kartoffelkäfer keine natürlichen Fressfeinde, seine Warnfarben haben ihn optimal geschützt. Erst in den letzten Jahrzehnten begannen einheimische Vogelarten, wie Fasane, den Kartoffelkäfer als Beute anzunehmen.
Außerdem versucht man, der Käferplage durch Chemikalien und eine gezielte Infizierung der Käfer mit bestimmten Bakterienstämmen Herr zu werden. thumb|left|300px|Wege_von_Käfer_und_Kartoffel
thumb|right|300px|Heutige_Verbreitung_von_Käfer_und_Kartoffel
Nahrung
Der Kartoffelkäfer und seine Larven ernähren sich von Teilen der Kartoffelpflanze (und anderen Nachtschattengewächsen). Daher auch der Name "Kartoffelkäfer".Kartoffelkäfer können innerhalb kurzer Zeit ganze Felder kahl fressen.
Entwicklung
Die Käfer legen im Juni an den Blattunterseiten der Kartoffelpflanze jeweils Pakete von 20-80 Eiern ab. Insgesamt sind es pro Weibchen etwa 1200 Eier. Aus den Eiern schlüpfen nach 3 bis 12 Tagen die Larven. Sie sind rötlich und haben an den Seiten und am Kopf schwarze Punkte. Die Larven wachsen sehr schnell heran und häuten sich dreimal. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen sie in die Erde, um sich dort zu verpuppen. Nach ungefähr zwei weiteren Wochen schlüpfen die Kartoffelkäfer, die jedoch noch mindestens eine Woche im Boden bleiben. Pro Jahr gibt es 1 - 2 Käfergenerationen. Die Kartoffelkäfer überwintern im Boden.
Kartoffelkäfer als Mittel der Propaganda
Nach Ende des Zweiten_Weltkriegs vermehrten sich Kartoffelkäfer in der Sowjetischen_Besatzungszone Deutschlands sprunghaft, bis um 1950 fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche befallen war. Die DDR-Führung war nicht in der Lage, der Katastrophe Herr zu werden, nutzte die Plage aber zu propagandistischen Zwecken im Kalten_Krieg, indem sie fälschlicherweise behauptete, dass eigens in den USA gezüchtete Käfer durch amerikanische Flugzeuge gezielt als biologische Waffe zur Sabotage der sozialistischen Landwirtschaft abgeworfen wurden. Ab 1950 wurde auf Plakaten und in zahlreichen Medienberichten eine Kampagne gegen die Amikäfer oder Colorado-Käfer gestartet, die Saboteure in amerikanischen Diensten genannt wurden. Das gleiche Argument hatte zuvor im Zweiten Weltkrieg schon das NS-Regime gebraucht und behauptet, die Kartoffelkäfer seien von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen wordenKlaus Körner: Politische Broschüren im Kalten Krieg (1967 bis 1963): ?SBZ von A-Z? - gesamtdeutsche Broschüren?, [http://www.dhm.de/ausstellungen/kalter_krieg/brosch_04.htm Deutsches historisches Museum].
Die amerikanische Regierung forderte infolgedessen von der Bundesrepublik Deutschland Gegenmaßnahmen. Man beschloss als Gegenmaßnahmen den Postversand an sämtliche Räte_der_Gemeinden der DDR und den Ballonabwurf von Kartoffelkäferattrappen aus Pappe mit einem aufgedrucktem ?F? für ?Freiheit?.
Literatur
* Welcher Käfer ist das?, Kosmos, ISBN 3-440-05728-3
Weblinks
• Kartoffelkäfer und Gentechnik
• www.faunistik.net
• Beschreibung der Büffelklette (Wirtspflanze)
Siehe auch:'' Bacillus thuringiensis, Biologische Schädlingsbekämpfunghsb:B?rnjacy ry?enk

