Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg
Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg (29. Januar 1602, Hanau; ? 8. August 1651, Kassel) regierte nach dem Tod ihres Gemahls, Landgraf Wilhelm_V._von_Hessen-Kassel, die Landgrafschaft Hessen-Kassel für den noch unmündigen Erben von 1637 bis 1650.Auch die Schreibweise Amelie Elisabeth wird verwendet.
Kindheit
Als Tochter des Grafen Philipp_Ludwig_II. von Hanau?Münzenberg und seiner Gemahlin Katharina_Belgica, zweier begabter Persönlichkeiten, hat Amalie Elisabeth ? wie ihr später umsichtiges Wirken in der Landgrafschaft Hessen-Kassel zeigt ? zumindest hohe Begabungen mit auf den Weg bekommen und vermutlich auch eine ausgezeichnete Bildung. Dazu zählte auch der Aufenthalt am streng reformatorisch geprägten kurfürstlichen Hof in Heidelberg bei Ihrer Tante, der Kurfürstin Luise_Juliane (1576-1644), verheiratet mit Kurfürst Friedrich_IV. Nach dem Tod ihres Vaters 1612 kehrte sie nach Hanau zurück. Später schloss sich auch ein längerer Aufenthalt bei Ihrer Verwandtschaft in den Niederlanden an.
Im Jahr 1617 tauchte Albrecht Johann Smi?ický (auch: Albert) (17. Dezember 1594; ? 18. November 1618) am Hanauer Hof auf, um um die Hand von Amalie Elisabeth anzuhalten. Da dieser Schritt vorher nicht abgesprochen und die Einstufung des böhmischen Adelstitels und des Rangs im Hanauer Kontext wohl nicht eindeutig war, stiftete das erst einmal Verwirrung. Immerhin war Albrecht Johann Smi?ický böhmisch-ständischer Landesdirektor, reformiert und einer der reichsten Großgrundbesitzer Böhmens. Die Verlobung kam zustande. Albrecht Johann Smi?ický war dann einer der sechs böhmischen Adeligen, die beim Prager Fenstersturz die kaiserlichen Statthalter aus dem Fenster warfen, was als Beginn des Dreißigjährigen_Kriegs gilt. Er war anschließend sogar als Kandidat für die böhmische Krone im Gespräch. Albrecht Johann Smi?ický starb allerdings schon, bevor das Winterkönigtum Kurfürst_Friedrich_V._von_der_Pfalz unterging. Zwischen Amelia Elisabeth und seinen Erben kam es zu einem heftigen Streit um Nachlassteile, faktisch beendet durch die Beschlagnahme des Vermögens mit seiner posthumen Verurteilung durch die wieder an die Macht gelangten Habsburger 1621.
Ehe
Amalie Elisabeth heiratete 1619 den späteren Landgrafen, Prinz Wilhelm_(V.)_von_Hessen-Kassel. Ihr Mann wurde nach der von den hessischen Ständen herbeigeführten Abdankung seines Vaters, Landgraf Moritz, 1627 Regent von Hessen-Kassel.
Das Land war durch das Missmanagement seines Vaters faktisch bankrott. Als dieser versuchte, in Hessen- Marburg die kalvinistische Religion einzuführen, musste Wilhelm V. 1627 zu Gunsten seiner Vettern in Hessen-Darmstadt in der Auseinandersetzung um Oberhessen darauf zunächst verzichten.
Wilhelm schloss sich im Dreißigjährigen Krieg der protestantischen Seite an. Nach dem Sieg der kaiserlichen und spanischen Truppen 1634 in der Schlacht bei Nördlingen über die Schweden kam ihm sein mächtigster Verbündeter abhanden. Gleichwohl war er einer von drei Fürsten, die sich dem Prager_Frieden von 1635 verweigerten. Wilhelm V. liierte sich vielmehr mit Frankreich. Er befreite im Zuge seiner Beteiligung an dem Krieg am 13. Juni 1636 die Heimatstadt seiner Frau, Hanau, aus einer Belagerung durch kaiserliche Truppen. Anschließend aber unterlag er den Kaiserlichen und musste sich deshalb mit seiner Armee auf Besitzungen in Friesland zurückziehen. Dort verstarb er 1637 im Exil.
Regentschaft
Nachfolger Wilhelms V. war in Hessen-Kassel sein acht Jahre alter Sohn als Landgraf Wilhelm_VI.. Amalie Elisabeth führte bis zu dessen Volljährigkeit 1650 an seiner Stelle vormundschaftlich die Regierung. Sie erwies sich dabei als eine geschickte und energische Regentin. Trotz der schlechten Ausgangslage 1637 gelang es ihr nicht nur dem Sohn die Landgrafschaft zu erhalten, sondern sie dauerhaft zu konsolidieren. So ließ sie zunächst die in Ostfriesland stehenden Truppen dem neuen Landgrafen huldigen und konnte auch erreichen, dass die in Kassel verbliebene Regierung ihre Vormundschaft anerkannte, trotz eines entgegenstehenden Anspruchs, den Georg_II._von_Hessen-Darmstadt (1626-1661) durchzusetzen versuchte.
Dreißigjähriger Krieg
Als Regentin setzte Amalie Elisabeth die Bündnispolitik ihres verstorbenen Mannes als Verbündete Frankreichs fort. Ihr Mann hatte ihr dafür mit der nach Friesland geretteten Armee ein wertvolles Machtinstrument hinterlassen. Sie schloss zwar einen Waffenstillstand mit dem Kaiser, akzeptierte aber 1639 und 1640 Bündnisangebote von Kardinal Richelieu und dem Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel. Gegenüber dem Kaiser wurde sie dann vertragsbrüchig. Hessen-Kassel wurde durch ihre geschickte Bündnispolitik wieder eine Führungsmacht im deutschen protestantischen Lager.
Mit den Verwandten in Hessen-Darmstadt nahm sie die Auseinandersetzung um Oberhessen wieder auf. Durch Rechtsgutachten ließ sie belegen, dass der diesbezügliche 1627 geschlossene Vertrag ungültig sei. Am 6. März 1645 rückten Kasseler Truppen in Oberhessen ein. Es begann der ?Hessenkrieg?. Die Armee des Landgrafen Georg_II. war den kampferfahrenen Angreifern unterlegen.
Westfälischer Friede
Der Einigungs- und Friedensvertrag zwischen beiden Teilen Hessens von 1648 wurde im Westfälischen_Frieden bestätigt. Hessen-Kassel erhielt danach ein Viertel von Oberhessen mit Marburg. Von Schweden und Frankreich unterstützt, erhielt Hessen-Kassel für sein Heer von etwa 20.000 Mann im Westfälischen Frieden eine Kriegsentschädigung von einer halben Million Taler. Die Abtei Hersfeld und Teile der Grafschaft Schaumburg gehörten fortan ebenfalls rechtssicher zur Landgrafschaft Hessen-Kassel.
Darüber hinaus war Amalie Elisabeth in den Friedensverhandlungen eine der treibenden Kräfte, die auf die rechtliche Gleichstellung der reformierten Konfession neben den Lutheranern und der römisch-katholischen Konfession drängten und auch durchsetzten.
Grafschaft Hanau
Die Kosten Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung im Jahr 1636 forderte Amalie Elisabeth vom Hanauer_Grafen zurück. Da Hanau nicht zahlen konnte, einigte man sich auf die pfandweise Abtretung des Hanauer Amtes Schwarzenfels als Kompensation.
Als im Jahr 1642 die Grafen_von_Hanau-Münzenberg ausstarben und die entfernt verwandte Linie der Grafen_von_Hanau-Lichtenberg das Erbe antrat, unterstützte dies Landgräfin Amalie Elisabeth und ließ sich ihre Unterstützung mit einem Erbvertrag zwischen Hessen-Kassel und der Grafschaft Hanau des Inhalts honorieren, dass, stürben auch die Grafen von Hanau-Lichtenberg aus, die Grafschaft Hanau-Münzenberg an Hessen-Kassel falle. Dieser Fall trat 1736 ein.
Alter
Am 25. September 1650 übergab Landgräfin Amalie Elisabeth die Amtsgeschäfte an ihren Sohn, Landgraf Wilhelm_VI..
Amalia Elisabeth starb am 8. August 1651 in Kassel und wurde am 30. September 1651 in der Martinskirche in Kassel beigesetzt.
Kinder
, um 1650]]
# Agnes (24. November 1620, Kassel; ? 20. August 1626, Hersfeld)
# Moritz (24. September 1621, Kassel, ? am gleichen Tag)
# Elisabeth (21. Oktober 1623, Kassel; ? 13. Januar 1624, Kassel)
# Wilhelm (31. Januar 1625; ? 11. Juli 1626, Ziegenhain)
# Amelia (11. Februar 1626; ? 15. Februar 1693, Frankfurt am Main), verheiratet 15. Mai 1648 mit Prinz (seit 1674: Herzog) Heinrich_Karl_von_Talmont
# Charlotte (20. November 1627, Kassel; ? 16. März 1686, Heidelberg), verheiratet 12. Februar 1650 mit Kurfürst Karl_I._Ludwig von der Pfalz, geschieden 14. April 1657, Mutter der Liselotte von der Pfalz
# Wilhelm_VI. (4. Juli 1623, Berlin; ? 16. Juni 1683, Schmalkalden), verheiratet 9. Juli 1646 mit Markgräfin Hedwig_Sophie von Brandenburg
# Philipp (16. Juni 1630, Kassel; ? 17. August 1638, Groningen)
# Adolf (17. Dezember 1631, Kassel; ? 17. März 1632, Kassel)
# Karl (18./19. Juni 1633, Kassel; ? 9. März 1635, Kassel)
# Elisabeth (23. Juni 1634, Kassel; ? 22. März 1688, Kassel), als Elisabeth V. Äbtissin des Stiftes_Herford
# Totgeburt 8. Februar 1635
# Louise (5. November 1636; ? 6. Januar 1638, Kassel)
# Totgeburt 28. Mai 1637
Nachwirkung
Friedrich von Schiller billigte der Landgräfin Weisheit, Standhaftigkeit, Verstand und Mut zu. Als eine der wenigen Frauen ist sie mit einer Büste in der von König Ludwig_I._von_Bayern in Auftrag gegebenen Walhalla vertreten.
Literatur
*
* Reinhard Dietrich, Die Landesverfassung in dem Hanauischen = Hanauer Geschichtsblätter 34, Hanau 1996. ISBN: 3-9801933-6-5
* Ilse Bechert: Die Außenpolitik der Landgräfin Amalia Elisabeth von Hessen-Kassel ? Oktober 1637 bis März 1642. Unveröffentlichte Dissertation, Marburg 1946 (Manuskript im Hessischen Staatsarchiv Marburg: VIIIB Ilse Bechert)
* O. Brandt: Amalia Elisabeth, Landgräfin zu Hessen, geborene Gräfin zu Hanau. In: Hessenland 1896, S. 170, 186, 202, 215, 228, 243, 256
* Karl Wilhelm Justi, Amalie Elisabeth, Landgräfin von Hessen-Kassel. Heyer, Gießen 1812 ([http://www-gdz.sub.uni-goettingen.de/cgi-bin/digbib.cgi?PPN503470546 Digitalisat])
* Margaret Lemberg, Im Strudel der böhmischen Ständekatastrophe. Das unvollendete Verlöbnis des Albrecht Johann Smi?ický mit Amalie Elisabeth von Hanau und der Kampf um das Erbe. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 35 (1994), S. 1ff.
* Pauline Puppel, Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500-1700. Campus, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37480-3
* Reinhard Suchier, Genealogie des Hanauer Grafenhauses, in: Festschrift des Hanauer Geschichtsvereins zu seiner fünfzigjährigen Jubelfeier am 27. August 1894, Hanau 1894.
* Ernst J. Zimmermann, Hanau Stadt und Land, 3. Auflage, Hanau 1919, ND 1978.
Weblinks
• Hessische Grafen

