Amadeus Germany
Die Amadeus Germany GmbH (bis Mitte 2003 Start Amadeus GmbH) ist Hersteller von Deutschlands führendem Reisevertriebssystem sowie einer der wichtigsten Anbieter von IT-Lösungen für die Reise- und Tourismusbranche. Die Gesellschaft betreibt das reisebezogene Produkt- und Serviceportal www.portevo.de. Sie liefert heute nach eigenen Angaben Produkte für den Verkauf von touristischen Leistungen aller Art über verschiedene Absatzkanäle wie zum Beispiel Reisebüros, Call Center, Kartenvorverkaufsstellen oder das Internet. In Deutschland arbeiten laut Amadeus 85 Prozent aller Reisebüros an mehr als 41.300 PCs mit dem System von Amadeus Germany. Angaben über Umsatz, Mitarbeiter und Ergebnis macht das Unternehmen nicht. Die Amadeus Germany GmbH ist eine 100%ige Tochter der Amadeus_IT_Group_SA. Sitz der Gesellschaft ist Bad Homburg.Geschichte
Studiengesellschaft zur Automatisierung von Reise und Touristik
Ende der sechziger Jahre zeichnete sich ab, dass die Reisebüros in absehbarer Zeit gezwungen sein werden, Computer-Terminals mehrerer Reiseveranstalter zu installieren: Es existierte kein einheitliches Reservierungssystem. Nur wenige Große in der Branche konnten den entsprechenden Aufwand finanzieren. Diese Überlegungen waren Anfang 1971 auslösender Faktor für die Gründung der "Start - Studiengesellschaft zur Automatisierung für Reise und Touristik GmbH" - kurz START genannt.
Die Arbeitsgruppe bestand aus Vertretern der Unternehmen Deutsche_Lufthansa, Deutsche Bundesbahn, Touristik Union International (TUI) sowie Amtliches Bayerisches Reisebüro GmbH (abr), Deutsches Reisebüro GmbH (DER) und Hapag-Lloyd Reisebüro GmbH. START legte nach verschiedenen Analysen einen Vorschlag für ein elektronisches Reisereservierungs- und Informationssystem vor, das alle mit dem Angebot und der Vermittlung von Reiseleistungen zusammenhängenden Vorgänge bewältigen konnte.
START Datentechnik für Reise und Touristik
1976 wurde die Studiengesellschaft in die Betriebsgesellschaft "Start Datentechnik für Reise und Touristik GmbH" umgewandelt. Die Gesellschafter waren mit jeweils 25 Prozent Anteilen die Deutsche Bundesbahn, die Deutsche Lufthansa und die TUI. Die restlichen 25 Prozent verteilten sich zu gleichen Teilen auf die Reisebüro-Ketten abr, DER und Hapag-Lloyd.
Nach mehreren Ausschreibungen erhielt Siemens 1977 den Auftrag für die schlüsselfertige Realisation des Start Systems. Bereits 1978 wurde die erste Zentraleinheit für das Rechenzentrum angeliefert. Mitte 1979 nahm START den Betrieb auf: Das erste START Terminal wurde am 13. Juni 1979 beim DER in Frankfurt_am_Main am Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Die Reservierung von TUI-Angeboten war als erstes möglich. Im August 1979 kam die Reservierungsfunktion der Deutschen Lufthansa hinzu.
Seit 1980 war das START System im Komplettbetrieb verfügbar. Die Deutsche Bundesbahn bot über START die elektronische Sitzplatzbuchung sowie die Fahrausweiserstellung an, TUI-Reisebestätigungen konnten ausgestellt werden - ebenso wie Tickets der Deutschen Lufthansa.
Über ein einziges Terminal konnten somit nicht nur alle Reiseleistungen gebucht, sondern auch alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel Fakturierung und Datensammlung für die Buchhaltung, ausgeführt werden. Mittlerweile druckten die angeschlossenen Reisebüros über START monatlich 150.000 Tickets, obwohl immer noch ein Großteil manuell ausgestellt wurde.
BTX und PCs als neue Medien
Im Juni 1982 waren rund 2.000 START Geräte installiert. Mehr als 22 Millionen Verkaufsbelege wurden in diesem Jahr über das System ausgedruckt, deren Gesamtwert auf 7,3 Milliarden DM beziffert wurde. 1983 wurde die START BTX GmbH gegründet, deren Ziel es war, die Leistungen des START Systems den Reisebüros auch über das kostengünstigere BTX_System verfügbar zu machen. Die erste Generation der START Terminals wurde gegen moderne Siemens-Terminals ausgetauscht. Und Euroschecks sowie Banküberweisungen konnten nun im Reisebüro mit einem speziellem Dokumentendrucker bedruckt werden.
1987 wurde die nächste Terminal-Generation auf Personal-Computer (PC)-Basis eingeführt. Im Gegensatz zu den bisherigen Terminals, die nur zur Datenabfrage auf dem zentralen START Rechner dienten, konnten nun im Reisebüro Daten auch lokal auf dem PC verarbeitet werden. Das sogenannte KART-Verfahren für den Eintrittskartenvertrieb über Start wurde für die Reisebüros nutzbar. Erstmal waren auch Zahlungen mit Kreditkarte über START möglich.
Umbruch und Expansion
Der Anschluss des 10.000sten START Terminals erfolgte im Mai 1989. Siemens-Nixdorf entwickelt das START Board, eine Einsteckkarte für den PC, um die Daten- und Drucksicherheit auch auf den neuen PCs sicherstellen zu können. Die Software Amadeus Pro wurde eingeführt. Somit stand den Nutzern eine einheitliche Bedieneroberfläche für alle an Amadeus angeschlossenen Anbieter zur Verfügung.
Am 1. August 1990 wurde START grundlegend umstrukturiert: Die START Datentechnik für Reise und Touristik GmbH wurde in die START Holding GmbH mit insgesamt vier Tochtergesellschaften überführt. Gesellschafter der Holding waren zu gleichen Teilen die Deutsche Bundesbahn, die Deutsche Lufthansa und die TUI. Die Amadeus Deutsche Marketing Gesellschaft für Reisevertrieb mbH wurde übernommen und in die neu gegründete START Amadeus Vertriebs GmbH überführt. Die neue Tochterfirma war für den Vertrieb von START und Amadeus Produkten über das START-System zuständig. Auch die technische Verbindung des START Rechners in Frankfurt am Main mit dem Amadeus Rechner in Erding wurde realisiert.
In diesem Jahr begann START mit der Umsetzung eines seiner größten Migrations-Projekte: Der Übergang vom Reservierungssystem der Deutschen Lufthansa zu Amadeus. Bis Ende 1992 wurden insgesamt 8.000 START Betriebsstellen mit 15.300 Terminals auf die Plattform aufgeschaltet und die Mitarbeiter geschult. Das Institut für Bildschirmtext und Telematik GmbH wurde von der START Gruppe übernommen und in START Telematik GmbH umfirmiert. START expandierte weiter im Ausland: Tochtergesellschaften in Polen und Griechenland wurden gegründet. Die START Amadeus Vertriebs GmbH eröffnete Regionalbüros in Hamburg und München, START in Berlin wurde integriert. Mittlerweile sind mehr als 150 touristische Leistungsanbieter über das START System verfügbar.
1993 eröffnete START weitere Regionalbüros in Frankfurt_am_Main und Düsseldorf. Auch zwei neue Tochtergesellschaften in Ungarn und der Türkei wurden gegründet. Der Prototyp des START Automaten wurde am Hauptbahnhof München aufgestellt. Er war der Vorläufer der heutigen Fernverkehrsautomaten der Deutschen Bahn. Die START Telematik GmbH und die START BTX GmbH wurden 1994 zur Start Telematik GmbH zusammengeführt, die mit dem neuen "Elektronischen Verlag" unter anderem CD-ROM-Produkte vertreibt.
Auch für die GUS-Staaten richtete die START Gruppe eine Niederlassung in Moskau ein. Eine graphische Benutzeroberfläche namens "Start Comfort" wurde entwickelt, um die Bedienerfreundlichkeit des Systems zu verbessern. Rund 2.000 ATB-Drucker, mit denen Flugtickets mit Magnetstreifen auf der Rückseite gedruckt werden können, wurden in den Reisebüros installiert. Der Kunde erhielt somit im Reisebüro direkt einen Ausdruck, mit dem er am Flughafen elektronisch - und somit schneller - einchecken konnte. 1994 wurden insgesamt 88,5 Millionen Buchungen über das START System getätigt, die angeschlossenen Reisebüros stellten 132 Millionen Belege aus.
Über START Cash kann seit 1994 im Reisebüro mit der Euroscheckkarte und Geheimnummer bargeldlos bezahlt werden. 1995 wurden 107 Millionen Buchungen über Start getätigt und fast 150 Millionen Belege von den Reisebüros ausgestellt. Die START Gruppe und Amadeus vereinbarten eine langfristige strategische_Allianz. Ziel der Allianz war die bessere Bedienung gemeinsamer Märkte im In- und Ausland sowie die gemeinsame Entwicklung neuer Produkte.
Beginn des Zusammenschlusses
Die Allianz von START und Amadeus wurde im März 1996 beschlossen. Im Juni 1996 einigten sich Lufthansa und TUI, dass Lufthansa die START Anteile von TUI übernimmt, im Gegenzug TUI die Anteile an Airtours erhält. Damit hält Lufthansa zwei Drittel, die Deutsche Bahn AG ein Drittel der Anteile.
Im Oktober 1996 wurde die START Telematik GmbH in START Media Plus GmbH umbenannt. Im Dezember 1996 kaufte die Start Media Plus GmbH die 12,5 Prozent Gesellschafteranteile des Deutsches Reisebüro GmbH (DER) und DERPART zurück. Damit ist die START Media Plus eine 100prozentige Tochter der START Holding.
1997 wurde die strategische Allianz zwischen START und Amadeus vollzogen: Die Gesellschafter beider Unternehmen stimmten dem Verkauf von 50 Prozent der Anteile der START Informatik GmbH an Amadeus Global Travel Distribution S.A., Madrid, zu. Die START Holding GmbH und Amadeus sind somit gleichberechtigte Gesellschafter an der START Informatik.
Des Weiteren hatte Start zum 31. Dezember 1996 seine Auslandsbeteiligungen an Amadeus verkauft. Amadeus übernahm somit alle bisherigen START Anteile an den Unternehmen START Seyahat Pazarlama in Istanbul, START Hellas in Athen, START Hungaria in Budapest und Amadeus Austria in Salzburg. Die Niederlassung in Moskau sowie die Aktivitäten in den GUS-Staaten wurden von Amadeus weitergeführt.
Im Dezember 1997 einigten sich die Deutsche Bahn AG und Lufthansa, dass die Lufthansa die START Anteile der Deutschen Bahn AG übernimmt, im Gegenzug die Deutsche Bahn AG die Anteile der Lufthansa an der Deutsches Reisebüro GmbH (DER) erhält. Damit war Lufthansa zu dieser Zeit alleiniger Gesellschafter von START.
1997 wurden die START Holding, START Informatik und START Amadeus Vertrieb in eine GmbH zusammengefasst. Nach außen hin trat das Reisevertriebssystem stellvertretend für diese drei Unternehmen seitdem als START Amadeus GmbH auf. Die beiden Tochtergesellschaften START Ticket GmbH und START Media Plus GmbH blieben weiterhin bestehen. Zum Ausbau der internationalen Ausrichtung des Unternehmens plante die Lufthansa den Verkauf von 34 Prozent der START Anteile an das Global Distribution System Amadeus im Jahr 1999.
Im August 1999 genehmigte die EU eine Amadeus-Beteiligung an der START Amadeus GmbH in der mit Lufthansa vereinbarten Höhe von 34 Prozent. Im Herbst begann die Konsolidierung der Rechenzentren - das Rechenzentrum von START in Frankfurt am Main zog in das Rechenzentrum von Amadeus nach Erding bei München.
Fusion
Im Dezember 2001 vollzog Start den letzten Schritt zur Fusion mit Amadeus. Die Aufsichtsräte von Lufthansa und Amadeus stimmten zu, dass der bisherige 34-Prozent-Gesellschafter Amadeus Global Travel Distribution S.A., Madrid, die übrigen 66 Prozent der Anteile übernahm, die bislang der Lufthansa Commercial Holding, einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Lufthansa AG, gehörten. Start Amadeus wurde ab dem 1. März 2003 in Amadeus integriert. Die Umbenennung in Amadeus Germany GmbH erfolgte im Februar 2003.
Wirtschaftliche Zahlen des Amadeus-Konzern
Weblinks
• amadeus.de - Offizielle Website von Amadeus Germany.
• amadeus.com - Offizielle Website von Amadeus.
• amadeus.net Offizielle Website von Amadeus.
dr.arnold

