Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Am kürzeren Ende der Sonnenallee ist ein 1999 erschienener Roman von Thomas Brussig.Das Buch unterschiedet sich teilweise vom Film ?Sonnenallee?, da Brussig neue Aspekte in das Drehbuch eingearbeitet hat.
Inhalt
Eine Gruppe von Jugendlichen versucht, mit den Verhältnissen der Deutschen_Demokratischen_Republik (DDR) zurecht zu kommen. Die Erzählweise ist humorvoll und geschichtlich überwiegend korrekt. Das Buch dreht sich vor allem um die Jugendlichen die am kürzeren Ende der Sonnenallee wohnen. Micha Kuppisch ist hierbei zum Teil der Erzähler und Hauptperson. Er hat sich in das schönste Mädchen der Schule - für Micha das Schönste der Welt -, Miriam, verliebt, bei dem selbst die Wachposten an der Mauer ihre Feldstecher schwenken. Micha erhält einen Liebesbrief, vermutlich von Miriam, dieser wird jedoch in den Todesstreifen geweht. Die kommenden Wochen drehen sich nur noch darum, wie Micha an den Brief kommen kann.
Außerdem gibt es da noch den Onkel Heinz, der legale Sachen aus dem Westen in die DDR schmuggelt, Michas Bruder, der im Militär tätig ist und seine Schwester, die jede Woche einen neuen Freund hat.
Micha und seine Freunde Wuschel, Brille, Mario und der Dicke hören verbotene Lieder wie Moscow, Moscow. Marios Freundin die Existenzialistn bekommt am Ende des Buches ein Baby,welches in eine DDR frei Zeit geboren wird.
Sprachliche Besonderheiten
Sprachebene
Thomas Brussig gebraucht viele verschiedene Arten der Sprache, die in der Auswahl kurz dargestellt sind:
DDR-Wortschatz (gibt die realistisch gesprochene DDR-Sprache wieder), Jugendsprache und Umgangssprache (?Eigene? Sprache der Hauptpersonen, Identifikationsmöglichkeiten für Leser),
in der NVA, symbolisiert den Einfluss des Systems auf das Privatleben), häufiger Gebrauch von Spitznamen (beziehen sich auf Vornamen, Aussehen oder Eigenschaften, sind Kurzcharakteristiken, haben humoristischen Effekt), Superlative (Betonung des Außergewöhnlichen), Hochsprache und Fremdsprache(Betonung der Tätigkeiten, zeigt Kontrast zwischen privatem und öffentlichem Leben in der DDR).
Wortwahl
Brussig benutzt im Text viele Abkürzungen und Fremdwörter. So heißt es zum Beispiel nicht Abschnittsbevollmächtigter, sondern ABV. Eine andere Abkürzung ist DTSB, was voll ausgeschrieben ?Deutscher Turn- und Sportbund der DDR? heißt.
Er benutzt auch einige Fremdwörter wie zum Beispiel ?Trabs? (Ausflussrohrkrümmung eines Waschbeckens) oder ?Trapo? (Transportpolizist, für die Bahn zuständig).
Um das Geschehen zu verwirklichen bezieht er auch einige berühmte Personen ein, zum Beispiel Jimi Hendrix (berühmter Rock-Gitarrist) oder Jean Paul Sartre (französischer Philosoph und Schriftsteller) ein.
Satzbau
Es sind meistens einfache Satzgefüge zu finden. Der Autor verzichtet auf komplizierte Schachtelsätze, so bleibt das Buch für den jugendlichen Leser verständlich und bringt ihn dazu weiterzulesen. Das heißt jedoch nicht, das Brussigs Sprache anspruchslos ist, vielmehr verwendet er in seinem Roman geschickt verschiedene Sprach- und Stilmerkmale.
Rhetorische Mittel
Brussig setzt einige Mittel der Veranschaulichung ein, eines davon ist das ?Emblem? (Mauer als Sinnbild der Traurigkeit und der Verzweiflung) das sich im Buch auf der Seite 98 finden lässt. Ein weiteres Rhetorisches Mittel ist die ?Ellipse? (Micha, Je t`aime hilft immer) Seite 103, das zeigt, dass er nicht nur lange Sätze schreibt, sondern auch kurze, die viel Informationen übermitteln. Um wichtige Sätze hervorzuheben, benutzt er häufig ?Ausrufe? (?Asbest, ihr habt Asbest! Das macht Lungenkrebs!? Seite 38).
Inhaltliche Besonderheiten
Erzählperspektive
Brussig verwendet einen auktorialen Erzählerstil. Der Erzähler steht nicht nur außerhalb der dargestellten Welt, sondern er vermittelt öfter den Eindruck, selbst dazu gehört zu haben, indem er sich in das Geschehen einbindet. Dadurch kann er einmal das Geschehen distanziert über die Personen darstellen, aber auch emotional wertend erzählen.
Erzählhaltung
Man merkt, das Brussig anteilnehmend erzählt, so könnte Micha genauso gut Thomas heißen. Er weint, als Wuschel (scheinbar) erschossen wird, und freut sich total, als Miriam ihn zu sich einlädt.
Handlungsaufbau
Gleich am Anfang wird die Hauptperson, Micha Kuppisch, vorgestellt. Gleich danach trifft er sich mit seinen Freunden auf dem Spielplatz. So wird man auf die Handlung im Buch vorbereitet und wird nicht einfach hineingeworfen, sodass man nicht weiß, um was es geht. Im Text sind äußere aber auch innere Handlungen vorhanden, so bekommt man mit wie sich Onkel Heinz fühlt, als er etwas über die Grenze schmuggelt. Man bekommt aber auch die Gedankengänge von mehreren Personen im Buch mit.
Figuren
Die im Roman auftretenden Personen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:
# Die Clique (Potenzial)
# Michas Familie
# die ?Anderen?
Die Hauptpersonen gehören entweder der ersten oder der zweiten Gruppe an, nur Micha gehört zu beiden Gruppen. Die Personen der dritten Gruppe sind zumeist Vertreter des DDR-Regiems, allerdings gehören in diese Gruppe auch Sabines Freunde Lutz und der Kulissenschieber.
Die Hauptpersonen sind Micha und Miriam und evtl. noch Mario und die Existenzialistin. Ein ganzes Kapitel ist allerdings auch Wuschel, Michas Freund, gewidmet, der in ganz Berlin ?die echte englische Pressung? des Rolling-Stones-Albums ?Exile on Main Street? sucht.
Literatur
* Krischel, Volker: Thomas Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 409). Hollfeld: Bange Verlag 2002. ISBN 978-3-8044-1742-7
* Igel, Oliver: Gab es die DDR wirklich?. Die Darstellung des SED-Staates in komischer Prosa zur "Wende". Tönning, Lübeck, Marburg 2005. ISBN 389959312X

