AMORC
Der Antiquus Mysticusque Ordo Rosæ Crucis (AMORC) (Alter mystischer Orden vom Rosenkreuz) ist ein Rosenkreuzer-Orden und wurde im Februar 1915 in New_York durch Dr. Harvey Spencer Lewis (1883?1939) gegründet.Die traditionelle und authentische Bezeichnungsform lautet im Lateinischen Antiquus Arcanus Ordo Rosæ Rubæa et Auræa Crucis ? AAORRAC, was soviel wie ?Alter mystischer Orden von der roten Rose und dem goldenen Kreuz? bedeutet.
Der Orden hat seinen derzeitigen Hauptsitz in Château d'Omonville, Le Tremblay (Frankreich).
Geschichte
Gründung
Bereits vor der Gründung des Alten Mystischen Ordo Rosæ Crucis, soll H. Spencer Lewis in Frankreich in einen geheimen Rosenkreuzer-Orden initiiert worden sein. Dies geschah nicht zufällig, da größere Reisen zur damaligen Zeit sehr kostspielig und nur per Schiff zu erledigen waren. Der Kontakt zu französischen Rosenkreuzern war von Lewis bereits seit längerem geplant und vorbereitet gewesen. Um sich die Überfahrt nach Europa zur damaligen Zeit leisten zu können, begleitete er 1909 seinen Vater Aaron Lewis auf einer Betriebsreise durch Frankreich. Es bleibt dabei offen, ob Aaron Lewis in die Absichten seines Sohnes eingeführt wurde. Diese Reise brachte unter anderem beide nach Toulouse in Südfrankreich. Dort gelang es ihm sich mit Clovis Lassalle in Verbindung zu setzen, mit dem er bereits Briefkontakt hatte. Lassalle pflegte eine enge Verbindung zu Firmin Boissin, der ebenso Adrien Péladan und Stanislas de Guaita in das Rosenkreuzertum initiierte. Der Ort von Lewis Einweihung ist jedoch nicht bekannt. Nachdem die Initiation an ihm vollzogen wurde, stattete man ihn mit den Rechten aus, eigenständige Rosenkreuzerlogen in den USA zu gründen. Sein Kontakt zur Theosophin und Rosenkreuzerin Mrs. May Banks-Stacey sollte ihm dabei noch als eine weitere Hilfe dienen. Sie war Mitbegründerin und Ehrenmitglied des AMORC, verstarb aber bereits 1919.
Theodor Reuss und der AMORC
AMORC stellte 1921 erste Verbindung zu Theodor Reuss her. Er war Mitbegründer des Ordo Templi Orientis (OTO). Anlass dafür war ein Brief von Harvey Spencer Lewis an Reuss vom 28. Dezember 1920. Beide verfolgten eine engere Kooperation zwischen europäischen und amerikanischen Rosenkreuzerbewegungen. Im September 1921 versuchten Spencer Lewis und Reuss gemeinsam einen Dachverband unter der Führung des AMORC aufzubauen. Das erklärte Ziel war die weltweite Verbindung aller rosenkreuzerischen Aktivitäten. Dieser Dachverband wurde TAWUC (The AMORC World Universal Council) genannt. Auf Empfehlung von Reuss wurde 1922 ein gemeinsames Treffen, zwischen deutschen und amerikanischen Rosenkreuzern, in Oberammergau geplant. Aufgrund tiefgreifender Meinungsverschiedenheiten, die zudem darin begründet waren, dass Reuss die Gründung einer gnostischen Kirche beabsichtigte, fand dieses Treffen nie statt. Kurz darauf wurde auch die Korrespondenz auf beiden Seiten eingestellt. Mit dem Tod von Theodor Reuss, im Jahre 1923, fand auch die Idee der TAWUC ein Ende.
AMORC in Europa - nach dem 1. Weltkrieg
Die Geschichte des AMORC in Europa, beginnt 1920 mit der Gründung der ersten europäischen Großloge in Dänemark. Federführend war hier Sven Turning, der das erste dänische Rosenkreuzertreffen des AMORC im September 1920 in Frederiksberg - Mariendalsvej organisierte. Aufgrund der Bestrebungen des Holländers M. Prinz-Visser, konnte der Orden sogar um 1922 kurzzeitig in Russland Fuß fassen.
Einen enormen Anteil an der Gründung des AMORC in Frankreich hatte der Musiker und Freimaurer Maurice Jacquet (1886-1954). Spencer Lewis und Jacquet lernten sich 1925 in New York kennen. Lewis kam 1926 durch Jacquet in Kontakt mit dem Dramatiker André Mauprey, der ebenfalls Freimaurer war. Beide versuchten zuerst unter der Schirmherrschaft der französischen Freimaurerei einen Rosenkreuzerorden zu etablieren, was aber Lewis ablehnte. Charles Lévy und André Mauprey gründeten in den folgenden Jahren die ersten zwei Rosenkreuzergruppen des AMORC in Paris und Nizza. Erster Großmeister des AMORC wurde in Frankreich (um 1933) Dr. Hans Grüter (1874-1953).
Die Gründung der FUDOSI
Ab 1933 war AMORC Mitglied in der FUDOSI ? Fédération Universelle des Ordres et Sociétés Initiatiques. Dies war ein Internationaler Verband von Initiatenorden und Gesellschaften mit dem Zweck, den beteiligten Gesellschaften gegenseitig eine authentische Initiationskette zu bescheinigen. Dies fand durch die europäischen Mitglieder der FUDOSI statt, die nicht nur aus Rosenkreuzern, sondern ebenso aus Martinisten, Freimaurern des Memphis-Misraim-Ritus und Pythagoräern bestanden. Die FUDOSI wurde am 14. August 1951 aufgelöst.
Es verwaltete und koordinierte Émile Dantinne (Sâr Hiéronymus) die rosenkreuzerischen Ordensstrukturen in Europa und H. Spencer Lewis (Sâr Alden) den nordamerikanischen Bereich, durch den Alten mystischen Orden vom Rosenkreuz.
Von Gegnern und Kritikern, die sich wiederum in der FUDOFSI ? Fédération Universelle des Ordres Sociétés et Fraternités des Initiés organisierten, wird dieser Verband jedoch als scheinheiliges Bündnis angeblicher Initiantenorden verschrien.
AMORC in Europa - nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem Zweiten_Weltkrieg unterstützte AMORC den Aufbau rosenkreuzerischer Ordenstrukturen in Europa, die durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die ?Gustav Meyrink?-Loge in München war, durch die Unterstützung des AMORC, ab dem 6. Dezember 1949 wieder aktiv. Der Anschluss an die damalige Oberste Großloge in San José erfolgte um 1952. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten und der Abspaltung des Ordo Rosae Aurae unter Martin Erler, bildete sich im Laufe der Jahre die deutschsprachige AMORC-Jurisdiktion heraus. Innerhalb der deutschsprachigen Jurisdiktion, die Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz umfasst, hat die Großloge ihren Sitz seit 1964 von München nach Baden-Baden verlegt. Ab 1973 übernahm Wilhelm Raab das Amt des Großmeister für die deutsche Jurisdiktion, was ab 1999 an Maximilian Neff übergeben wurde.
AMORC seit 1990
1990 kam es auf internationaler Ebene zu einem Vertrauensbruch zwischen den Großmeistern der unterschiedlichen Jurisdiktionen und dem damaligen Leiter der Obersten Großloge, auch Imperator genannt. Innerhalb des AMORC obliegen ihm die zentralen Verwaltungsaufgaben. Dieser Vertrauensbruch eskalierte zu einem Rechtsstreit, was zum Ausschluss Gary L. Stewarts als Imperator führte und in einem Schisma für AMORC endete. Stewart gründete seinen eigenen Rosenkreuzer-Orden, die Confraternity of the Rose-Cross (CR+C), der vorwiegend im englischsprachigen Raum aktiv ist. Christian Bernard, als ehemaliger französischer Großmeister, übernahm ab dem 12. April 1990 die Funktion des Imperators.
2001 wurde auf dem Weltkonvent in Schweden die [http://www.rosenkreuzer.de/download/positio.pdf Positio Fraternitatis Rosæ Crucis] veröffentlicht. Man sieht die Positio als viertes Manifest in der Tradition der drei älteren Rosenkreuzerschriften (Fama_Fraternitatis, Confessio_Fraternitatis und Chymische_Hochzeit). In ihr nimmt der Orden Stellung zu den derzeitigen gesellschaftlichen Problemen der Welt und nennt mögliche Lösungswege, die in ihrer Art bewusst utopisch sind. In dieser utopischen Weltvorstellung sind die Politiker der Zukunft zu tiefst humanistisch geprägt und ausschließlich dem Guten verpflichtet. Ökonomen regeln die Staatsfinanzen zum Interesse aller und mit großer Sorgfalt. Wissenschaftler sind zudem hoch spirituell und suchen ihre Inspiration im Buch der Natur. Dies wird mit Themen wie einer gemeinsamen Weltpolitik und Bereichen der Arbeit, Natur und Spiritualität fortgesetzt. Im Großen und Ganzen wird in der Positio die Brüderlichkeit sowie Friedfertigkeit unter den Menschen von Morgen hervorgehoben.
Organisation
AMORC ist ein Rosenkreuzerorden, der Initiationen in seinen Tempeln und Logen durchführt. Diese Initiationen sollen das Mitglied im Laufe seiner Zeit vom äußeren Kreis des Ordens in seinen Inneren führen. Ähnlich einer Reise vom äußeren Kreis der Dinge in das eigene Innere. Dies geschieht über ein Gradsystem aus drei einführenden Graden, neun Tempelgraden und weiterführenden Hochgraden. Als neues Mitglied, auch Neophyt, bereitet man sich im äußeren Kreis auf die Einweihungsgrade vor. Die Vorbereitung umfasst die Vertiefung des von AMORC bereitgestellten mystischen Lehrmaterials. Das Studium des Lehrmaterials bewältigt das Mitglied zu Hause in seinem Heimsanktuarium. Für gewöhnlich studiert er monatlich vier Monografien (Lehrbriefe). Neben den Lehrbriefen kann man Conclaven und Seminare zu den einzelnen Graden besuchen, in denen das Gelernte vertieft wird. Hier werden auch zusätzliche Informationen zu den Übungen aus den Lehrbriefen übermittelt, die nur für die Übermittlung von Mund zu Ohr vorgesehen sind und nicht in den Lehrbriefen selbst enthalten sind. Man übt sich in Meditation, in Abstimmungen. Zu den Initiationen meldet sich der Neophyt bei den Logen.
In jedem Land schließen sich die Mitglieder des Ordens in Logen, Kapitel, Pronaoi und Atrien zusammen. So besteht ein Atrium aus etwa zehn, ein Pronaos aus etwa 20, ein Kapitel aus etwa 35 und eine Loge aus mindestens 50 Mitgliedern. Je nach Fortschritt oder Einweihnungsgrad des Mitglieds, ist es im gestattet ein Pronaos, ein Kapitel oder eine Loge zu besuchen. Logen, Kapitel, Pronai und Atrien dienen der Abhaltung von Konvokationen und Vertiefungen von mystisch-philosophischen Themen. Jede Städtegruppe veranstaltet zudem auch ein Gäste-Forum, wobei sich der Suchende problemlos und ohne jegliche Verpflichtungen über AMORC informieren kann.
Eine Großloge, dessen gewählter Vertreter der Großmeister ist, übernimmt dabei die administrativen Aufgaben innerhalb einer Jurisdiktion. Jede Jurisdiktion vereint dabei alle Gruppen (Logen, Kapitel, Pronai und Atrien) einer Sprache unter sich. So umfasst die deutsche Jurisdiktion Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein. Zusammen bilden alle Großlogen jeder einzelnen Jurisdiktion die Oberste Großloge. Aus der Obersten Großloge bilden die Großmeister und der Imperator den Obersten Rat (Supreme Council), der zu regelmäßigen Beratungen zusammenkommt. Der Imperator, höchstes Amt im AMORC, wird dabei alle fünf Jahre neu gewählt, wobei jeder Großmeister, unabhängig von der Größe seiner Jurisdiktion, die gleichen Stimm- und Vorrechte_ besitzt.
Mitglieder des AMORC können volljährige Männer und Frauen werden, welche die Prinzipien einer ganzheitlichen, natürlichen und zivilen Ordnung bejahen. Die Organisation ist weder konfessionell noch politisch gebunden. Der Orden sollte nicht als religiöse Bewegung oder als Religionsgemeinschaft angesehen werden, da keinerlei Glaubensbekenntnis vom Mitglied abverlangt wird.
Lehre
Die Lehre des AMORC umfasst Bereiche der Physik, Metaphysik, Mystik und Medizin. Neben möglichen Grund und Ziel allen Seins, wird dem Suchenden auf dem Weg seiner Mitgliedschaft auch eine praktische Seite der Mystik vermittelt. Die Lehre stellt in erster Linie eine Synthese aus wissenschaftlichen und mystischen Standpunkten dar, da der Orden beide Dinge zu verbinden sucht. In einem Gradsystems aus verschiedenen Initiationen, wonach der Suchende stufenweise von Initiation zu Initiation an ein praktisch-esoterisches Wissen herangeführt wird, wird ihm schrittweise die Lehre des Ordens vermittelt. Das Gradsystem darf jedoch nicht als Hierarchie missverstanden werden. Die Grade eines Initiatenordens sind vergleichbar mit dem Klassenprinzip einer Schule und verdeutlichen den Wissensstand eines Mitglieds. Man findet Gradsysteme in vielen Mysterienschulen und Initiatenorden wieder. So auch bei den Freimaurern, Martinisten oder Druiden.
AMORC sieht seine traditionellen Wurzeln im Alten Ägypten. Es beruft sich auf die Lehren der alt-ägyptischen Mysterienschulen, auf deren Glauben, Weisheit und Praktiken. Einer alten Schule, die im 15. Jahrhundert vor Chr. gegründet wurde und Beziehungen zu Thutmosis III. aufweisen soll. König Echnaton spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Quellen
* Christian Rebisse: Rosicrucian History, Part XVI - The Journey to the East. In: Rosicrucian Digest. San José (2/2005). S. 2 - 11. [http://www.rosicrucian.org/publications/digest/digest_vol_83_2.pdf]
* Christian Rebisse: Rosicrucian History, Part XVIII - Final Article International Alliances and the Contemporary Era Charter. In: Rosicrucian Digest. San José (1/2006). S. 21 - 31. [http://www.rosicrucian.org/publications/digest/2006%20Dig%20v84_1b.pdf]
* Lothar Diehl: Initiatenorden und Mysterienschulen. ISBN 3884680714
Literatur
* Frietsch, Wolfram: Die Geheimnisse der Rosenkreuzer. ISBN 3499604957
* Larré, Christian: Das geistige Vermächtnis des Alten Ägypten. Aus der Rosenkreuzer Forschung. ISBN 3925972390
* Sievert, Hans H.: Im Zeichen von Kreuz und Rose. ISBN 3884680633
* Weitnauer, Bernhard: Die mystische Botschaft der abendländischen Musik. Rosenkreuzerische Gedanken zur Musik von ihren Anfängen bis Heute. ISBN 3925972412
Weblinks
• AMORC Die Rosenkreuzer - AMORC Baden-Baden Offizielle Homepage der deutschen Jurisdiktion
• Dokumentenarchiv AMORC
• Positio Fraternitatis Rosæ Crucis
• Rose+Croix Journal (englischsprachig)

