Altnordische Sprache
thumb|250px|Ungefähre_Verbreitung_des_Altnordischen_im_frühen_10._Jahrhundert._Rot:_Altwestnordisch;_Orange:_Altdänisch_und_Altschwedisch;_Rosa:_Altgutnisch._Grün:_Andere_germanische_Sprachen,_mit_denen_Altnordisch_wechselseitig_verständlich_war.
Altnordische Sprache ist eine Sammelbezeichnung für die nordgermanischen_Sprachen, die zwischen etwa 800 (Beginn der Wikingerzeit) und 1500 in Skandinavien gesprochen wurden.
Zunächst nur auf Dänemark, Norwegen, Schweden und die Südwestküste Finnlands beschränkt, breitete sich das Altnordische mit den Wikingern auf die Orkneys, Shetlandinseln, Teile Schottlands, Irlands und Mittelenglands, die Färöer, Island und kleine Teile Grönlands aus. Ihr unmittelbarer Vorläufer ist das Urnordische. Um ca. 1500 wurde die Sprache nur noch in Skandinavien (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland) und auf den nordatlantischen Inseln (Orkneys, Shetland, Färöer und Island) gesprochen.
Das Altnordische wird u. a. anhand des Charakteristikums der Ostnordischen_Monophtongierung in Altwestnordisch und Altostnordisch unterteilt. Das Altostnordische umfasst Altdänisch, Altschwedisch und Altgutnisch, das Altwestnordische Altnorwegisch, Altisländisch, und Altfäröisch, die sich bis ins 13. Jahrhundert nur wenig voneinander unterschieden.
Die Eigenbezeichnung dieser sich ab dem 9. Jahrhundert allmählich voneinander differenzierenden Sprachen im Mittelalter war dönsk tunga (wörtlich: dänische Zunge).
Im Früh- bis Hochmittelalter ist eine wechselseitige Verständlichkeit der altnordischen Sprachen mit dem Altniederdeutschen (Altsächsischen) und dem Altenglischen anzunehmen, auf das die Altnordische Sprache merklichen Einfluss ausübte. Dies ist noch besonders stark im englischen Dialekt Scots zu erkennen.
Weitere Begriffsklärung
Da der größte Teil der altnordischen_Literatur auf Altisländisch und Altnorwegisch überliefert ist, werden die Begriffe Altnordisch, Altwestnordisch und Altisländisch oft synonym benutzt.
Aufgrund der engen Verwandtschaft werden die altnordischen Sprachen auch als Dialekte eines Altnordischen verstanden, als dessen Standardform dann das normalisierte Altisländisch gilt.
In Skandinavien wird oft das Wort norrön (schwed. norrön, dän./norw. norrøn(t)) benutzt und bezieht sich dann auf die alt(west)nordische Sprache oder ganz allgemein auf die altnordische Kultur.
Das Neuisländische norrænt mál (Nordische Sprache) bezeichnet die modernen nordgermanischen Sprachen, da die Isländer sich sehr stark mit ihrer vielfältigen mittelalterlichen Literatur identifizieren und besonders im sprachlichen Bereich die Kontinuität mit dem Mittelalter wahren wollen.
Nachfolgesprachen
Die modernen Nachfolger des Altnordischen sind die westnordischen Sprachen Isländisch, Nynorsk, Färöisch und das ausgestorbene Norn von den Orkney- und den Shetlandinseln, sowie die ostnordischen Sprachen Schwedisch, Bokmål und Dänisch.
Norwegisch geriet ab dem 15. Jahrhundert nach der Kalmarer Union unter starken Einfluss des Dänischen. Es gibt zwei offizielle norwegische Schriftsprachen. Bokmål entstand aus der Norwegisierung der dänischen Schriftsprache. Nynorsk ist eine Kunstsprache aus den konservativen ländlichen Dialekten vor allem West- und Nordnorwegens, die Mitte des 19._Jahrhunderts vom Sprachforscher Ivar Aasen geschaffen wurde.
Vom altnordischen Sprachstand haben sich Isländisch und das nahe gelegene Färöisch innerhalb der letzten tausend Jahre am wenigsten wegentwickelt. Beide Sprachen weisen viele grammatische Eigenschaften auf, die in den anderen skandinavischen Sprachen verloren gegangen sind. Es wird noch sehr genau zwischen drei Geschlechtern (Maskulinum, Femininum und Neutrum) und vier bzw. drei Fällen (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ im Isländischen; Färöisch bewahrt den Genitiv nur sehr begrenzt in gehobener Sprache, besitzt aber die anderen drei Fälle). Auch der puristische moderne Wortschatz des heutigen Isländischen und Färöischen hat viele alte Wörter bewahrt und erinnert durch das weitgehende Fehlen von Fremdwörtern sehr an das Altnordische. In der Orthographie beider Sprachen wurde darauf geachtet, dass sie sich am altnordischen Original orientieren.
Vokale
Die Vokalphoneme erscheinen meist als Paare aus kurzem und langen Vokal. Schriftlich wird der lange Vokal durch einen Akzent markiert. Alle Phoneme haben, mehr oder weniger, die erwartbare phonetische Realisierung.
Konsonanten
Das Altnordische kennt sechs Plosivlaute. Von diesen tritt selten am Wortanfang auf während und auf Grund der frikativen Allophone des Proto-Germanischen nicht zwischen Vokalen auftreten (etwa: *b • > v zwischen Vokalen). Das Phonem wird wortinnerhalb sowie am Wortende als stimmhafter velarer Frikativ realisiert, außer es ist Glyphe ausgedrückt wie im IPA, Ausnahmen sind in folgender Tabelle ersichtlich.
Grammatik
Das Altnordische war eine Nomina (Substantive) konnten eines von drei grammatischen Geschlechtern aufweisen - Maskulinum, Femininum oder Neutrum. Substantive, Adejektive und Pronomina wurden in vier grammatischen Fällen dekliniert - Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ, jeweils im Singular und Plural. Es gab verschiedene Klassen von Substantiven innerhalb jedes Geschlechts. Es folgt ein Beispiel einiger typischer Flexionsparadigmen:
Das maskuline Substantiv armr (Deutsch Arm):Das Femininum hll (Deutsch Halle, Saal):Das Neutrum troll (Deutsch Troll):
Der bestimmte Artikel wurde als Suffix ausgedrückt, z. B. troll (Ein Troll) - trollit (Der Troll), hll (Eine Halle) - hllin (Die Halle), armr (Ein Arm) - armrinn (Der Arm).
Verben wurden nach Person und Numerus Präsens und der Vergangenheit, im Indikativ, Imperativ und Subjunktiv.
Texte
Die frühesten Inschriften in altnordischer Sprache sind Runen aus dem 8. Jahrhundert. Runen waren bis ins 15. Jahrhundert gebräuchlich. Mit der Konvertierung zum Christentum im 11. Jahrhundert kam das lateinische Alphabet. Die ältesten erhaltenen altnordischen Texte in lateinischer Schrift stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Allmählich wurde das Altnordische zum Transportmittel einer großen und vielfältigen mundartlichen Literatur - einzigartig im mittelalterlichen Europa.
Der Großteil der erhaltenen Literatur wurde auf Island verfasst. Am bekanntesten sind die nordischen und isländischen Sagen, sowie die mythologische Literatur, aber es existiert auch ein großer Bestand an religiöser Literatur, Übersetzungen höfischer Romanzen ins Altnordische, klassische Mythologie, das Alte Testament, als auch Anleitungen, grammatische Abhandlungen und viele Briefe und offizielle Dokumente.
Verhältnis zum Englischen
Altenglisch und Altnordisch waren eng verwandte Sprachen, und es ist daher nicht überraschend, dass viele altnordische Worte dem Sprecher des Englischen bekannt vorkommen. Beispiele hierfür sind etwa armr (arm), fótr (foot), land (land), fullr (full), hanga (hang), standa (stand) und viele andere. Das liegt daran, dass sowohl das Englische als auch das Altnordische aus dem Altgermanischen entstanden. Außerdem wurde in der Zeit der Wikinger eine Vielzahl altnordischer Worte dem Altenglischen geborgt, die schließlich Lehnworte wurden. Es gibt viele Beispiele für altnordische Lehnwörter im modernen Englisch, darunter knife, skirt, sky, window und they.
Dialekte
Als sich das Urnordische im 8. Jahrhundert ins Altnordische entwickelte, unterschieden sich die Umlaute nach geographischer Lage.
Die typischen Umlaute (etwa fylla von *fullian) waren im Westen stärker, während jene, die in Diärese resultierten (Beispiel: hiarta von herto) im Osten einflussreicher waren. Dieser Unterschied war der Hauptgrund der Dialektisierung im 9. und 10. Jahrhundert, die einen altwestnordischen Dialekt in Norwegen und den atlantischen Siedlungen prägte sowie einen altostnordischen Dialekt in Dänemark und Schweden.
Ein zweiter Unterschied war, dass das Altwestnordische bestimmte Konsonantenkombinationen verlor. Die Kombinationen -mp-, -nt-, und -nk- wurden im Altwestnordischen zu -pp-, -tt- and -kk- assimiliert, allerdings wurde dieses Phänomen im Altostnordischen eingeschränkt.
Solche Unterschiede waren jedoch die Ausnahme. Die Dialekte waren sich sehr ähnlich und wurden oft als ein und dieselbe Sprache angesehen, eine Sprache, die manchmal als dnsk tunga (Dänische Zunge [Sprache]) und manchmal als norr?nt mál (Nordische Sprache) bezeichnet wird. Dies wird in den folgenden Zitaten aus Einar Haugen: Die skandinavischen Sprachen. Eine Einführung in ihre Geschichte. Buske, Hamburg 1984. ISBN 3871185515
Siehe auch
• Sprachen], Germanische Sprachen
* Altnordische Kultur:
:Altnordische Literatur, Nordische Mythologie, Nordgermanische Religion
Weblinks
• heimskringla.no
• Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch (Wörterbücher Altnordisch-Deutsch und Deutsch-Altnordisch)
• Northvegr.org - Zoëga's A Concise Dictionary of Old Icelandic (Altnordisch-Englisches Wörterbuch)

