Alfred Schliz
Alfred Schliz (18. September 1849 in Heilbronn, ? 22. Juni 1915 ebenda) war Arzt und Anthropologe, der die steinzeitliche Großgartacher Kultur entdeckt hat. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Prähistoriker und befasste sich vor allem mit der Urgeschichte Süddeutschlands und des Alpengebietes.Leben
Schliz entstammt einer ursprünglich aus der Wetterau stammenden Familie, die mit seinem Großvater Joseph Christian von Schliz (1780?1861), dem ersten württembergischen Oberamtmann in Heilbronn, zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Stadt angelangt war. Alfred Schliz trat 1879 wie sein Vater Adolf Schliz eine Stelle als Stadtarzt in Heilbronn an, wo er sich u. a. der öffentlichen Gesundheitspflege als Schularzt und der Tuberkulosevorsorge widmete. Er interessierte sich für die Entstehung der Rassen und begann mit Grabungen in und um Heilbronn. Obwohl sich sein spätes Lebenswerk insbesondere durch archäologische und regionalgeschichtliche Taten und Werke auszeichnet, unterhielt er bis zu seinem Tod weiterhin eine Arztpraxis in seinem Patrizierhaus in der Hohen Straße in Heilbronn.
Bei Grabungen von Schliz am Heuchelberg bei Großgartach auf der heutigen Gemarkung von Leingarten wurden mehrere rechteckige, steinzeitliche Wohnstellen gefunden, deren Keramik er auf das 3./4. Jahrtausend v. Chr. datierte und die mit bisherigen Funden nicht vergleichbar war. Schliz prägte den Begriff Großgartacher Kultur für die von ihm gefundene Linearkeramik. Er fand außerdem Hügelgräber auf dem Heilbronner Schweinsberg und verortete auf dem Wartberg die Überreste einer bronzezeitlichen Höhenburg mit Ringwall und Graben. Schliz stellte Funde aus allen bedeutenden Epochen der Besiedlung des Heilbronner Raums von der Steinzeit bis ins Mittelalter sicher. Er fand auch rund 40 Gräber aus der Übergangszeit der alemannischen zur fränkischen Zeit um 500 n. Chr. auf dem Heilbronner Rosenberg.
Seine Interpretation der Funde ist zwar inzwischen teilweise überholt, sein unbestreitbares Verdienst bleibt dennoch die Erfassung der zahlreichen vorgeschichtlichen Funde in und um Heilbronn, die insbesondere bei den vielen großen Bauvorhaben in der wirtschaftlich prosperierenden Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts zu Tage traten.
1899 veröffentlichte er seine erste Schrift über Abstammung und Körperbeschaffenheit der Bevölkerung im Oberamtsbezirk Heilbronn. Im selben Jahr wurde er Hofrat und Vorsitzender des Historischen Vereins Heilbronn, der 1879 das erste naturhistorische Museum der Stadt eröffnet hatte. In Heilbronn hinterließ er bleibende architektonische Spuren: Schliz ließ 1901 in der Heilbronner Alexanderstraße ein Landhaus im Jugendstil errichten, das bis heute zu den architektonisch auffälligsten Villen in Heilbronn zählt. Der historische Siebenröhrenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, eines der Wahrzeichen der Stadt, wurde 1904 auf seine Initiative wiederhergestellt.
1901 erschien seine Veröffentlichung Das steinzeitliche Dorf Großgartach, aus seiner Neuordnung des Historischen Museums im Gerichts-_und_Fleischhaus resultierte 1906 ein bedeutender Katalog, mit dem er bereits ein ?lückenloses Bild der Kultur und der geschichtlichen Entwicklung des unteren Neckarlandes von der ältesten Ur- und Vorgeschichte an bis zur Neuzeit? zeichnete und auf dessen Grundlage 1911 der Beitrag Siedlungswesen und Kulturentwicklung des Neckarlandes in vorgeschichtlicher Zeit entstand.
1909 hatte er den Vorsitz beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte in Posen, 1911 fand der Kongress in Schliz' Heimatstadt Heilbronn statt. Die württembergische Regierung entsandte Schliz 1913 als offiziellen Regierungsvertreter zum Anthropologen-Kongress nach Monaco.
Am 25. November 1914 wurde das Heilbronner Naturkunde-Museum in der ehemaligen Leichenhalle des Alten_Friedhofs eröffnet, das unter seiner Förderung entstanden war.
Schliz war in erster Ehe mit der Tochter des Kommerzienrates Meißner verheiratet, mit der er den Sohn Alfred hatte und die bei der Geburt der Tochter Herta verstarb. Sieben Jahre nach ihrem Tod heiratete er Emilie Link und hatte weitere drei Kinder: Gerolf, Manfred und Renate.
Würdigung
* Das Naturhistorische Museum im Heilbronner Alten Friedhof wurde 1935 erweitert und nach Alfred Schliz benannt. Das Gebäude und seine Sammlung wurden beim Luftangriff auf Heilbronn 1944 zerstört.
* Schliz wurde 1999 aus Anlass seines 150. Geburtstages mit einer Sonderausstellung der Städtischen Museen Heilbronn bedacht.
Die Schlizstraße in Heilbronn ist jedoch nicht nach Alfred Schliz, sondern nach seinem Großvater Joseph Christian von Schliz benannt, dem ersten Oberamtmann und Heilbronner_Ehrenbürger.
Veröffentlichungen
*Der Entwicklungsgang der Erd- und Feuerbestattung in der Bronze- und Hallstattzeit in der Heilbronner Gegend. In: VÖHV Heilbronn 6, 1896/1900, S. 1-18
*Grabstein einer Edelfrau aus dem Geschlecht von Böckingen, aus dem Jahr 1288, aufgefunden beim Umbau der Kirche zu Böckingen, Sommer 1900. In: VÖHV Heilbronn 6, 1896/1900, S. 63-67
*Das steinzeitliche Dorf Großgartach, seine Keramik und die spätere Besiedlung der Gegend. Fundber. Schwaben 8, 1900, S. 47-59
*Der Anteil der Alamannen an den Grabfeldern des frühen Mittelalters im Neckargau. In: VÖHV Heilbronn 7, 1900/03, S. 1-42
*Die gallischen Bauernhöfe der Früh-La-Tène-Zeit im Neckargau und ihr Hausinventar, 1905
*Führer durch die Sammlungen des historischen Museums in Heilbronn. In: VÖHV Heilbronn 8, 1903/06, S. 1-114
*Heilbronner Urgeschichtsforschung und ihre Ergebnisse für das Historische Museum. In: VÖHV Heilbronn 9, 1906/09, S. 1-23
*Siedlungswesen und Kulturentwicklung des Neckarlands in vorgeschichtlicher Zeit. In: VÖHV Heilbronn 10, 1909/12, S. 1-56
*Die vorgeschichtlichen Schädeltypen der deutschen Länder in ihrer Beziehung zu den einzelnen Kulturkreisen der Urgeschichte. In: Archiv für Anthropologie, Band 9, 1910
*Siedlungswesen und Kulturentwicklung des Neckarlandes in vorgeschichtlicher Zeit. Festschr. z. 42. Vers. Dt. Anthr. Ges. Heilbronn (1911)
Literatur
*Peter Goessler: Alfred Schliz. Der Mensch, Arzt und Forscher 1849-1915. In: VÖHV Heilbronn 20, 1951, S. 180-191
*Christina Jacob: Hofrat Dr. med. Alfred Schliz ? Stadtarzt, Familienvater und engagierter Bürger. In: Schliz, ein Schliemann im Unterland? 100 Jahre Archäologie im Heilbronner Raum (Hrsg.: Christina Jacob), Heilbronn 1999
*Uwe Jacobi: Dr. Alfred Schliz. Der grabende Hofrat. In: Heilbronn. Sie machten Geschichte. Siebtes Buch über Heilbronn.
*Friedrich Klein: Siedlungsfunde der ausgehenden Späthallstatt- und frühen Latènezeit in Württemberg (referenziert ca. 100 Mal auf Schliz)
Weblinks
• PDF-Version des Buches von Friedrich Klein

