Alfred Grotjahn
Alfred Grotjahn (25. November 1869 in Schladen, ? 4. September 1931 in Berlin) war ein deutscher Mediziner jüdischer Herkunft. Er gilt als Begründer der Sozialhygiene in Deutschland.Grotjahn studierte in Greifswald, Leipzig, Kiel und Berlin Medizin und war während seines Studiums in sozialistischen Studentenkreisen aktiv. Im Jahr 1896 eröffnete er schließlich in Berlin-Kreuzberg eine eigene Arztpraxis, in der er 20 Jahre praktizierte. Bald befasste sich Grotjahn wissenschaftlich mit sozialen Themen wie Alkoholismus, mit den Verhältnissen des Gesundheitswesens und des Wohnens.
Im Jahr 1912 wurde Grotjahn zum Universitätsdozenten an der Berliner Charité ernannt, 1920 bekam er einen eigenen Lehrstuhl für Sozialhygiene. Für die Amtszeit 1927/28 wurde er zum Dekan der Charité ernannt.
Grotjahn war Mitglied der SPD und von 1921 bis 1924 Mitglied des Reichstags. Er war auch Autor des gesundheitspolitischen Abschnitts des Görlitzer_Programms der SPD von 1922.
Theorie
1902 entwickelte er seine Theorie der Sozialen Hygiene, die er 10 Jahre darauf in seinem Werk Soziale Pathologie zusammenfasste. Seiner Theorie zufolge hat das soziale Umfeld des Patienten Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten wie auch auf deren Heilung. Besondere Beachtung fand diese Theorie zu seiner Zeit allerdings nicht, denn soziale Bedingungen spielten für die streng naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin seiner Zeit keine bedeutende Rolle.
Anfangs von Eugenikern wegen seiner Theorie angegriffen, bewegte sich Grotjahn selbst immer weiter in die eugenische Richtung. Grotjahn war Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene. In der 1926 erschienenen Hygiene der menschlichen Fortpflanzung trat er für die Zwangssterilisierung ?Minderwertiger? ein.
Mit seiner Forderung, 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aufgrund vermeintlich minderwertiger Erbanlagen zu sterilisieren, war er schliesslich der radikalste Eugeniker der Weimarer Republik geworden. Er sprach sich auch gegen die weitere Verbreitung von slawischen und Kolonialvölkern aus.
Literatur
* Schwartz, Michael, Sozialistische Eugenik. Eugenische Sozialtechnologien in Debatten und Politik der deutschen Sozialdemokratie 1890-1933, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte Bamd 42, 367 S., Verlag Dietz Nachf., Bonn 1995 ISBN 3-8012-4066-5

