Alfred Doren
Alfred Doren (• Mai] 1869 in Frankfurt am Main, ? 28. Juli 1934) war ein deutscher Professor mit dem Hauptforschungsgebiet der Wirtschaftsgeschichte.Am 15. Mai 1869 wurde Alfred Doren als Sohn des jüdischen Kaufmanns Adolph Doctor in Frankfurt am Main geboren, studierte Doren, der seinen Namen kurz nach der Promotion mit Genehmigung der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig (wie auch dem Doktorbuch zu entnehmen ist) änderte wegen möglicher Irritation mit dem akademischen Grad, in Bonn und Berlin Geschichte und Nationalökonomie. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Karl Lamprecht, Heinrich von Treitschke und vor allem der bedeutende Nationalökonom der Historischen Schule Gustav Schmoller, bei dem er 1892 mit einer wirtschaftshistorischen Arbeit promoviert wurde. Schmoller war es auch, der Doren für einen mehrjährigen Forschungsaufenthalt in Italien empfahl.
Die Jahre in Italien und die gründliche Erforschung seiner Archive und Bibliotheken begründeten Dorens lebenslanges Interesse an der italienischen Wirtschaftsgeschichte. Schon hier begann er an seinem Hauptwerk zu arbeiten, den zweibändigen "Studien aus der Florentiner Wirtschaftsgeschichte". Es betrifft hauptsächlich die Zeit des italienischen Mittelalters bzw. der Renaissance. Neben Robert Davidsohns vierbändige Geschichte von Florenz ist Dorens Wirtschaftsgeschichte trotz aller Anfeindungen seiner Gegner ein Werk von grundlegender Bedeutung. Neben Davidsohn befand sich Doren u.a. mit Aby Warburg im regen freundschaftlichen Kontakt.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland habilitierte er sich in Leipzig und wurde 1908 zum nichtbeamteten ausserordentlichen Professor ernannt. Als 1914 der Erste_Weltkrieg ausbrach, meldete sich Doren, immerhin schon 45-jährig, freiwillig zum Militärdienst. Das war in Leipzig unter den Professoren nicht unbedingt eine Ausnahme. Der Neutestamentler Caspar René Gregory (geb. 6.11. 1846 in Philadelphia; gef. 1917) gilt als der älteste Kriegsfreiwillige überhaupt. Nach dem plötzlichen Tod seines akademischen Lehrers Karl Lamprecht im Jahre 1915 wurde ihm aber die kommissarische Leitung des Instituts_für_Kultur-_und_Universalgeschichte übertragen, die dann Goetz übernahm.
Ende 1915 wurde Doren in die Politische Abteilung des Generalgouvernements_Belgien berufen, wo er an der Auswertung erbeuteter Akten aus belgischen Archiven beteiligt war. Die herausgegebenen und von Doren mitbearbeiteten Studien zur belgischen Wirtschafts- und Kolonialpolitik trugen aber deutlich propagandistische und agitatorische Züge.
Nach dem Ende des Krieges war Doren zeitweise in Berlin tätig, bevor er 1923 auf das neugegründete Extraordinariat für Wirtschaftsgeschichte der Universität Leipzig berufen wurde. Nach zehn Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit gehörte Alfred Doren zu den ersten Leipziger Hochschullehrern, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten im Herbst 1933 entlassen wurden. Mit seiner Entlassung und der von Walter Goetz war zugleich das Ende einer jahrzehntelangen Forschungstradition der italienischen Renaissance in Leipzig verbunden.
Literatur zu Doren
* Gerald Diesener/Jaroslav Kudrna: Alfred Doren (1869-1934) - ein Historiker am Institut für Kultur- und Universalgeschichte. In: Gerald Diesener (Hrsg.), K. L. weiterdenken. Universal- u. Kulturgesch. heute (Btrr. z. Universalgesch. u. vergleichenden Gesellschaftsforsch., 3) (Leipzig 1993), 60-85. (Karl Lamprecht Vortrag 1992 auch als Separatdruck)
* Perdita Ladwig: Das Renaissancebild deutscher Historiker 1898-1933. Frankfurt/M., New York 2004.
* Ronald Lambrecht: Politische Entlassungen in der NS-Zeit: Vierundvierzig biographische Skizzen von Hochschullehrern der Universität Leipzig. Leipzig 2006, S. 52-55.
Weblinks
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• Informationen der Universität Leipzig zu Doren

