Alexei Innokentjewitsch Antonow
Alexei Innokentiewitsch Antonow (russisch , wiss. Transliteration ; Generalstabes, und während der Abwesenheit Marschall Wassilewskis de facto Chef des sowjetischen Generalstabes, nach dem Krieg war er Stabschef der Streitkräfte des Warschauer_Vertrages und Armeegeneral.
Jugend und Zwischenkriegszeit
Sowohl Vater wie Großvater Antonows waren Artillerieoffiziere. In Siberien lernte sein Vater Tereza Ksawertewna, die Tochter eines verbannten polnischen Aufständischen kennen und ehelichte sie. Alexei wurde als zweites von drei Kindern dieser Verbindung in Grodno geboren. Die gebildeten Eltern erzogen die Kinder zu Strebsamkeit, Disziplin und Vaterlandsliebe. Sehr bald sprach der Knabe neben Russisch fließend Polnisch und lernte bald auch Deutsch, Englisch und Französisch, was sich im Zuge seiner militärischen Studien als sehr wertvoll erweisen sollte. Nebenbei weckte sein Vater auch sein Interesse am Militär, besichtigte mit ihm Schlachtfelder und die Sommerlager seines Verbandes, was früh den Wunsch reifen ließ, selbst Offizier zu werden. Diese Wünsche erlitten einen Rückschlag durch den frühen Tod seines Vaters im Jahr 1908 und den Tod seiner Mutter (1915).
Alexei hatte nun auch die Familie zu unterstützen und wurde Fabrikarbeiter. Nebenbei gelang es ihm jedoch mit dem Studium der Physik und der Mathematik in Petersburg zu beginnen. Der erste Weltkrieg zwang ihn zur Studienunterbrechung. Antonow wurde zunächst auf einen Unteroffizierskurs geschickt, im Frühjahr 1917 wurde sein Regiment der 8.Armee an der Südwestfront zugeteilt, die General Brusilow führte. Antonow nahm an Brussilows Offensive teil, die nach Anfangserfolgen mit einer Niederlage endete, wobei Antonow verwundet wurde. 1918 schloss er sich der Roten Armee an, wo er seinen ersten Einsatz als stellvertretender Stabschef der 3. Brigade erlebte. Nach weiteren Kämpfen wurde er befördert und diente schließlich als Stabschef der 45. Schützenbrigade der 15. Schützendivision. Seine Vorgesetzten hoben sein Ansehen bei Vorgesetzten wie Untergebenen ebenso hervor wie seine Fachkenntnisse und seinen Arbeitseifer. 1928 trat er der KPdSU bei und wurde an die Militärakademie ?M.W. Frunse? entsendet. Nach seiner Ausmusterung im Jahr 1931 wurde er Stabschef der 46. Schützendivision, wird aber ein Jahr später an die Akademie zurückberufen, wo er einen mehrmonatigen Stabskurs mit Auszeichnung absolviert und die Eignung für den Stabschef eines größeren Verbandes und auch für den Generalstab zuerkannt erhält.
Im August 1935 wird er zum Chef der Operationsabteilung des Militärbezirkes Charkow bestellt und spielt eine Schlüsselrolle bei der Planung und Durchführung des größten sowjetischen Manövers vor 1941, des Manövers_im_Militärbezirk_Kiew_1935. An dieser Übung nahmen 65.000 Mann, 1000 Panzer und 600 Flugzeuge in einer Frontbreite von 250 km teil. Von Woroschilow und Yakir belobt, bildet das Manöver das Sprungbrett zum ersten Kurs an der Generalstabsakademie, den er 1936 neben Sacharow und Goworow als Kursbester absolviert. In seiner Kursbeurteilung wird sein scharfer Intellekt, sein Eifer und seine Energie hervorgehoben. Entscheidend wurde jedoch seine Freundschaft mit Wassilewski, dem späteren Generalstabschef der Roten Armee, der ebenfalls diesen Kurs besuchte. Dieser Kurs sollte ursprünglich 18 Monate dauern, wurde aber für die besseren Studenten verkürzt, da es galt, die durch Stalins Säuberungen entstandenen Lücken zu füllen. So wurde Antonov zum Stabschef des Moskauer Militärbezirkes ernannt, kurz danach jedoch an die Frunze Akademie berufen, wo er als Taktiklehrer tätig war und nebenbei Vorschriften und Lehrbehelfe erstellte.
Antonow und der Große Vaterländische Krieg
Im Januar 1941 konnte die Antonow schließlich von seiner Lehrtätigkeit lösen und wurde stellvertretender Stabschef des Militärbezirkes Kiew. Als Chef der Abteilung für Organisation und Mobilmachung arbeitet er eng mit Oberst Iwan Hovhannes Baghramjan, dem späteren Marschall der Sowjetunion zusammen. Nach dem deutschen Überfall war Antonow zunächst als Stabschef der Südfront eingesetzt, wo ihm nach mehreren Rückschlägen im November 1942 ein Gegenangriff zur Befreiung von Rostow gelang, was Antonow die Beförderung zum Generalleutnant einbrachte. Nach der Verwendung als Generalstabschef der Schwarzmeergruppe wurde er Stabschef der Transkaukasusfront, wo es Anfang Dezember 1942 zum schicksalhaften Treffen mit Generalstabschef Wassilewski kam. Beeindruckt von seinem Lagevortrag bot er ihm den Posten des Chefs der Operationsabteilung im Generalstab an, Antonow nimmt an. Mit seinen Lagevorträgen und Vorschlägen, die sich durch Klarheit und Überzeugungskraft auszeichnen gewinnt er sehr bald Stalins Vertrauen. Am 4. April 1943 zum Generaloberst befördert übergibt er im Mai die Aufgabe der Führung der laufenden Operationen an seinen Stellvertreter Schtemenko um sich nun ausschließlich der Planung zukünftiger Operationen widmen zu können.
Sein erstes größeres Planungsvorhaben ist der erfolgreiche Gegenangriff nach Scheitern des deutschen Unternehmens_Zitadelle, der ihm die Beförderung zum Armeegeneral einbringt.
Im Jahre 1944 plante er die Operation Bagration, das zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte führte, wobei der Beginn mit der geplanten Invasion in der Normandie (Operation Overlord) abzustimmen war, was über die Alliierte Militärmission in Moskau erfolgte. Bei den Konferenzen in Yalta und Potsdam trat Antonow als Sprecher der militärischen Führung der Sowjetunion auf. Als Wassilewski Mitte Februar 1945 die 1. Baltische Front übernahm (Armeegeneeral Tschernjakowski war am 18. Februar in Ostpreussen gefallen) übernahm Antonow die Funktion des Generalstabschefs. Er nahm diese Funktion auch noch nach der Kapitulation Deutschlands wahr, da Wassilewski mit der Kommandoführung in Fernost beauftragt worden war.
Die Nachkriegskarriere
Das nächste schwierige Planungsvorhaben war die Demobilisierung von über 5 Millionen Mann und ihre Wiedereingliederung in eine sowjetische Wirtschaft, die in weiten Bereichen in Trümmern lag.
Im September 1946 wurde das Staatskomitee für Verteidigung und die Stavka aufgelöst und durch den Obersten Militärrat ersetzt, dessen stellvertretender Vorsitzender Antonow wurde. Als Wassilewski als Stabschef zurückkam, wurde Antonow mit der Führung der Abteilung Organisation und Mobilmachung betraut.
Als 1948 die erste Phase der Demobilisierung abgeschlossen war, wurde Antonow zum Sammeln von Kommandantenerfahrung zunächst als Stellvertreter und 1949 als Kommandant des Militärbezirkes Transkaukasus eingeteilt. Antonow fühlte sich in Tiflis sehr wohl, da die Atmosphäre gegenüber Moskau wesentlich entspannter war, wo Berija begonnen hatte, sich für eine Machtübernahme nach Stalins Tod zu positionieren. 1954 kehrt Antonow in den Generalstab als Stellvertreter Wassilewskis zurück, was aber nur die Vorstufe zur Übernahme der Funktion des Stabschefs der Streitkräfte des Warschauer Paktes war. Es war dies keine einfache Aufgabe, da dabei neben militärischen auch politische Aspekte eine Rolle spielten. Antonow schonte sich auch bei dieser Aufgabe nicht, obwohl er bereits 1945 einen schweren Herzanfall erlitten hatte und laufender ärztlicher Betreuung bedurfte. 1955 verlor er seine Frau Mariya Dimitriewna, 1956 heiratete er Olga Wasiliewna Lepeschinski. Der Tod ereilte ihn in Form einer Herzattacke in seinem Büro.
Beurteilung durch Mitarbeiter
Oberst Schtemenko, Mitglied der Operationsabteilung des Generalstabes, stellt Antonow ein hervorragendes Zeugnis aus. Als Wassilewski nach der Erkrankung Marschall Schaposchnikows im Juni 1942 dessen Funktion als Chef des Generalstabes übernahm, wechselte die Führung der Operationsabteilung in rascher Folge, da die Nachfolger zumeist Stalins hohen Anforderungen nicht entsprachen. Antonow entsprach. Schtemenko:Seweryn Bialer: Stalin and his generals (New York 1969) 355-360 ?Es ist keine Übertreibung wenn man A.I.Antonow als eine außergewöhnliche Persönlichkeit bezeichnet.? Schtemenko hob insbesondere sein umfangreiches Wissen, das rasche Erfassen des Wesentlichen, das schnelle, aber dennoch gründliche Erarbeiten von Lösungsvorschlägen und die Kürze, Prägnanz und Überzeugungskraft seiner Vorträge hervor.Auf den täglichen Lagevortrag bei Stalin habe er sich stets mehrere Stunden lang vorbereitet und strittige Details durch Rücksprache bei den Frontstäben geklärt. Schtemenko betont, dass er trotz der hohen Anforderungen, die er stellte, niemals aufbrausend, beleidigend oder kränkend auf Fehlleistungen reagierte.
Auszeichnungen, Ehrungen
Trotz seiner hohen Funktion und seiner Leistungen wurde Antonow nicht Marschall der Sowjetunion, er ist dafür der einzige Armeegeneral, der den Siegesorden erhielt, der außer ihm nur Stalin, 10 sowjetischen Marschällen und 5 hohen ausländischen Truppenführern verliehen wurde.
Literatur
* Shukman, Harold (Hg.) Stalin'Generals (New York 1993)
* Gaglow, I.I.:Armeegeneral A.I. Antonow (Moskau 1987) -russisch
* Schukow,G.K.: Erinnerungen und Gedanken (Stuttgart 1969)

