Alexanderroman
Alexander_des_Großen, Miniaturmalerei aus der Histoire du bon roi Alexandre um 1320; Berlin, Kupferstichkabinett Staatliches_Museum_Preußischer_Kulturbesitz]]Als Alexanderroman wird die romanhafte Biographie Alexanders_des_Großen durch einen unbekannten Autor im 3. Jahrhundert n. Chr. bezeichnet.
Die ersten Geschichten und Sagen über das ruhmreiche, doch kurze Leben Alexanders entstanden schon kurz nach seinem Tode. Fälschlicherweise Kallisthenes zugeschrieben, wurde zwischen Tatsachen und Legenden in dem abenteuerlichen Alexanderroman nur wenig unterschieden, die Erzählungen erinnern fast an die Heldentaten des Herakles und wurden meist mündlich weiter überliefert; Alexander wird dabei als Eroberer und Weltenherrscher verherrlicht. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. waren die Erzählungen sehr populär, erst später wurden sie auch schriftlich festgehalten.
Es gibt vier antike Fassungen: Sie werden mit den griechischen Zahlen ?, ?, ? und ? bezeichnet. Eine fünfte verlorene Fassung ? wird vermutet, um die Abweichungen in der syrischen Übersetzung aus dem 6. Jahrhundert zu erklären.
Ihre älteste lateinische Übersetzung, besser gesagt Bearbeitung von Iulius Valerius Alexander Polemius zu Beginn des 4. Jahrhunderts, ist die erste schriftlich erhaltene Fassung. Sie beruht auf der Fassung ?. Eine weitere lateinische Ausgabe, die dann als Vorlage für zahlreiche Übersetzungen diente, fertigte Leo von Neapel im 10. Jahrhundert. Es gibt noch eine Fassung ?, die nach 700 aus ? durch Interpolationen entstand. Es gibt einige kleine Papyrusfragmente und eine Inschrift auf Stein, die zur Datierung herangezogen werden.
Im 12. Jahrhundert folgte die französische Übersetzung des Albéric de Besançon, der Roman d?Alexandre, um 1130 das daraus entwickelte deutsche Alexanderlied des Pfaffen_Lamprecht. Um 1285 beginnt Ulrich von Etzenbach den ersten deutschen Alexanderroman in 30.000 Versen am Prager Hof König Wenzels zu dichten. Bereits im Mittelalter waren der Alexanderroman neben der Bibel das bekannteste und weitverbreitetste Buch in ganz Europa (auch in der englischen, slawischen sowie altnordischen Literatur) und weit darüber hinaus. Im Orient (besonders in der syrischen Literatur) verbreitete sich der Alexanderroman bereits früher. Auch in der islamischen Literatur fand er einen Widerhall, allerdings unter anderer Bearbeitung des Stoffes.
Überlieferung
#(?) ???? ??????????? ??? ????????? (Bíos Alexándru tu Makedónos; Leben Alexanders von Makedonien) Vermutlich 3. Jahrhundert vor Chr., sicher vor 270 n. Chr. Codex parisinus gr. 1711 (schlechter Text). Übersetzt von F. Pfister, Meisenheim 1978.
#(?) ??????????? ????????????? ? ?? ???? ???????? ????????????? ????? ??????? ??????????? ??????? (Kallistenes historiográphos ho ta perí Hellenon syngrapsámenos hútos historeí Alexandru praxeís: Der Historiker Kallisthenes, der über die griechische Geschichte geschrieben hat, beschreibt die Taten Alexanders) zwischen etwa 300 und 350 n. Chr. Teile im Codex parisinus suppl. 690 aus dem 11. Jh. und im codex Laurentianus 70.37 möglicherweise aus dem 13. Jh. Codex mosquensis 436. aus dem Ende des 14. Jh.
# (?) ???????? ????????? ??? ????? ???????? ??? ????????????? ??????????? ??? ???????? (Diégesis exaíretos kai óntos thaumasía tu kosmokrátoros Alexándru basiléos; Merkwürdige und wirklich wunderbare Erzählung vom Weltherrscher König Alexander.) Geschrieben nach (?). Erweiterte Fassung von (?) mit Geschichten jüdischen Ursprungs. Überliefert im Hellenic Institute Venice gr. 5 aus dem 14. Jh. und anderen.
# (?) ???? ??????????? ??? ???????? ????????? (Bíos Alexándru tu basiléos Makedónon; Leben Alexanders, des Königs der Makedonen) etwa 8. Jahrhundert n. Chr. Eine kurze Nacherzählung. Codex bodleianus barocc. 17 aus dem 14. Jahrhundert
# Iulius Valerius Alexander Polemius, Res gestae Alexandri Makedonis translatae ex Aesopo Graeco (Taten Alesanders von Makedonien, übersetzt aus dem greichsichen Aesop). Lateinische Übersetzung von (?). Überliefert im Palimpsestus Taurinensis a II. 2 aus dem 6. Jh., 1904 verbrannt und in weiteren Handschriften.
# Leo von Neapel, Nativitas et victoria Alexandri magni regis. (Geburt und Sieg König Alexanders des Großen.) aus dem 10. Jahrhndert. Überliefert im Codex Bambergensis E III 4 (um 1000) und einer weiteren.
# Eine armenische Übersetzung einer (?)-Handschrift, möglicherweise aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. unter dem Titel: ?Geschichte des großen Welteroberers Alexander von Makedonien.?
# Eine syrische Übersetzung einer mit der (?)-Handschrift verwandten Handschrift. aus dem 6. Jh. unter dem Titel Geschichte Alexanders, des Sohnes des Makedonenkönigs Philipp.
Es existieren einige Papyrusfragmente aus den ersten beiden Jahrhunderten nach Chr.
Die Fassung (?) ist im Codex bodleianus barocc. 23 aus dem 14. Jahrhundert und weiteren überliefert. Übersetzt von L. van Thiel, Darmstadt 1983. Griechisch-Deutsch.
Literatur
* L?Ystoire du bon roi Alexandre: der Berliner Alexanderroman; Handschrift 78 C 1 des Kupferstichkabinetts Preußischer Kulturbesitz Berlin. Faksimile-Ausgabe, Stuttgart 2002.
* Leben und Taten Alexanders von Makedonien. Der griechische Alexanderroman nach der Handschrift L. Hrsg. und übers. von Helmut van Thiel, Darmstadt 1974 (Texte zur Forschung, Bd. 13).
* Birgit Meineke: Krakauer Neufund zum Alexanderroman des Ulrich von Etzenbach. Göttingen 1999 (= Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen 7).
* Reinhold Merkelbach: Die Quellen des griechischen Alexanderromans. 2. Aufl., München 1977.
* Friedrich Pfister: Kleine Schriften zum Alexanderroman. Meisenheim 1975.
* Angelica Rieger: Der Alexanderroman. Text- und Bildband mit Abbildungen aus der Handschrift 78 C 1 Kupferstichkabinett Berlin, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-928127-97-4.
* Richard Stoneman: The Alexander Romance: From History to Fiction. In: Greek Fiction The Greek Novel in Context. Hrsg. von J. R. Morgan und R. Stoneman, London 1994, S. 117?129.
Weblinks
• Zusammenfassung

